Weidetierhalter demonstrierten in Gießen

Wir brauchen Weidetiere statt Wolfsreviere 

„In den letzten zehn Jahren hat sich der Wolf in Deutschland unreguliert ausgebreitet. Jährlich wächst die Wolfspopulation um etwa 30 Prozent. 2020 wurden laut amtlichen Angaben rund 4.000 Nutztierrisse gemeldet – eine Verdoppelung im Vergleich zu 2018. Angesichts dieser alarmierenden Zahlen sorgen sich unsere Schaf-, Ziegen-, Rinder- und Pferdehalter zunehmend um die Sicherheit ihrer Weidetiere. Wir brauchen in Hessen keine Wolfsreviere, sondern Weidetiere.“ Das hat der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes, Volker Lein, auf der heutigen Kundgebung des Bündnisses der Weidetierhalter in Gießen betont. Anlass dieser Demonstration unter dem Motto „Wir für unsere Tiere“ war die Auftaktveranstaltung der vom hessischen Landwirtschaftsministerium eingesetzten Arbeitsgruppe „Wolf in Hessen“, die zuvor über den Stand der Umsetzung des hessischen Wolfsmanagementplans in Gießen beraten hatte.

Die Weidetierhalter kritisieren, dass in dem im April 2021 veröffentlichten hessischen Wolfsmanagementplan der Schutz des Wolfes einen weitaus höheren Stellenwert als der Schutz der Weidetiere habe. „Hier werden die Prioritäten falsch gesetzt“, so Lein. Herdenschutzmaßnahmen, in Form von Zäunen oder Herdenschutzhunden, lösten das Problem nicht, weil sie nicht überall anwendbar sind und, wie die Praxis zeigt, keinen ausreichenden Schutz bieten. Im Übrigen werde das Landschaftsbild durch hohe Zäune verunstaltet. „Wenn die Gesellschaft die Rückkehr des Wolfes wünscht, müssen auch sämtliche damit verbundenen Kosten vom Staat übernommen werden. Sie können nicht auf die Weidetierhalter abgewälzt werden“, forderte Nik Hampel, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Hessen.

„Die Weidetierhalter haben in diversen Gesprächen und Stellungnahmen ihre Sorgen, Argumente und Forderungen der Politik und Verwaltung vorgetragen. Leider wurden diese anscheinend schlichtweg ignoriert“, sagte Frieder Beyer, Sprecher des Bundesverbandes Berufsschäfer. „Stattdessen hat man die Verantwortung der Weidetierhaltung im Wolfsmanagementplan verschriftlicht, ohne ihr die dafür nötigen finanziellen Mittel auch nur ansatzweise zur Verfügung zu stellen. Das ist für ein von einer grünen Ministerin geführtes Landwirtschaftsministerium, das immer die ökologischen Vorteile der Weidetierhalter hervorhebt, völlig inakzeptabel“, so Beyer.

Dem Wolfsmanagementplan fehlt ein konkreter Rahmen für Präventionsmaßnahmen (Vergrämung, Abschreckung), schnelle Entnahmen und zügigen Schadensausgleich sowie für eine Bestandsregulierung. „Wir brauchen vor allem ein möglichst frühzeitiges und konsequentes Eingreifen gegen den Wolf. Dazu bedarf es klarer Regelungen. Es muss alles darangesetzt werden, den Wolf von Siedlungen und Weidetieren fernzuhalten, bevor Tiere oder gar Menschen zu Schaden kommen“, hob Lein hervor. Sollte es zu Wolfsrissen kommen, seien diese schnell und in vollem Umfang zu entschädigen. Gleiches gelte für Verdachtsfälle.

Auch die vor wenigen Wochen in Kraft getretene Weidetierschutz-Richtlinie wird dem Anspruch nicht gerecht, eine nachhaltige Weidewirtschaft aufrechtzuerhalten. Die Ausgestaltung der Förderung und Entschädigung als unverbindliches Angebot nach Haushaltslage ist inakzeptabel. „Die Weidetierschutz-Richtlinie ist ein Bürokratiemonster, das in erster Linie dazu dient, dass sich Politik und Verwaltung ihrer Verantwortung für die Folgen einer ungehinderten Ausbreitung des Wolfes entziehen. Mit Prävention hat diese Richtlinie nichts zu tun“, kritisierte
Reinhard Heintz, Vorsitzender des Hessischen Schafzuchtverbandes.

„Mit rund 1.800 Wölfen in Deutschland ist der günstige Erhaltungszustand des Wolfes längst erreicht und mehr als erfüllt. Ein Blick auf das europäische Ausland, insbesondere Skandinavien, lehrt uns, dass dort bei geringeren Wolfspopulationen auf größerer Fläche die Erhaltung der Art gewährleistet ist. Deshalb ist der absolute Schutzstatus, den der Wolf aufgrund europa- und bundesrechtlicher Regelungen innehat, nicht mehr gerechtfertigt, so die Auffassung der Weidetierhalter. „Unsere Weidetiere liefern nicht nur hochwertige Lebensmittel aus der Region, sondern sie pflegen unsere schöne Kulturlandschaft und leisten somit auch einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt“, ergänzte Tim Treis, Vorsitzender der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen (VÖL). Aufgrund der Tatenlosigkeit von Bund und Ländern werden sich Wölfe in Deutschland weiterhin ungebremst verbreiten. Deshalb ist die Weidetierhaltung in Deutschland und Hessen in hohem Maße gefährdet. +++ pm

Forderungen der Weidetierhalter
Aus diesem Grund fordert das Bündnis der Weidetierhalter:

• Den tatsächlichen Wolfsbestand in Deutschland zeitnah, nachvollziehbar und realistisch erfassen sowie aktuell veröffentlichen!

• Obergrenzen für den Wolfsbestand in Deutschland festlegen!

• Präventive Förderung von sämtlichen Herdenschutzmaßnahmen!

• Rissereignisse unbürokratisch, zügig und umfassend entschädigen!

• Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht!

• Zügige Entnahme von übergriffigen Wölfen ermöglichen!

• Keine Ausweisung von Wolfsgebieten, ganz Hessen ist Wolfspräventionsgebiet!

• Ausweisung von Gebieten, in denen wolfsabweisende Maßnahmen nicht möglich sind!

• Regelmäßig stattfindende Arbeitsgruppen-Treffen mit Vertretern der Weidetierhalter zur Abstimmung des Wolfsmanagements!

Coronadaten

Der durch das RKI ausgewiesene Hospitalisierungsinzidenz-Tageswert für Hessen liegt aktuell bei 5,58 pro 100.000 Einwohner (29.06.2022). Eine Woche zuvor betrug der Wert 3,81 pro 100.000.
Letzte Aktualisierung: 30.06.2022, 06:22 Uhr
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