Wenn die Leber leidet, gerät der ganze Körper aus dem Takt

Die Leber arbeitet leise. Tag für Tag filtert sie Schadstoffe aus dem Blut, produziert lebenswichtige Eiweiße, steuert den Stoffwechsel und sorgt gemeinsam mit Gallenblase, Gallenwegen und Bauchspeicheldrüse dafür, dass der menschliche Organismus funktioniert. Lange galt sie vor allem als Organ der Entgiftung. Heute rückt sie in der Medizin zunehmend in den Mittelpunkt eines viel größeren Zusammenhangs: als Schaltstelle eines komplexen Systems, das eng mit Herz, Nieren und Stoffwechsel verbunden ist.

Gerade dieser Blick hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Lebererkrankungen werden nicht mehr isoliert betrachtet. Sie stehen oft in direkter Verbindung mit Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Was früher meist schlicht als „Fettleber“ bezeichnet wurde, wird inzwischen differenzierter beschrieben. Die moderne Medizin spricht von MASLD oder MASH und meint damit Krankheitsbilder, die weit über die Leber hinausreichen. Gerät dieses empfindliche Zusammenspiel der Organe aus dem Gleichgewicht, können die Folgen schwerwiegend sein — bis hin zu Leberzirrhose oder Krebs.

Besonders tückisch ist dabei, dass viele Erkrankungen lange unbemerkt bleiben. Die Leber sendet oft erst spät Warnsignale. Erste Hinweise liefern deshalb häufig einfache Blutwerte. Umso wichtiger ist die frühe Diagnostik, vor allem bei Menschen mit Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck oder bereits bestehenden Vorerkrankungen. Die Medizin setzt dabei längst nicht mehr ausschließlich auf klassische Empfehlungen wie Bewegung, Gewichtsreduktion und ausgewogene Ernährung. Zunehmend rücken Medikamente in den Fokus, die ursprünglich für Diabetes- oder Herzerkrankungen entwickelt wurden. Einige dieser Wirkstoffe zeigen überraschend positive Effekte auf die Leber: Sie können Entzündungen reduzieren, den Fettgehalt senken und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.

Im Zentrum steht heute ein ganzheitlicher Ansatz. Diagnostik, Therapie und Prävention greifen enger ineinander als noch vor wenigen Jahren. Die Behandlung orientiert sich nicht mehr allein am einzelnen Organ, sondern am gesamten Stoffwechselgeschehen des Körpers.

Wie sich Lebererkrankungen richtig erkennen, einordnen und behandeln lassen, erläutert am Mittwoch, 20. Mai 2026, um 17 Uhr Bernd Kronenberger, Chefarzt der Inneren Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie, Diabetologie und Kardiologie am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda. Im Foyer des Krankenhauses spricht er über Zusammenhänge zwischen Lebererkrankungen und Stoffwechselstörungen sowie über Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte. Auch moderne konservative Therapien und präventive Maßnahmen werden Thema des Vortrags sein.

Im Anschluss besteht Gelegenheit für Fragen und Gespräche. Die Veranstaltung ist kostenlos, eingeladen sind alle Interessierten. +++


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