Die von der IHK Fulda vorgestellte Regionalauswertung der hessischen Stromstudie sieht für den Landkreis große Potenziale beim Ausbau erneuerbarer Energien. Für den Kreisvorsitzenden der FDP Fulda, Mario Klotzsche, greift die Debatte jedoch zu kurz. Aus seiner Sicht blendet die Untersuchung ausgerechnet den entscheidenden Faktor aus: die Kosten für Verbraucher und Unternehmen.
„Eine Untersuchung, die die Kosten ausdrücklich ausklammert, kann zur eigentlichen Frage nichts sagen. Und die eigentliche Frage lautet: Was steht am Ende auf der Stromrechnung?“, erklärt Klotzsche. Die Stromerzeugung sei nur ein Bestandteil der Gesamtkosten. Hinzu kämen Investitionen in Netze, Speicher sowie die Absicherung für Zeiten ohne ausreichenden Wind- und Solarertrag. Wer diese Faktoren nicht berücksichtige, vermittle ein unvollständiges Bild der Energiewende.
Der FDP-Politiker verweist dabei auf die Dimensionen der anstehenden Investitionen. Nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiber werde allein der Ausbau des Höchstspannungsnetzes bis zum Jahr 2045 zwischen 360 und 390 Milliarden Euro kosten. Die Ausgaben für die Verteilnetze kämen zusätzlich hinzu. Klotzsche verweist auf Berechnungen des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln. Demnach könnten die Netzentgelte für Haushalte von derzeit rund elf Cent je Kilowattstunde bis 2045 um bis zu weitere 18 Cent steigen. „Dann reden wir über fast 30 Cent je Kilowattstunde nur für die Finanzierung des Netzausbaus“, sagt er.
Auch die Annahme, mehr Stromerzeugung führe automatisch zu sinkenden Preisen, hält Klotzsche für fragwürdig. Nach seinen Angaben lag der Börsenstrompreis im Jahr 2025 in 573 Stunden im negativen Bereich. Überschüssige Strommengen hätten kostenintensiv vermarktet werden müssen, während die Stromrechnung der Verbraucher weiterhin vor allem von Netzentgelten, Steuern und Abgaben geprägt werde. Wer einen Landkreis zu einem Stromexporteur ausbauen wolle, müsse deshalb auch erklären, wer die dafür notwendige Infrastruktur finanziere. Die Kosten würden letztlich bei den Stromkunden ankommen.
Deutlich widerspricht der FDP-Kreisvorsitzende zudem der Einschätzung, Fulda liege beim Ausbau erneuerbarer Energien zurück. Der Energiewende-Monitor des Landes zeichne ein anderes Bild. Mit einer installierten Leistung von 412 Megawatt belege der Landkreis Rang acht unter den 21 hessischen Landkreisen und befinde sich damit im oberen Drittel. Bei der Dach-Photovoltaik liege Fulda sogar an der Spitze in Hessen. Dass die Studie dennoch zu einem deutlich unterdurchschnittlichen Ergebnis komme, führt Klotzsche auf die gewählte Bewertungsmethode zurück. Gemessen werde die Leistung pro Hektar Fläche. Für einen Landkreis mit großen Waldflächen, der Rhön und dem Biosphärenreservat sei diese Kennzahl wenig aussagekräftig. „Einen waldreichen Flächenkreis mit Rhön und Biosphärenreservat an der Dichte pro Hektar zu messen und dann als Schlusslicht zu zeichnen, ist, als bewerte man einen Bauernhof nach dem Ertrag pro Quadratmeter Hofgebäude. Der Nenner erzeugt das Ergebnis – nicht die Wirklichkeit.“
Als Beispiel für eine aus seiner Sicht erfolgreiche Energiepolitik nennt Klotzsche die Biothan-Anlage auf dem Finkenberg bei Großenlüder. Dort werde durch eine Tochtergesellschaft der RhönEnergie aus Bioabfällen und Gülle speicherbares grünes Erdgas erzeugt. Die Anlage liefere rechnerisch Heizenergie für 2.400 Haushalte und vermeide jährlich rund 7.500 Tonnen CO₂. Nach Angaben Klotzsches komme sie ohne eigens angebauten Mais und ohne öffentliche Zuschüsse aus. Während bundesweit nahezu die Hälfte des Biomethans aus Energiepflanzen stamme, arbeite die Anlage in Großenlüder ausschließlich mit Reststoffen. Diese Form der Energieerzeugung stütze das Netz, weil sie dann verfügbar sei, wenn Energie tatsächlich benötigt werde. Die Studie messe solchen grundlastfähigen Technologien aus seiner Sicht jedoch zu wenig Bedeutung bei.
Für die FDP steht deshalb ein technologieoffener Ansatz im Mittelpunkt. „Entscheidend ist der kluge Mix, nicht die Vorfestlegung auf eine bestimmte Technologie“, sagt Klotzsche. Vor diesem Hintergrund bewertet er auch die Auswahl des Gutachters kritisch. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE sei Europas größtes Solarforschungsinstitut und verfolge nach eigener Darstellung das Ziel eines vollständig erneuerbaren Energiesystems. Wer eine technologieoffene Antwort auf die Zukunft der Energieversorgung suche, müsse deshalb auch über die Wahl des wissenschaftlichen Partners diskutieren.
Zum Abschluss bekräftigt Klotzsche die Position der Freien Demokraten. Maßstab sei nicht die größtmögliche Zahl von Windrädern, sondern eine sichere und bezahlbare Energieversorgung für Unternehmen und Haushalte in der Region. Dazu gehörten Technologieoffenheit und eine vollständige Betrachtung aller Kosten. Beides komme aus Sicht der FDP in der vorgelegten Interpretation der Studie zu kurz. +++

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