TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – Zwischen Abwehr-Kunst, Persönlichkeit, Taktik-Änderung und Anzünden des Publikums

Ttc1

Im Grunde genommen spiegelte sich an diesem schmackhaften Abend in der Hubtex Arena das, was man schon kannte. Eindrücke, die sich verfestigten. Etwa die Abwehr-Kunst, ja regelrecht der Abwehr-Zauber des Ruwen Filus, die Persönlichkeit und Dominanz des Dimitrij Ovtcharov sowie das Reinkämpfen in ein Match des Fanbo Meng, der sein Vorgehen änderte, es auch musste – das Publikum anzündete und mitnahm. Heraus kam ein 3:0-Sieg des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell im letzten Heimspiel der Bundesliga-Saison gegen Borussia Dortmund. Natürlich sollte man berücksichtigen, dass der Gast ohne seine beiden Spitzenkräfte Anders Lind und Kristian Karlsson antrat; auf Fuldaer Seite war Jonathan Groth nicht dabei. Es lohnt sich, sich auf das Spiel einzulassen. Kommen Sie doch mit in die Hubtex Arena.

In halb Sieben geht es los, doch sieben Minuten zuvor betritt Vorstandsmitglied Alexander Günther die Bühne zur Anmoderation. Auch Alex, der Trommler, lässt sich aus dem Fanclub RhönSprudel Power nicht die Chance entgehen, von der ersten Sekunde an dabeizusein. Noch eher, als seine Fanclub-Mitstreiter aufstehen zur Begrüßung der TTC-Spieler. Und schon sind sie da, die ersten Gänsehaut-Momente. Das geht schneller als beim Fußball oder anderswo.

Schon das Eröffnungseinzel hat es in sich. Ruwen Filius darf an Eins ran – das hat sich im Verlauf der Saison nicht nur bewahrheitet, er hat es sich auch verdient. Den ersten Satz schnappt er sich im Duell mit dem Belgier Cedric Nuytinck deutlich. So deutlich, dass bisweilen eine Spur Langeweile aufkommt. Nuytinck unterlaufen zig Fehler, und beim 10:2 hat Filus gar acht Satzbälle. 11:4 ist das Resultat. Der Zweite aber, der ist verdammt spannend. Die Zuschauer applaudieren. Wiederholt reißt es sie zu Beifallsstürmen hin. Und dazu trägt nicht nur Filus, dazu trägt auch der Belgier einiges bei.

Der Durchgang entwickelt die im Sport besonders ausgeprägte Eigendynamik. Schon als Filus zu Beginn punktet, tobt das Publikum. Den Fuldaer begleitet schnell seine typische Pose: starke Abwehr, aus der er kontert und erfolgreich ist. Nuytinck aber hält jetzt dagegen. Erstmals hilft der Fanclub, „auf geht‘s, Ruwen. Auf geht‘s“. 2:4 liegt Filus zurück, macht aber dann vier Punkte in Folge. Doch Nuytinck gleicht aus im wechselvollen und spannenden Schlagabtausch. Und der schält sich als kleiner Krimi heraus. 6:6 – und wieder das Anfeuerungs-Stakkato.

Jetzt macht Nuytinck vier Punkte in Folge. Manch einer denkt sich: Hubtex Arena, was bist du nur für ein Tatort? Nein, fünf in Folge sind‘s, Nuytinck führt 9:6. Alle aber kennen Ruwen Filus. Der antwortet. Ignoriert Zwischenstände. Und macht einfach die Punkte. Er gleicht aus. Zum 9:9.Und hat beim 10:9 Satzball. Jetzt kontert der Belgier – das heißt, Filus‘ Rückhand ist zu lang. Wieder kommt der Fanclub. 11:10, zweiter Satzball für den Fuldaer. Erneut hat Nuytinck etwas gegen die Entscheidung, 11:11. Er antwortet mit einer blitzsauberen Vorhand. Und macht noch einen Punkt. Beim 12:11 hat Nuytinck Satzball. Jetzt gleicht Filus aus. Im Handumdrehen holt er sich seinen dritten Satzball. Und der sitzt. 14:12. Die Zuschauer sind aus dem Häuschen und toben. So, dass man sich fragen muss: Haben die noch ein Zuhause?

