TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell - Ein Krimi in Thüringen - mit bitterem Ausgang für das Team aus Fulda

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Foto: privat

Dass die Tischtennis-Spieler des Bundesligisten TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell am Freitagabend ihr Match im Hexenkessel des LOTTO Thüringen Center Court nach aufreibendem Kampf mit 2:3 verloren, verbessert ihre Ausgangslage im Kampf um den Klassenerhalt der höchsten deutschen Spielklasse nicht. Im Gegenteil: Sie spitzt sich zu. Und das vor den richtungweisenden Aufgaben am nächsten Samstag im Big-Points-Spiel in Bad Königshofen und dem Heimspiel gegen Playoff-Anwärter Bergneustadt. Die. Punkte in Mühlhausen holten für den TTC Dima Ovtcharov und Ruwen Filus im Einzel (jeweils in Fünfen) - im Doppel waren Trainer Qing Yu und sein Sohn Fanbo Meng drauf und dran, an einem Märchen zu basteln, sie zogen aber in vier knappen Sätzen den Kürzeren. Zurück bleibt, dass das Ding verdammt umkämpft war, jeder Punkt war es - und dass der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell kämpferisch eine herausragende Leistung und alles gegeben hatte. Am besten, Sie kommen mit auf die fast vierstündige Zeitreise.

Im Eröffnungseinzel musste der TTC RhönSprudel passen. Das heißt, Fanbo Meng, der dem hoch aufgeschossenen und „gutem Stück Tischtennis-Bundesliga“, Steffen Mengel in vier Durchgängen unterlag. Das Positive aus Fanbos Sicht: Wieder war jeder Satz eng. