Weiter über 25.000 Haushalte in Berlin ohne Strom

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Nach dem großflächigen Stromausfall im Südwesten Berlins kommt die Wiederherstellung der Versorgung weiterhin nur schleppend voran. Noch immer seien 25.500 Haushalte ohne Strom, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Dienstag. Der Ausfall betrifft weiterhin Teile der Hauptstadt mehrere Tage nach Beginn der Störung.

Priorität habe zunächst gehabt, sämtliche Pflegeheime wieder an das Stromnetz anzuschließen, erklärte Wegner. Zudem seien inzwischen alle Supermärkte wieder geöffnet. „Die Nahversorgung ist also zu 100 Prozent wieder hergestellt. Endlich funktionieren auch weitestgehend – was Notrufe etc. angeht – die Mobilfunknetze“, sagte der Regierende Bürgermeister. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das Problem wie geplant bis Donnerstag behoben werden könne.

Die Störung war am Samstag gegen 6.00 Uhr aufgetreten. Hintergrund war nach bisherigen Erkenntnissen ein Brandanschlag, zu dem sich die linksextremistische „Vulkangruppe“ bekannt haben soll. Nach Angaben des Netzbetreibers waren rund 45.000 Haushalte sowie 2.200 Gewerbekunden in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde betroffen. Mit der vollständigen Wiederversorgung aller Kunden wird am Donnerstagnachmittag gerechnet.

Unterdessen werden weitere Details zur mutmaßlich verantwortlichen Gruppierung bekannt. Dem Bundesinnenministerium sind derzeit zwölf „strafbare Tatkomplexe“ bekannt, zu denen sich Akteure des linksextremen Netzwerkes „Vulkangruppe“ seit 2011 bekannt haben. Das sagte ein Sprecher des Ministeriums dem „Handelsblatt“. Dabei habe es unter anderem Brandanschläge auf Kabelschächte, Sendemasten oder Stromversorgungsleitungen gegeben.

Diese Anschläge hätten „teilweise erhebliche Schäden verursacht“, darunter Stromunterbrechungen, Ausfälle von Funknetzen sowie Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr. „Zahlreiche Menschen und Unternehmen waren damit bereits von den Auswirkungen der Anschläge, die den ,Vulkangruppen‘ zuzurechnen sind, betroffen“, sagte der Sprecher weiter. Typischerweise würden nach den Taten Bekennerschreiben veröffentlicht, „die die ideologischen Motive und Ziele der Gruppierungen beinhalten“.

Auch zu dem Anschlag auf die Stromversorgung im Süden Berlins bekannte sich die „Vulkangruppe“. Das Bundesamt für Verfassungsschutz prüft derzeit die Echtheit eines entsprechenden Bekennerschreibens. Es trägt die Überschrift „Den Herrschenden den Saft abdrehen“. In dem Schreiben heißt es unter anderem: „In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, ausgesaugt, verbrannt, geschunden, niedergebrannt, vergewaltigt, zerstört.“ Das Gaskraftwerk in Lichterfelde sei darin als „erfolgreich sabotiert“ bezeichnet worden.

Die Sicherheitsbehörden hätten die linksextremistische Szene „im Visier und beobachten die Entwicklung aufmerksam“, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums. Zudem liefen derzeit mehrere Verfahren des Generalbundesanwalts gegen sogenannte „Vulkangruppen“. +++


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