Wolfsrudel etabliert sich im Territorium Greifenstein

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Im Wolfsterritorium Greifenstein im Lahn-Dill-Kreis hat sich aus einem bislang bekannten Wolfspaar ein Rudel entwickelt. Das Wolfszentrum Hessen (WZH) bestätigte nun vier weitere Tiere, womit sich der offizielle Status der Greifensteiner Wölfe nach bundeseinheitlichen Kriterien von einem Paar zu einem Rudel ändert.

Bereits seit dem Sommer 2025 hatte das Wolfszentrum Hinweise auf die mögliche Anwesenheit eines Rudels im Gebiet zwischen Greifenstein und Löhnberg erhalten. Nun liegt erstmals ein als sicher geltender Nachweis nach bundesweit einheitlichen Standards vor. Grundlage dafür ist die Auswertung von Fotofallendaten, die von einem Jäger zur Verfügung gestellt wurden. Auf einem am 20. Januar 2026 beim Wolfszentrum gemeldeten Video, das bereits am 6. Januar aufgenommen worden war, bestätigte das WZH insgesamt sechs Wölfe.

Die genaue Identität der Tiere lässt sich auf Basis des eingesendeten Videomaterials nicht eindeutig bestimmen. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass es sich um die seit 2021 sesshafte Wölfin GW2479f und ihren seit Februar 2025 sesshaften Wurfbruder GW2478m handelt, gemeinsam mit ihrem Nachwuchs. Nach den geltenden Kriterien führt dieser Nachweis zur offiziellen Einstufung als Rudel.

Das Wolfszentrum Hessen bedankte sich bei allen Personen, die das Monitoring im Territorium Greifenstein durch die Bereitstellung von Informationen unterstützt haben. Besonderer Dank galt dem Jäger, der auf eigenen Wunsch anonym bleibt und dem WZH die entscheidenden Aufnahmen zur Verfügung gestellt hat.

Am 21. Januar dokumentierte zudem das in Rheinland-Pfalz zuständige Koordinationszentrum Luchs und Wolf ein sechsköpfiges Rudel in der Nähe des Territoriums Greifenstein auf rheinland-pfälzischer Seite. Nach aktuellem Stand ist davon auszugehen, dass es sich dabei um dieselben Tiere handelt.

Die Entwicklung der Greifensteiner Wolfspopulation reicht mehrere Jahre zurück. Die in Leuscheid geborene Fähe GW2479f gilt als erste sesshafte Wölfin im Territorium Greifenstein. Der Rüde GW2478m wurde bereits im Jahr 2022 einmalig in der Region Greifenstein nachgewiesen, bevor er weiter nach Hachenburg in Rheinland-Pfalz wanderte. Dort lebte er mit einer weiteren Wurfschwester und zeugte über mehrere Jahre hinweg Nachwuchs, zuletzt im Monitoringjahr 2024/25.

Seine Rückkehr nach Greifenstein im Februar 2025 konnte sowohl genetisch als auch durch Fotofallenaufnahmen eindeutig belegt werden. Auf den Aufnahmen ist unter anderem zu sehen, wie die Geschwister gemeinsam markieren, ein typisches Verhalten territorialer Wolfspaare. Das nun vorliegende Videomaterial zeigt sechs etwa gleich große Tiere. Sollte es sich dabei um das sesshafte Paar mit vier Jungtieren handeln, wären diese bereits so weit herangewachsen, dass sie äußerlich nicht mehr von erwachsenen Wölfen zu unterscheiden sind. Eine eindeutige Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse ist nach Angaben des Wolfszentrums ausschließlich über genetische Analysen möglich.

Auch das Thema Inzucht wird in diesem Zusammenhang eingeordnet. Inzucht kommt bei Wölfen insgesamt selten vor, ist jedoch nicht ausgeschlossen. Die frühere Verpaarung von GW2478m mit einer Wurfschwester in Rheinland-Pfalz zeigt, dass solche Konstellationen auftreten können.

Aus wissenschaftlicher Sicht verfügen Wölfe über wirksame Mechanismen zur Vermeidung von Inzucht, weshalb sie in großen, vernetzten Populationen selten vorkommt. Der Wolfsforscher L. David Mech hat bereits seit den 1990er-Jahren wissenschaftlich belegt, dass Inzucht bei Wölfen in der Regel vermieden wird. Auch eine genetische Langzeitstudie des US Geological Survey kommt zu dem Ergebnis, dass sich Grauwölfe nur selten mit engen Verwandten paaren.

Zusätzlich stellte Deborah E. Smith mit ihrem Team fest, dass Inzucht vor allem dort auftritt, wo soziale Strukturen, Abwanderungsmöglichkeiten und ökologische Bedingungen stark eingeschränkt sind. Dies ist etwa in kleinen oder neu gegründeten Populationen der Fall, in denen der sogenannte Gründereffekt die genetische Vielfalt von Beginn an begrenzt. Eine spontane Inzucht unter optimalen Bedingungen gilt demnach als sehr selten.

Das Wolfszentrum Hessen geht davon aus, dass der Nachwuchs im Territorium Greifenstein keine gesundheitlichen Einschränkungen haben wird. Solche Folgen sind bei Wölfen erst nach wiederholtem Auftreten von Inzucht über mehrere Generationen hinweg dokumentiert. +++


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