War das eine Fußballweltmeisterschaft 2026! An Superlativen kaum zu überbieten: 48 Mannschaften, 3 Kontinente, viele hochwertige Spiele mit einem verdientem Weltmeister Spanien, so die Experten aus der Medienwelt. Aber auch Eintrittspreise, so hoch wie noch nie, Einreiseverbot für einen afrikanischen Schiedsrichter, ein irrlichternder Präsident des größten Gastgeberlandes, ausgezeichnet mit dem „Friedenspreis“ der Fifa, eine rote Karte für einen Nationalspieler der USA, die von eben diesem mit einem Anruf bei der Fifa revidiert wurde. Zudem als Trinkpause getarnte Werbepausen und ein Spektakel in der Halbzeitpause des Endspiels.
Was kommt noch? Wie geht es weiter? Wenn man sich die Pläne des Fifa-Präsidenten anschaut, dann fällt einem nichts mehr ein! Nur noch Spektakel und die Dollarzeichen im Auge. Eine Gelddruckmaschine, ganz im Sinne des aktuellen Turbokapitalismus, der immer mehr den Profisport einnimmt: Profit für Wenige, Brotkrümel für den Rest! Nur so macht der Verkauf der kommerziellen Rechte an der Weltmeisterschaft einen Sinn. Dass Infantino auch persönlich davon profitieren kann, wer bezweifelt das?
Zum Glück hat der Verfasser dieser Zeilen die Übertragungen der WM genauso boykottiert wie die WM 2022 in Katar. Für jemanden, der selbst aktiv gespielt hat und noch heute regelmäßig auf Fußballplätzen zu finden ist, auch in der Bundesliga, keine einfache Entscheidung. Aber mit kritischem Blick auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung weltweit, bereue ich das nicht.
Der Kommerz hat schon lange den Fußball erreicht. Investoren sind in vielen Ländern gern gesehen. Beispielsweise in England. Die dortige Premier-League wird als stärkste Liga Europas bezeichnet. Trotzdem wurde England seit 1966 nicht mehr Weltmeister und in der Champions League kann man nicht behaupten, dass die englischen Mannschaften dort dominant wären.
Der Profifußball ist schon lange aktiver Bestandteil eines jeweiligen Systems. In unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung bedeutet das, Einordnung in die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Frage ist nur: Wie muss der Rahmen aussehen? Wo werden Grenzen gesetzt? Wann wird der Bogen überspannt? Und was passiert, wenn das geschieht?
Als die Deutsche Fußball Liga (DFL) ein Vermarktungsmodell mit Minderheitsbeteiligung von Investoren präsentierte, wurden die Fans in den Kurven wach und zeigten deutlich Protest. Das Projekt scheiterte. Den Fans sei Dank!
Wie aber kann der Plan des größenwahnsinnigen Fifa-Präsidenten gestoppt werden? Zwar hat sich die Uefa deutlich gegen dieses Projekt ausgesprochen, mit dem Hinweis eines möglichen WM-Boykotts durch Europa. Mittlerweile unterstützt von den nord- und mittelamerikanischen, sowie den asiatischen Fußball-Dachverbänden.
Können wir aber darauf hoffen, dass diese Proteste dauerhaft Bestand haben? Ab welcher finanziellen Größenordnung geraten die außereuropäischen Verbände ins Grübeln? Und wird Europa dann trotzdem seinen Boykott durchziehen? Zeigen alle Einzelverbände in Europa dauerhaft Rückgrat? Darauf sollte man lieber keine Wetten abschließen.
Deshalb darf der Protest gegen Infantino und dessen mafiöse Strukturen nicht enden. Man sollte sich nicht auf die aktuellen Aussagen der Uefa alleine verlassen. Der Protest muss von der Basis so lange gehört werden, bis alle Pläne endgültig vom Tisch sind. Besser noch: bis Infantino und seine Machenschaften Vergangenheit sind!
Marktwirtschaftliche Grundsätze sind für eine demokratische Gesellschaft eine gute Basis. Auch für den Profisport. Allerdings funktioniert das nur, wenn die Regeln eingehalten werden. Unsere Sensibilität für Gerechtigkeit und gleiche Voraussetzungen muss wiederbelebt werden, wollen wir die Kluft zwischen den wenigen reichen Bestimmenden und den Anderen nicht noch größer werden lassen. Das gilt für die Gesellschaft genauso wie für den Fußball.
Oder ist es schon zu spät? Dann werde ich auch die nächsten Weltmeisterschaften boykottieren müssen! +++ Dieter

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