45 Jahre Tischtennis in Uttrichshausen: Ein Vereinsjubiläum mit Herz, Sport und gelebter Gemeinschaft

Tischtennis gehört in Osthessen nicht unbedingt zu den Sportarten, die regelmäßig im großen Rampenlicht stehen. Eine Ausnahme bildet der Bundesligist TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell. Doch am kommenden Wochenende dürfte sich der Blick auch auf einen Verein richten, bei dem Tischtennis seit 45 Jahren weit mehr ist als das Spiel mit Schläger, Ball und Netz. Die Tischtennis-Abteilung des SV Uttrichshausen feiert ihr Jubiläum – und hat dafür ein Wochenende vorbereitet, bei dem sportlicher Ehrgeiz, Geselligkeit und Vereinsleben eng miteinander verbunden sind.

Los geht es am Samstag um 15 Uhr mit einem Einladungsturnier, zu dem befreundete Vereine erwartet werden. Es geht dabei um den sportlichen Vergleich, aber ebenso um das Wiedersehen mit Menschen, die über den Tischtennissport miteinander verbunden sind. Wenn anschließend die Band „ScanOverflow“ für Live-Musik sorgt, wird aus dem sportlichen Auftakt ein geselliger Abend. Der Jubiläumscharakter soll schließlich nicht allein an der Zahl 45 festgemacht werden, sondern vor allem an dem, was einen Verein über Jahrzehnte zusammenhält.

Auch der Sonntag ist dicht gefüllt. Ab 11 Uhr steht ein Mittagstisch auf dem Programm, ehe ab 13 Uhr das große Familienturnier beginnt. Gerade dieser Wettbewerb könnte zu einem besonderen Anziehungspunkt des Jubiläumswochenendes werden. Denn hier geht es ausdrücklich nicht darum, wer bereits jahrelang im Verein spielt oder die ausgefeilteste Technik beherrscht. Teilnehmen können Jung und Alt, Anfänger ebenso wie Hobbyspieler. Entscheidend ist lediglich, dass sich zwei Personen zu einem Team zusammenschließen. Dazu kommen attraktive Preise, die dem Turnier zusätzlichen Reiz verleihen.

Dass ein solches Jubiläum in Uttrichshausen mehr bedeutet als eine Reihe von Programmpunkten, lässt sich kaum besser an Gerd Heil ablesen. Seit 23 Jahren steht er als Tischtennis-Abteilungsleiter an der Spitze der Abteilung. Seine Verbindung zum Verein reicht allerdings noch viel weiter zurück. Bereits mit 15 Jahren war Heil beim SV Uttrichshausen aktiv. Ende Januar feierte er seinen 60. Geburtstag. Einen anderen Verein habe es für ihn nie gegeben, sagt er – und werde es auch keinen anderen geben. In diesem Satz steckt viel von dem Selbstverständnis, das die Tischtennis-Abteilung bis heute prägt.

Heil beschreibt seine Abteilung als „verschworene Einheit“. Der Zusammenhalt endet für die Mitglieder längst nicht an der Tischtennisplatte. Saison-Abschlussfahrten gehören ebenso dazu wie Weihnachtsfeiern. Gemeinsam geht es zum Bowling nach Fulda, anschließend wird gegessen. Erst kürzlich traf man sich zum Kegeln im benachbarten Motten. Es sind solche gemeinsamen Unternehmungen, die aus einer Sportgemeinschaft einen Verein machen, in dem Menschen nicht nur gemeinsam trainieren und Wettkämpfe bestreiten, sondern auch abseits des Sports Zeit miteinander verbringen.

Sportlich ist die Abteilung weiterhin breit aufgestellt. Vier Herren-Mannschaften befinden sich derzeit im Spielbetrieb. Eine davon tritt in gemischter Formation an, sodass auch Frauen mitspielen können. Bis zur vorletzten Saison gab es beim SV Uttrichshausen zudem eine Damen-Mannschaft. Vor allem aufgrund von Studien bedingten Veränderungen gelang es jedoch nicht, diese Mannschaft dauerhaft aufrechtzuerhalten.

