Der TV Gelnhausen hat am 21. Spieltag der 3. Handball-Liga Süd-West auch die schwierige Auswärtshürde beim HLZ Friesenheim-Hochdorf II gemeistert und damit seine Ambitionen eindrucksvoll unterstrichen. Vor 95 Zuschauern im Sportzentrum TV Hochdorf, darunter rund 30 lautstarke und treue Anhänger aus Gelnhausen, setzten sich die ersatzgeschwächten Barbarossastädter am Ende mit 37:32 (18:19) durch. Mit nun 34:6 Punkten behauptet der TVG weiterhin souverän den zweiten Tabellenplatz, der am Saisonende zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga berechtigen würde.
Das klare Endergebnis täuscht allerdings über den tatsächlichen Spielverlauf hinweg. Lange Zeit war es eine hart umkämpfte und intensive Begegnung auf Augenhöhe, in der sich der TVG erst in der Schlussphase entscheidend absetzen konnte. Angesichts zahlreicher personeller Rückschläge präsentierten sich die Gelnhäuser jedoch mit einer bemerkenswert reifen und geschlossenen Mannschaftsleistung. Nach anfänglichen Schwierigkeiten fanden sie zunehmend Struktur in ihr Spiel und übernahmen Schritt für Schritt die Kontrolle über das Geschehen.
Die personelle Situation stellte Cheftrainer Matthias Geiger erneut vor große Herausforderungen. Neben den Langzeitverletzten Leon David, der sich einer Schulter-Operation unterziehen musste, und Akos Csaba mit Kreuzbandriss fallen inzwischen auch Jannik Geisler aufgrund von Schulterproblemen sowie Torhüter Alexander Bechert wegen einer Ellenbogenverletzung für mehrere Wochen aus. Zusätzlich fehlten Henrik Müller und Benjamin Wörner krankheitsbedingt. Die Optionen auf der Bank waren damit stark begrenzt, Improvisation war gefragt. Im Tor bildeten Daniel Drozdz und Juniorenkeeper Noah Pilgrim das Gespann, während Jonas Dambach nach der Geburt seiner Tochter erstmals wieder im Kader stand – und später eine wichtige Rolle übernehmen sollte.
Der Start in die Partie verlief für die Gäste zunächst alles andere als vielversprechend. Friesenheim erwischte den deutlich besseren Beginn, verteidigte aggressiv und profitierte zugleich von starken Paraden ihres Torhüters Philipp Wenning. Beim TVG hingegen häuften sich Ballverluste im Angriff, während defensiv zunächst der nötige Zugriff fehlte.
Die Gastgeber nutzten diese Unsicherheiten konsequent aus, gingen schnell mit 2:0 in Führung und bauten ihren Vorsprung weiter aus. In der 9. Minute vergab Kapitän Jonathan Malolepszy beim Stand von 3:6 einen Siebenmeter – eine ungewohnte Szene, gilt er doch sonst als äußerst sicherer Schütze. Kurz darauf stand es nach zehn Minuten bereits 3:8. „Unser Gegner hat mit wahnsinnig viel Druck angefangen. Für uns war es extrem schwierig, ins Spiel reinzukommen“, erklärte Trainer Geiger später.
Doch der TVG zeigte Moral und kämpfte sich zurück. Mit zunehmender Spieldauer stabilisierte sich die Defensive, während im Angriff vor allem Kapitän Malolepszy – trotz eines weiteren verworfenen Siebenmeters beim Stand von 7:10 in der 16. Minute – immer mehr Verantwortung übernahm. Auch Winterneuzugang Dima Redkyn setzte wichtige Akzente und traf mehrfach. Der Rückstand schmolz kontinuierlich, ehe Malolepszy in der 30. Minute erstmals zum 18:18 ausgleichen konnte. Sekunden vor dem Halbzeitpfiff schlug jedoch Simon Schwarz für das HLZ zu und sorgte für die knappe 18:19-Pausenführung aus Gelnhäuser Sicht.
Nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die Rot-Weißen deutlich wacher als die Gastgeber. Torhüter Daniel Drozdz steigerte sich spürbar und avancierte zunehmend zum Rückhalt seines Teams. In der 33. Minute erzielte Rückkehrer Jonas Dambach schließlich die erste Gelnhäuser Führung zum 20:19. Dennoch blieb die Partie weiterhin offen und umkämpft, da Friesenheim das Tempospiel der Barbarossastädter effektiv unterband und sich keine Mannschaft entscheidend absetzen konnte.
Erst in der 48. Minute gelang dem TVG der erste Zwei-Tore-Vorsprung: Max Bechert traf zum 28:26 und brachte seine Mannschaft damit erstmals etwas deutlicher in Front. Nur drei Minuten später legte er nach und erzielte auch das 30:27 – die erste Drei-Tore-Führung der Begegnung. Doch Friesenheim gab sich keineswegs geschlagen und stemmte sich mit aller Kraft gegen die drohende Niederlage. In der 55. Minute verkürzte Lennart de Hooge auf 30:31, das HLZ war plötzlich wieder in unmittelbarer Schlagdistanz.
In dieser entscheidenden Phase zeigte sich jedoch die Cleverness, Erfahrung und körperliche Stärke der Gelnhäuser. In der Crunchtime spielte der TVG seine Routine aus, nutzte Fehler der Gastgeber konsequent und erhöhte nochmals das Tempo.
Ein beeindruckender 6:1-Lauf brachte schließlich die Entscheidung zugunsten der Gäste. Simon Belter traf in der 60. Minute zum vorentscheidenden 37:31, ehe de Hooge mit seinem Treffer den 37:32-Endstand herstellte. Besonders Torhüter Drozdz war in der Schlussphase mehrfach zur Stelle, wenn es brenzlig wurde, während auch Juniorentorhüter Pilgrim Einsatzminuten erhielt und sich auszeichnen konnte.
„Für uns waren das zwei sehr hart erkämpfte Punkte“, sagte Trainer Geiger nach dem Spiel erleichtert. „Umso mehr freut es mich natürlich, dass wir hier noch gewonnen haben. Trotz der vielen Ausfälle haben die Jungs heute das Beste aus der Situation gemacht.“
Bester Werfer der Gelnhäuser war Kapitän Malolepszy mit beeindruckenden elf Treffern. Rückkehrer Dambach überzeugte mit sieben Toren und einer starken Leistung. Auf Seiten der Gastgeber waren Lennart de Hooge, Theo Straub und Marcel Reis mit jeweils fünf Treffern die erfolgreichsten Schützen. Nach dem Schlusspfiff feierten die TVG-Spieler ausgelassen gemeinsam mit ihren mitgereisten Fans, die ihr Team über die gesamte Spielzeit lautstark unterstützt hatten.
Mit nun 34:6 Punkten bleibt der TV Gelnhausen Tabellenzweiter und hält Kurs auf die Aufstiegsrunde. Weiter geht es bereits am kommenden Samstag um 19.30 Uhr in der heimischen Rudi-Lechleidner-Halle. Dann empfängt der TV Gelnhausen die TSG Haßloch, die aktuell auf dem vorletzten Tabellenplatz der Staffel Süd-West steht. +++

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