Wolf und Wanderschäferei – Schlüchterns Schäfer Lenz sieht Gefährdung

FDP-Politiker tauschen sich mit Schäferei Lenz aus

Wiebke Knell, Wilfried Lenz, Andrea Rahn-Farr, Jörg-Uwe Hahn, Sarah Goldbach, Helmut Eigenbrod, Jo Härter.

Die FDP-Bundestagskandidatin Andrea Rahn-Farr hat gemeinsam mit der FDP-Landwirtschaftspolitikerin Wiebke Knell und dem FDP-Landtagsvizepräsidenten Dr. h.c. Jörg-Uwe Hahn die Schäferei Lenz in Schlüchtern besucht, um sich mit Schäfer Wilfried Lenz über die Entwicklung der Schäferei zu sprechen. Besonderes Augenmerk legten die Liberalen auf die Besiedlung der Region durch Wölfe und die Auswirkungen auf die Weidetierhaltung. „Wir halten rund 800 Mutterschafe und ihre Lämmer auf einer Fläche von circa 200 Hektar. Seit 1990 sind wir in der Direktvermarktung tätig und regelmäßig auf Wochenmärkten unterwegs gewesen. Seit einigen Monaten betreiben wir zusammen mit unseren Söhnen Andreas und Stefan in Schlüchtern eine eigene Metzgerei, in der wir auch selbst schlachten“, berichtete Lenz den Liberalen.

Lenz erklärte, dass der Betrieb seit 1996 auch selbst ausgebildet habe. „Leider mussten wir die Ausbildung von jungen Menschen einstellen. Es wurde immer schwieriger, geeignete Auszubildende für unsere Schäferei zu finden“, bedauerte Lenz. Derzeit gebe es deutschlandweit nur noch rund 950 Berufsschäfer, Tendenz stark fallend. Angesprochen auf das zu erwartende Auftreten des Wolfes auch im Main-Kinzig-Kreis, antwortete Lenz: „Der Wolf ist ein Problem, das in den nächsten Monaten sicherlich auf uns Landwirte zukommen wird. Wölfe haben sich unweit von Schlüchtern, so beispielsweise in Mittelkalbach und Bad Orb, schon blicken lassen, es ist nur eine Frage der Zeit. Hiervor habe ich Angst, da Angriffe des Wolfes auf meine Schafe schnell existenzgefährdend werden könnten“, erklärte Lenz. Zwar gebe es einen bestimmten Erstattungssatz pro Schaf, das vom Wolf gerissen wurde, doch sei dieser an scharfe Auflagen wie z. B. hohe Zäune gebunden, die kaum einzuhalten seien. „Man kann die Problematik nicht einfach mit Geld lösen. Sogenannte Problemwölfe müssen meiner Meinung nach entnommen werden“, stellte der Schäfer laut Mitteilung klar. Es gebe derzeit noch keine guten Lösungen, um dem Wolf als Schäfer wirksam entgegenzutreten. „Herdenschutzhunde sind unwirtschaftlich, da die Ausbildungskosten sehr hoch sind. Zäune überwindet ein cleverer Wolf blitzschnell. Zurück bleiben gerissene Schafe, eine verstörte Herde und unschöne Anblicke“, so Lenz.

FDP-Landtagsabgeordnete Wiebke Knell hat bereits etliche Weidetierhalter in Hessen besucht, deren Herden durch den Wolf angegriffen worden sind. „Die von Brüssel genehmigten Hilfsmaßnahmen zum Herdenschutz bei den investiven wie auch laufenden Kosten müssen auch in Hessen vollumfänglich angeboten werden. Dies darf nicht erst geschehen, wenn sich der Wolf in einem Territorium angesiedelt oder erste Schäden verursacht hat. Wir dürfen die Schafhalter nicht mit den Problemen alleine lassen oder ihnen gar die Schuld zuschieben!“ Die FDP-Bundestagskandidatin Andrea Rahn-Farr ist selbst Landwirtin und hält auf ihrem Hof in Büdingen Milchkühe nebst Nachzucht. „Für jeden Tierbesitzer ist ein Wolfsangriff auf seine Herde schlimm. Die Tiere sind dann traumatisiert und lassen sich nicht mehr führen. Ich finde, dass der Tierschutz auch für Schafe, Rinder und Fohlen gelten muss – sie haben ein Recht darauf, nicht bei lebendigem Leib aufgefressen zu werden“, meint Rahn-Farr. Für die Aufgabe der zukünftigen Bundesregierung hat sie klare Vorstellungen: „Wir haben den günstigen Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland bereits erreicht. Die Bundesregierung muss diesen endlich formell feststellen und die zu ergreifenden Maßnahmen festlegen. Dies könnte z. B. eine Schutzjagd wie in Skandinavien sein oder die Festlegung eines Kontingents zur Entnahme von Wölfen wie in Frankreich.“ Die Erhaltung der regionalen Tierhaltung und insbesondere der ökologisch wertvollen Wanderschäferei ist Jörg-Uwe Hahn ein Anliegen: „Wir müssen Lösungen zum Zusammenleben von Nutztieren und Wölfen finden – sonst steigen unsere Weidetierhalter aus und schließen ihre Betriebe. Das kann man in anderen Regionen bereits beobachten. So weit dürfen wir es in Hessen nicht kommen lassen!“ +++ pm

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