Der Dritte könnte Anschauungsmaterial für Sportpsychologen sein. Nein, Ruwen Filus spielt noch mit, keine Angst. Doch anfangs des Satzes stellt er sich intuitiv hin – und Haltung sowie Körpersprache verraten, das heißt, er vermittelt seinem Gegner das Gefühl: Blas‘ du nur zum Angriff und schlag, ich bring‘ eh alles zurück. Große Gestik, großes Kino, großer Sport. Dabei ist Ruwen Filus – und jeder weiß das – ein respektvoller und absolut fairer Sportsmann. Filus verwandelt ein 0:2 in ein 3:2. Immer wieder wehrt er glänzend ab, um dann die Chance zu ergreifen, zu kontern und den Punkt zu machen. Hohe Abwehr-Kunst – aber die ist es, will man den Spieler Filus kennzeichnet, beileibe nicht allein. Es hat etwas mit Zauber zu tun, der in der Luft liegt.

Plötzlich ballt er die Faust. In diesem Moment schreien sich die Zuschauer ihre Kehlen aus dem Hals. Nuytinck, der keinesfalls schlecht spielt, muss sich vorkommen wie Sysiphos: ständig einen Stein den Berg hochzuwerfen – und ständig kommt er zurück. Ständig hat der Filus eine Antwort. Filus führt 7:4. 8:4. Noch einmal kramt Filus beinahe sensationell Erscheinendes in der Abwehr hervor – und er macht den entscheidenden Punkt zum 9:4. Wieder rastet das Publikum aus. Beim 10:5 hat Filus fünf Matchbälle. Das Ende lautet 11:6.

All dies macht Dima Platz. Ratz-fatz öffnet sich der Vorhang für ihn. Und er bietet eine zügige Vorstellung. Eine, hinter der Person und Persönlichkeit leuchtet. Eine, die Dominanz ausstrahlt. Eine, die jedem zeigt: Hier bin ich, und an mir gibt‘s kein Vorbeikommen. Die Körpersprache spricht Bände. Dima spielt von oben runter. Der kräftige und muskelbepackte Mino begeht reichlich Fehler, beim 0:8 im Ersten macht er seinen ersten Punkt. Auch Dima besitzt beim 10:2 acht Satzbälle. Mit 11:3 endet die knappe Geschichte des Ersten. Im Zweiten hält Mino, der möglichst nah am Tisch bleiben will, besser mit. 4:4 steht es. Dann aber schleicht sich Dima davon. Nein, es ist Programm. Über 6:4 geht‘s zu 7:5, 8:5 bis zu 10:5 und fünf Satzbällen. Dieses Mal heißt es 11:6. Es scheint und sieht so aus, als möchte Dima dem eigenen Anhang noch einmal zeigen, was ihn ausmacht. Mit 7:0 liegt er schon vorn im Dritten. Da punktet Mino erstmals. Und der Wahl-Dortmunder kämpft. Jetzt punktet er. Und er kommt bis auf 6:9 heran. Doch beim 10:6 hat Dima vier Matchbälle. Der dritte sitzt.

In der Pause und an deren Ende gibt‘s zwei nette Episoden. Die erste handelt davon, dass Florian Hans endlich mal beim Bundesliga-Spiel, dessen Atmosphäre und Ambiente reinschnuppern darf. Florian ist jetzt 16 und zusammen mit Ben-Luca Köhler, ebenfalls aus Marbach, kürzlich Oberliga-Meister geworden mit der Zweiten des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – verbunden mit dem Aufstieg in die Regionalliga. „Gestern rief der Trainer an und fragte mich, ob ich mich mit Fanbo einspielen kann“, sagte Florian. Auch Dima mischte da mit. Florian war äußerst froh und angetan vom Angebot – und er verfolgte das Geschehen von der TTC-Spieler-Box aus mit. Eine nette Geste, doch darf die erst erfolgen, „wenn es um nichts mehr geht“? Wir gehen davon aus, dass sich der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell seine wertvollen Nachwuchskräfte warmhält, sie respektiert und wertschätzt.

