3, 2, 1 – Stichtag! Zum fünften Mal steht Hünfeld an diesem Wochenende ganz im Zeichen des Nähens, Selbermachens und kreativen Gestaltens. Noch bis Sonntag, 6. September, findet das Näh- und DIY-Event der Nähdels statt. Zum fünften Mal haben sich die Organisatorinnen Tanja Hahner aus Nüsttal und Sandra Kanther aus Hünfeld etwas für ihre inzwischen begeisterte Näh-Community einfallen lassen. Dass der Stichtag längst mehr ist als ein Treffen von Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft, zeigte sich bereits zum Auftakt am Freitag. Die Nähdels wollten nicht weniger als einen Weltrekord nach Hünfeld holen.
Vor dem Rathaus sollte die längste Boxy-Bag-Kette der Welt entstehen. Was zunächst nach einer ungewöhnlichen, aber überschaubaren Aktion aussah, entwickelte sich schnell zu einem eindrucksvollen Gemeinschaftsprojekt. Die mitgebrachten Taschen wurden in Reihen rund um den Brunnen ausgelegt. Als der Platz dort nicht mehr ausreichte, setzte sich die Kette in Schlangenlinien über die Mittelstraße bis in die Rathausgasse fort. Aus einer Idee für den Auftakt des Stichtags wurde damit ein sichtbares Zeichen dafür, welche Kraft eine engagierte Community entwickeln kann, wenn viele Menschen für ein gemeinsames Ziel zusammenkommen.
Gemeinsam mit der Notarvertreterin Kim Schneider wurden die Boxy Bags gezählt und die Länge der entstandenen Kette ermittelt. Die Arbeit war nicht nur organisatorisch aufwendig, sondern auch körperlich schweißtreibend. Um 16 Uhr stand das Ergebnis schließlich fest: 1783 Taschen lagen auf einer Länge von 395,35 Metern rund um das Hünfelder Rathaus. Damit war klar, dass die Nähdels ihren Weltrekordversuch erfolgreich abgeschlossen hatten. Für die Konrad-Zuse-Stadt bedeutet das zugleich den vierten Weltrekord, den die Nähdels nach Hünfeld holen.
Der Vergleich mit dem vergangenen Jahr macht die Dimension des neuerlichen Rekords deutlich. 2025 hatten die Nähdels bereits mit der längsten Federmäppchen-Kette der Welt für Aufmerksamkeit gesorgt. Damals legte die nähbegeisterte Community 1248 Mäppchen auf einer Länge von 254,65 Metern vor dem Rathaus aus. Nun sind es 1783 Boxy Bags und eine Kettenlänge von 395,35 Metern. Die Zahlen erzählen dabei nicht nur von einem neuen Rekord, sondern auch von einer Veranstaltung, die ihre Reichweite und Beteiligung über die Jahre offenbar kontinuierlich steigern konnte.
„Wir haben den Weltrekord“, verkündeten Tanja Hahner und Sandra Kanther jubelnd auf der Rathaustreppe. Der Jubel war entsprechend groß, denn für die Organisatorinnen und die beteiligte Community ist der Erfolg mehr als eine Zahl auf einem Rekordprotokoll. Vier Weltrekorde haben die Nähdels inzwischen in Hünfeld aufgestellt. Eine solche Bilanz entsteht nicht allein durch die Idee zweier Organisatorinnen. Sie setzt voraus, dass eine große Zahl von Menschen bereit ist, Zeit, Kreativität und handwerkliches Können in ein gemeinsames Vorhaben zu investieren.
Auch die Stadt Hünfeld würdigte diesen besonderen Erfolg. Bürgermeister Benjamin Tschesnok hatte für die Nähdels eine Überraschung vorbereitet. Sie durften sich in das Goldene Buch der Stadt Hünfeld eintragen. Die Organisatorinnen und ihre Mitstreiterinnen waren darüber sichtlich begeistert. Der Bürgermeister hatte bereits beim Start des Weltrekords vor dem Rathaus mit dabei gewesen und den Nähdels die Daumen gedrückt. Damit wurde aus dem Weltrekordversuch zugleich ein Moment öffentlicher Anerkennung für eine Veranstaltung, die Hünfeld mittlerweile fest in ihrem Veranstaltungskalender verankert hat.
Der Rekord war allerdings nur der Auftakt des fünften Stichtags. Mehr als 700 Nähbegeisterte werden an diesem Wochenende in Hünfeld erwartet. Am Samstag und Sonntag, 5. und 6. September, präsentieren Aussteller im Alten Lokschuppen ihre neuesten Produkte. Damit richtet sich das Event nicht ausschließlich an jene, die bereits seit Jahren nähen und kreativ arbeiten. Gerade die Verbindung aus Ausstellung, Austausch und praktischen Angeboten macht den Stichtag zu einem Treffpunkt für die gesamte Näh- und DIY-Community.
Ergänzt wird das Programm durch Workshops mit Profis. Diese finden im Rathaus und im Co-Working-Space #zuseworks statt. Dort geht es nicht allein darum, fertige Produkte zu betrachten. Im Mittelpunkt steht vielmehr das eigene Machen, das Erlernen neuer Techniken und der Austausch unter Menschen, die ihre Leidenschaft für Handarbeit teilen. Der Stichtag verbindet damit unterschiedliche Seiten einer Szene, die sich längst nicht mehr auf das klassische Nähen beschränkt. DIY steht für eine Haltung, bei der Kreativität, Individualität und handwerkliches Können zusammenkommen.
Für Interessierte aus der Region gibt es am Sonntag zudem eine Gelegenheit, den Stichtag ohne Eintritt zu besuchen. Ab 14 Uhr ist der Eintritt zum Stichtag im Lokschuppen frei. Gleichzeitig findet dort von 10 bis 16 Uhr der Handmademarkt vor dem Lokschuppen statt. Wer sich also einen Eindruck von der Veranstaltung machen möchte, kann am Sonntag nicht nur die Aussteller besuchen, sondern auch den Handmademarkt nutzen, um die Vielfalt selbst gefertigter Produkte kennenzulernen.
Der vierte Weltrekord ist dabei sicherlich der spektakulärste Beleg für die Entwicklung des Stichtags. Entscheidend für die Organisatorinnen dürfte jedoch etwas anderes sein: Hinter den 1783 Boxy Bags stehen 1783 einzelne Beiträge zu einem gemeinsamen Vorhaben. Jede Tasche für sich ist ein handgefertigtes Stück, erst ihre Verbindung machte daraus eine fast 400 Meter lange Rekordkette. Genau darin liegt die besondere Geschichte dieses Weltrekords. Er wurde nicht von einem einzelnen Rekordhalter aufgestellt, sondern von einer Community, die ihre Leidenschaft in eine gemeinsame Leistung übersetzt hat. Hünfeld war dafür nicht nur Austragungsort, sondern erneut die Bühne für ein ungewöhnliches Gemeinschaftsprojekt. +++





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