Die Ermittlungen nach dem Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle nehmen offenbar eine neue Wendung. Nach einem Bericht der „Bild“ haben Ermittler auf der mit Sprengstoff beladenen Drohne eine DNA-Spur gesichert. Diese soll demnach mit einer DNA-Spur übereinstimmen, die nach dem Brandanschlag vom 20. Juli 2024 im DHL-Logistikzentrum in Leipzig festgestellt worden war.
Sollte sich die Übereinstimmung bestätigen, könnte dies den Ermittlern einen wichtigen Ansatzpunkt liefern. Im Mittelpunkt dürfte dann die Frage stehen, ob zwischen dem Brandanschlag und dem jüngsten Drohnen-Vorfall ein Zusammenhang besteht und wer hinter den beiden Vorgängen steckt. Die Ermittlungen zur Identifizierung des möglichen Täters beziehungsweise der möglichen Täter dauern an.
Die Drohne war in der vergangenen Woche auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle in der Nähe einer ukrainischen Antonow-Frachtmaschine entdeckt worden. Nach bisherigen Erkenntnissen war sie mit Sprengstoff beladen. Zu einer Explosion kam es jedoch nicht.
Unterdessen sind weitere Einzelheiten zum Ablauf des Vorfalls bekannt geworden. Nach einem Bericht der „Zeit“, der sich auf Videomaterial von Überwachungskameras stützt, soll die Drohne offenbar unmittelbar mit der ukrainischen Frachtmaschine kollidiert sein. Die Aufnahmen zeigen demnach, wie sich das Flugobjekt am Dienstag gegen 19.30 Uhr der auf dem Flughafen abgestellten Antonow näherte und schließlich eine Tragfläche des Flugzeugs traf.
Gerade dieser Umstand verleiht dem Vorfall eine besondere Brisanz. In den Tragflächen von Flugzeugen befinden sich üblicherweise die Treibstofftanks. Nach Darstellung der „Zeit“ prallte die Drohne von der Tragfläche ab und fiel anschließend zu Boden. Spuren an einem Flügel der Antonow sollen diesen Ablauf bestätigen.
Der Sprengsatz explodierte dennoch nicht. Weshalb es nicht zu einer Detonation kam, ist bislang unklar. Nach den bisherigen Erkenntnissen wurde der Sprengsatz zudem nicht unmittelbar an der Drohne gefunden, sondern in einiger Entfernung. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass sich der Sprengsatz beim Aufprall auf die Tragfläche von der Drohne löste. Ob dies tatsächlich der Grund dafür war, dass es zu keiner Explosion kam, müssen die weiteren Ermittlungen klären.
Der Vorfall beschäftigt inzwischen auch die Bundespolitik. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) kündigte an, die Vorkehrungen zur Erkennung und Abwehr von Drohnen an deutschen Flughäfen verbessern zu wollen. Gegenüber „Politico“ verwies Bilger darauf, dass die Deutsche Flugsicherung für die Sicherheit im Luftraum rund um die Flughäfen zuständig sei. Eine verlässliche und frühzeitige Erkennung von Drohnen spiele dabei eine entscheidende Rolle.
Frankfurt und München seien inzwischen besser ausgestattet, sagte Bilger. Bei den übrigen Flughäfen müsse die weitere Ausrüstung nun beschleunigt werden. „Was die anderen Flughäfen angeht, haben wir keine Zeit zu verlieren“, so der Minister. Er wolle bei der weiteren Ausstattung so schnell wie möglich vorankommen.
Auch die Sicherheit bei der Bahn gehört nach Bilgers Angaben zu den Themen, bei denen spürbare Verbesserungen erreicht werden sollen. Nach einem Gespräch mit Bahnchefin Evelyn Palla sehe er Möglichkeiten für Fortschritte bei Sicherheit, Sauberkeit und den Kundeninformationen. Auch bei der Pünktlichkeit müsse sich etwas bewegen.
Der Drohnen-Vorfall von Leipzig rückt damit über die konkrete Gefährdung am Flughafen hinaus eine Frage in den Mittelpunkt, die inzwischen auch die Sicherheitsbehörden und die Politik beschäftigt: Wie schnell lassen sich Drohnen erkennen, die sich einem sensiblen Bereich nähern, und wie zuverlässig können sie abgewehrt werden? Im Fall Leipzig dürfte zunächst jedoch die Aufklärung des konkreten Vorgangs im Vordergrund stehen. Die mutmaßliche DNA-Übereinstimmung mit dem DHL-Brandanschlag könnte dabei eine neue Spur liefern. +++

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