Windkraft: Schwenk nennt Schönbergers Aussagen „blauäugig“

Energiemix wohl unverzichtbar

Hünfeld. Als in höchstem Maße bedauerlich und blauäugig kritisiert Hünfelds Bürgermeister Stefan Schwenk die Aussagen von Helmut Schönberger von den Grünen zum Thema Windkraftplanung in der jüngsten Kreistagssitzung. Wenn er behaupte, wo Fledermäuse oder Rotmilane nachgewiesen seien, dass dies „Verhinderungsgründe“ seien, dann gehe dies völlig an den Realitäten vorbei.

Beispielsweise im Dammersbacher Forst sei das wahrscheinlich von ausgewiesenen Fachleuten am besten dokumentierte Rotmilanvorkommen der ganzen Rhön anzutreffen, und trotzdem seien dort bereits drei Anlagen genehmigt worden. Auch seltene Fledermäuse, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz mit einem absoluten Tötungsverbot versehen sind und höchsten Schutz genießen, sind selbst in den Gutachten der Betreiber im Rahmen des Genehmigungsverfahrens dokumentiert worden. Auch die Storchpopulation dort habe keine Rolle gespielt. Es sei den Betreibern lediglich auferlegt worden, ein Feuchtbiotop als Ausgleichsfläche zu schaffen, damit Störche künftig eine andere Richtung einschlagen. Nur sei dabei nicht geklärt worden, wer den Störchen das erkläre, künftig nicht mehr zu den weitaus attraktiveren Futterplätzen am Marbacher See zu fliegen, während die Ausgleichsfläche im Nässegrund von den Störchen noch überhaupt nicht genutzt werden könne, da sie von einer Hochspannungsleitung überspannt seien.

Statt sich auf solche Behauptungen zu versteifen, hätte Schönberger sicher besser daran getan, sich vor Ort bei den Bürgerinitiativen in Dammersbach und im Buchfinkenland zu informieren. Seine Aussagen im Kreistag gingen jedenfalls an jeder Realität und Praxis der gegenwärtigen Windkraftplanung vorbei, betont Schwenk. Hätte Helmut Schönberger dieses Gespräch gesucht, dann hätte ihm auffallen können, dass für die Windkraftplanungen massive Waldzerstörungen in Kauf genommen würden. Letztlich führe dies zu der Frage, ob der Umfang der Waldzerstörung für das Klima überhaupt einen Nutzen und im Ergebnis nicht mehr Schaden anrichte. Würden alle Flächen, die gegenwärtig im Teilregionalplan Windenergie zugrunde gelegt seien, tatsächlich mit Windkraftanlagen bebaut, dann entspreche die Summe deren Leistung gerade mal einem kleineren Gaskraftwerk, habe der TÜV Rheinland vorgerechnet. Stelle man dem aber den Verlust an klimaschützenden Bäumen und Waldbeständen gegenüber, sei die Frage sehr wohl erlaubt, ob dann in der CO2-Bilanz überhaupt noch ein Nutzen vorliege. Solche Fragestellungen seien aber bislang tunlichst vermieden worden.

Letztlich finanziere der Steuerzahler über Abschreibungen und Verlustvorträge und der Stromkunde durch die EEG-Umlage eine Entscheidung zugunsten weniger Investoren, wobei die Lasten durch die strikten Vorgaben von zwei Prozent der Landesfläche höchst ungleichmäßig verteilt würden. Da beispielsweise die Höhenlagen der Rhön von vorne herein ausgenommen worden seien, solle Hünfeld zwischen vier und fünf Prozent seiner Gemarkungsflächen für Windkraft zur Verfügung stellen, obwohl ausweislich der eigenen Feststellung der Landesplanung hier der Windertrag trotz hoher Subventionen an der untersten Grenze der Wirtschaftlichkeit liege. Die pauschale Gleichung, erneuerbare Energien sind gut und müssen wider aller naturschutzfachliche und wirtschaftliche Vernunft durchgesetzt werden, gehe nicht auf. Er sei grundsätzlich für Windkraft, da diese im Energiemix wohl unverzichtbar sei, aber bitte dort, wo tatsächlich ausreichend Wind blase und die Natur und Landschaft wenig Schaden nehmen, so Schwenk abschließend. +++

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