Episode Nummer zwei: Mit Eric Meyfarth und dessen Sohn Julius begrüßt der Fanclub RhönSprudel Power zwei neue Mitglieder. Vater Eric war, neben anderen Familienmitgliedern, in der Halle und tauchte in die Bundesliga-Partie ein. Julius konnte das nicht. Er lag wegen einer Magen-Darm-Erkrankung zu Hause im Bett. Die Familie kommt nicht eben um die Ecke. Aus Eschwege reiste sie an. Was echte Sportler-Herzen nicht doch für Geschichten erzählen.

Bleibt noch die von Fanbo Meng, der in Einzel Nummer drei den Ungarn Adam Szudi trifft. Szudi hat durch beachtliche Ergebnisse in den vergangenen Wochen auf sich aufmerksam gemacht. Und er legt los wie die Feuerwehr. Nicht, dass er über den Fuldaer hinwegrollt im Ersten, er besticht aber durch knallharte Grundschläge und drückt dem Spiel zunächst seinen Stempel auf. Fanbo spielt zu fehlerbehaftet – und er hat zunächst an seiner bekannten Rolle zu knabbern. Keine Körpersprache, kein Selbstvertrauen, kein Selbst. 2:8 liegt er hinten im Ersten, verkürzt auf 4:8, beim 10:4 aber hat Szudi sechs Satzbälle. Den ersten nutzt er.

Bis, ja bis Fanbo Meng sein Vorgehen ändert. Mutiger und aggressiver wird er mit Beginn des Zweiten. Er ist näher an der Platte. Seine Körpersprache ist besser. Er ist auf Punktgewinne aus – und darauf, das Match zu drehen. Ein guter Start hilft ihm. 5:1, 6:2 und 7:3. Das Publikum kommt. Es ist jetzt auf seiner Seite. Wieder einmal hat er es angezündet. Beim 10:6 hat er vier Satzbälle. 11:6. Eins zu eins nach Sätzen.

Und Fanbo lässt sich das Spiel nicht mehr aus der Hand reißen. Wenn der Fuldaer die Faust in den frühen Abendhimmel der Hubtex Arena streckt, ist das ein gutes Zeichen. Aus dem 1:3 macht er ein 4:3 im Dritten. 6:3 – und es scheint, als habe er seinem Gegner den Schneid abgekauft. Szudi wirkt beeindruckt. Vom Publikum, der Atmosphäre – und natürlich dem besser werdenden Gegner. Mit 11:5 schnappt sich Fanbo auch den Dritten. Szenerie und Entwicklung setzten sich fort im Vierten. Szudi hat längst keine Körpersprache mehr, seine Rückschläge sind schlecht. Fanbo führt 6:1 und 8:3. Noch drei Punkte bis zum Match – für sich und sein Team. Szudi kommt bis auf 6:9 heran. Doch jetzt punktet Fanbo wieder. Beim 10:6 hat er Glück mit einem Netzroller. Aber egal, das bedeutet vier Matchbälle. Der erste passt.

Um 20.13 Uhr endet der überschaubare Vergleich. Der Rest ist Jubel. Und die Zuschauer üben sich in Standing Ovations. Irgendwie begleitet einen der Verdacht, dass dieser Abend so einiges an Symbolwert liefert und mitgibt von dieser zu Ende gehenden Spielzeit. Ach ja, am Sonntagnachmittag bestreitet der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell sein abschließendes Spiel der Saison 25/26 in der Bundesliga. Die Reise führt zu Werder Bremen.

Die Übersicht

TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell – Borussia Dortmund 3:0

Ruwen Filus – Cedric Nuytinck 3:0 (11:4, 14:12, 11:6)

Dimitrij Ovtcharov – Alberto Mino 3:0 (11:3, 11:6, 11:8)

Fanbo Meng – Adam Szudi 3:0 (4:11, 11:6, 11:5, 11:6) +++ rl


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