In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung waren auch die wirtschaftlichen Probleme in Fulda Thema. Besonders die schwache Konjunktur in Deutschland und deren Folgen für Unternehmen sorgten für lebhafte Diskussionen. Die CDU-Fraktion im Stadtparlament brachte hierzu eine Anfrage ein, die der Oberbürgermeister der Stadt, Dr. Heiko Wingenfeld (CDU), beantwortete.
Wirtschaftliche Lage verschlechtert sich
Fulda spürt die schwache Wirtschaftslage deutlich. Ein Beispiel ist die geplante Schließung der Gummiwerke Fulda zum Jahresende. Auch die Kurzarbeit nimmt zu, einige Firmen kündigen Entlassungen an, hieß es in der Anfrage der CDU-Stadtverordnetenraktion, die vom Magistrat der Stadt Fulda in Erfahrung bringen wollte, wie er die Situation bewertet.
Industrie- und Handelskammer warnt vor längerer Krise
In seiner Antwort berief sich der Magistrat auf den Hauptgeschäftsführer der heimischen Industrie- und Handelskammer (IHK), Michael Konow, der jüngst die aktuellen Zahlen vorstellte: „Osthessen hat eine stabile Wirtschaft, gerät aber zunehmend unter Druck durch nationale Entwicklungen und verschiedene Risiken“, hieß es in der Antwort des Magistrates bezugnehmend auf Michael Konow. Hoffnung für die heimische Wirtschaft, so der Magistrat in seiner Antwort weiter, wenn die zukünftige Bundesregierung wirtschaftspolitisch umsteuere.
Der Geschäftsklimaindex liegt deutlich unter 100 und deutet auf eine anhaltende Krise hin. Unternehmen sehen vor allem diese Probleme:
- Schlechte wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (72,4 %)
- Geringere Nachfrage im Inland (71,4 %)
- Steigende Lohnkosten (65,3 %)
- Höhere Energie- und Rohstoffpreise (56,1 %)
- Mangel an Fachkräften (43,9 %)
Handwerk ebenfalls betroffen
Auch die heimischen Handwerksbetriebe stünden vor großen Herausforderungen. So wurde gestern der Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Fulda, Thorsten Krämer, wie folgt zitiert: „Die Stimmung hat sich verschlechtert. Viele Kunden sind unsicher und vergeben weniger Aufträge.“ Trotzdem sei Fulda wirtschaftlich besser aufgestellt als andere Regionen Deutschlands.
Solide Basis hilft Fulda
Trotz der Schwierigkeiten bleibe die wirtschaftliche Lage in Fulda stabil. Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld verwies darauf, dass frühere Erfolge eine gute Ausgangssituation geschaffen hätten. Dennoch belasteten nationale und internationale Entwicklungen auch hier die Wirtschaft. Ein zentrales Ziel bleibe es, Arbeitsplätze zu erhalten sowie neue zu schaffen.
Beschäftigung hoch, aber leicht rückläufig
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bleibt hoch, geht 2024 aber leicht zurück:
- 2020: 52.837
- 2021: 53.237
- 2022: 54.312
- 2023: 55.778
- 2024: 54.929
Mehr Arbeitslose und steigende Kurzarbeit
Im Januar 2025 lag die Arbeitslosenquote bei 3,9 %, ein Anstieg um 0,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr – trotzdem bleibt sie die niedrigste in Hessen (Hessendurchschnitt: 5,9 %). Insgesamt waren 5.026 Personen arbeitslos gemeldet; gleichzeitig gab es 1.351 offene Stellen bei der Agentur für Arbeit. Auch die Kurzarbeit nahm deutlich zu: Zwischen Januar und Dezember 2024 meldeten 174 Betriebe für 4.682 Beschäftigte Kurzarbeit an – im Vorjahr waren es noch 107 Betriebe, betroffen waren damals 4.000 Mitarbeitende.
Gründe für den Abschwung
Oberbürgermeister Wingenfeld sieht den Standort Deutschland insgesamt im Nachteil gegenüber anderen Ländern – das trifft auch Fulda trotz seiner starken Wirtschaftsentwicklung in den früheren Jahren. Er fordert dringend politische Veränderungen. „Es braucht eine wirtschaftspolitische Kurskorrektur; nur so kann neuer Schwung entstehen“, so Wingenfeld.
Blick nach vorn
Fulda steht vor großen Aufgaben – sowohl nationale als auch internationale Entwicklungen belasten Firmen vor Ort erheblich. Dank einer stabilen Basis ist man dennoch gut vorbereitet für kommende Herausforderungen. Wie stark sich die Lage verbessert oder verschlechtert, hängt entscheidend von politischen Entscheidungen ab. Bis dahin bleibt es wichtig, Arbeitsplätze zu sichern und Unternehmen zu unterstützen, so das Fuldaer Stadtoberhaupt abschließend. +++ nh/ja
Das könnte Sie auch interessieren
CWE Fulda nahm auf Sommerbegehung ihr Herzensprojekt ins Visier
Erneuerbare Energien bleiben im Netzgebiet der RhönEnergie auf Rekordniveau
Sparkasse Fulda unterstützt Bergwacht Wasserkuppe mit Spende für neue Notfallrucksäcke
Farben der Lebensfreude im Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda: Viktoria König zeigt neue Ausstellung bis En...

Hinterlasse jetzt einen Kommentar