Rücksichtslose Verkehrsteilnehmer und Verkehrschaos: Die Autobahn 5 im Vogelsbergkreis hat am Mittwoch für Aufsehen und Staustehen gesorgt. Über zehn Stunden ging es nur im Schneckentempo in Richtung Kassel, nachdem sich bei Alsfeld gleich zwei schwere Unfälle mit Lastwagen ereignet hatten. Auslöser für den ersten Unfall war das offensichtlich rücksichtslose Verhalten eines Lkw-Fahrers aus Berlin. Laut Polizeiangaben überholte der Mann mit seinem Sattelzug trotz Überholverbot zwei andere Lastwagen. "Er setzte sich vor die beiden anderen Lkw, musste aber dann verkehrsbedingt stark abbremsen", so ein Polizeisprecher. In der Folge nahm der Verkehrsunfall seinen unaufhaltsamen Lauf, obwohl der nachfolgende Sattelzugfahrer aus Rumänien laut Polizei noch rechtzeitig abbremsen konnte. "Der zweite nachfolgende Lkw-Fahrer aus Polen fuhr infolge von zu geringem Sicherheitsabstand und nicht angepasster Geschwindigkeit auf", so der Polizeisprecher. Der heftige Aufprall schob alle drei Sattelzüge ineinander, der polnische Trucker wurde schwer verletzt und stark blutend im Fahrerhaus eingeklemmt.
Die fast 40 Meter lange Aneinanderreihung von Karosseriewracks führte zu einem Großeinsatz von Rettungskräften. Zwei Hilfeleistungszüge der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Alsfeld mit mehr als 40 Feuerwehrleuten, der Rettungshubschrauber Christoph Mittelhessen sowie mehrere Rettungsteams und Notarzteinsatzfahrzeuge eilten zur Hilfe. Die Autobahnpolizei bemängelte in diesem Zusammenhang, dass keine Gasse für die Retter gebildet wurde. Insbesondere die Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug sollen nur langsam vorangekommen sein. Die Feuerwehr sprach hingegen von keinem nennenswerten Zeitverlust bei der Anfahrt, da sie nach dem Rettungsdienst anrückte. "Vereinzelte Egoisten haben die Rettungsgasse zugefahren, da mussten wir kurz nachhelfen", so Einsatzleiter Carsten Schmidt.
Wie der Einsatzleiter schilderte, war das Unfallopfer im hintersten Sattelzug schwerstens eingeklemmt. In einer aufwendigen Rettungsaktion konnten die freiwilligen Feuerwehrleute den Schwerverletzten dennoch schonend befreiend. Für diese laut Feuerwehrangaben stark psychisch belastende Rettung war jedoch eine erhebliche Anzahl an Einsatzgeräten nötig, darunter gleich zwei hydraulische Rettungsscheren. Der Gerettete wurde per Hubschrauber in die Uniklinik nach Gießen geflogen. Während der Unfall verursachende Lastwagenfahrer aus Berlin weitgehend unverletzt blieb, musste der weitere beteiligte Trucker mit leichten Verletzungen per Rettungswagen in das Krankenhaus nach Alsfeld verbracht werden. Ein am Unfallort verletzter Feuerwehrmann musste ambulant behandelt werden. Den entstandenen Sachschaden bezifferte die Polizei auf rund 170.000 Euro.
Durch den Unfall staute sich der Verkehr auf einer Länge von etwa sechs Kilometern. Im Stau ereignete sich laut Polizeiangaben zwischen den Anschlussstellen Alsfeld/West und Alsfeld/Ost ein weiterer Lkw-Auffahr-Unfall. "Ursächlich war auch hier wieder der nicht ausreichende Sicherheitsabstand", so ein Polizeisprecher. Wie er sagte, musste ein LKW-Fahrer aus Babenhausen verkehrsbedingt abbremsen, ein nachfolgende Fahrer aus Litauen soll dies zu spät bemerkt und trotz Ausweichmanöver aufgefahren sein. "Das Fahrerhaus wurde auf der Beifahrerseite völlig zerstört", so der Polizeisprecher. Verletzt wurde laut seinen Angaben glücklicherweise niemand, den Sachschaden bezifferte er auf über 80.000 Euro. Der Unfall führte zu einer weiteren Vollsperrung der A5 in Kassel. "Lastwagen standen über weite Strecken auf beiden Fahrstreifen, so dass die Bergungs- und Abschleppfahrzeuge teilweise nur mit Polizeibegleitung an die Unfallstelle gelangen konnten", so die Schilderungen des Polizeisprechers. Erst gegen 03:15 konnten so alle Unfallfahrzeuge von der Autobahn geschleppt werden, der Stau löste sich erst in den Morgenstunden des Donnerstags auf.
Für die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Alsfeld sorgte der große Rettungseinsatz auch für einen nachgelagerten Einsatz. "Es befanden sich fast alle verfügbaren Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner aus Alsfelds Kernstadt auf der Autobahn im Einsatz", so Stadtbrandinspektor Daniel Schäfer. Aus diesem Anlass wurden Feuerwehrleute aus Eifa zur Besetzung der Alsfelder Feuerwehrwache alarmiert, diese mussten jedoch zu keinem weiteren Einsatz ausrücken.
Nach Angaben des Bergedienstes dauerte die Anfahrt zur Unfallstelle rund 45 Minuten. "Es war eine sehr anstrengende und schwierige Fahrt für uns", so Frank Weber vom Bergeteam. Wie er sagte, wäre ohne Polizeieskorte kein Durchkommen für die Bergefahrzeuge gewesen. Laut seinen Schilderungen blockierten viele Lastwagen alle Spuren der Autobahn und bildeten keine Gasse für die Bergefahrzeuge. "Wir hätten deutlich schneller am Unfallort sein können und so deutlich schneller Aufräumen können", so Weber. Laut seinen Angaben war die Bergung der verunfallten Lastwagen ein Knochenjob. "Die Wracks waren so dermaßen ineinander verkeilt", sagte Weber. +++




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