Dass die sportlichen Ansprüche in Uttrichshausen dennoch keineswegs klein sind, zeigt der Blick auf die jüngere Vergangenheit. Die erste Herrenmannschaft schaffte in der vergangenen Saison über die Relegation den Klassenerhalt in der Bezirksoberliga. Gleichzeitig hat sich innerhalb der Abteilung personell einiges bewegt. Ein „neues Team“ wurde auf die Beine gestellt, wie Heil berichtet. Alle sechs Positionen seien besetzt. Damit sind zugleich die Voraussetzungen geschaffen, um die Abteilung weiterzuentwickeln und neue Impulse zu setzen.

Zu den wichtigsten Vorhaben gehört der Wiederaufbau der Nachwuchsarbeit. In Zusammenarbeit mit der Grundschule in Uttrichshausen soll wieder eine Nachwuchs-Abteilung aufgebaut werden. Für einen Verein, der auf 45 Jahre Tischtennis zurückblickt, ist das mehr als eine organisatorische Ergänzung. Es geht um die Frage, wie sich die Begeisterung für den Sport an die nächste Generation weitergeben lässt und ob aus Kindern und Jugendlichen von heute vielleicht jene Spielerinnen und Spieler werden, die das Vereinsleben in den kommenden Jahrzehnten prägen.

Dass der SV Uttrichshausen sportlich durchaus eine Geschichte vorzuweisen hat, zeigt insbesondere der Blick zurück in die 2000er-Jahre. 2003 gelang der Tischtennis-Abteilung etwas Bemerkenswertes: Sämtliche drei Herren-Mannschaften wurden Meister ihrer jeweiligen Klassen. Die erste Herrenmannschaft gewann darüber hinaus den Bezirkspokal. Im folgenden Jahr setzte sich der Erfolg fort. Das Team wiederholte seinen Triumph im Bezirkspokal und wurde zusätzlich Verbandspokalsieger. Gleichzeitig wurde die erste Mannschaft Meister der Bezirksoberliga und schaffte den Aufstieg in die Verbandsliga.

Der sportliche Höhepunkt folgte 2005. Die erste Herrenmannschaft wurde Meister der Verbandsliga und schaffte damit den Durchmarsch bis in die Hessenliga. Es war die höchste Ligazugehörigkeit in der Geschichte des Vereins und zugleich der größte sportliche Erfolg der Tischtennis-Abteilung. Zahlreiche weitere Meisterschaften und Einzelerfolge auf Kreis- und Bezirksebene folgten. Die Entwicklung jener Jahre hat sich damit tief in die Geschichte des SV Uttrichshausen eingeschrieben.

45 Jahre später steht nun weniger die Vergangenheit allein im Mittelpunkt als vielmehr die Verbindung von Geschichte und Zukunft. Das Jubiläumswochenende soll zeigen, was aus einer Sportabteilung entstehen kann, wenn sportlicher Anspruch und gemeinschaftliches Engagement zusammenkommen. Das Einladungsturnier, die Musik, der Mittagstisch und vor allem das Familienturnier richten sich nicht nur an die aktiven Spielerinnen und Spieler. Eingeladen sind Mitglieder, Freunde des Vereins und alle, die dem Sport verbunden sind und Freude an einem lebendigen Vereinsleben haben.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die Jubiläumsfeier nicht nur dem eigenen Verein zugutekommen soll. Die Erlöse aus den Einnahmen beider Veranstaltungstage werden jeweils zur Hälfte an den Förderverein des Kindergartens in Heubach und den Förderverein der Grundschule Uttrichshausen weitergegeben. Damit endet der Gedanke des Vereinsjubiläums nicht an der eigenen Hallentür. Die Tischtennis-Abteilung verbindet ihre 45-jährige Geschichte mit einem Beitrag für Einrichtungen, die für das Leben in den Ortsteilen von Bedeutung sind.

So wird das Wochenende in Uttrichshausen letztlich zu einer Begegnung verschiedener Generationen und Interessen. Die einen kommen wegen des Tischtennis, andere wegen der Musik, des Familienturniers oder des Mittagessens. Manche werden vielleicht alte Bekannte wiedersehen, andere erstmals einen Schläger in die Hand nehmen. Und vielleicht liegt gerade darin der besondere Reiz dieses 45-jährigen Jubiläums: Es geht um einen Sportverein, der seine Geschichte kennt, seine Gemeinschaft pflegt und zugleich versucht, den Weg in die Zukunft zu öffnen. +++ rl


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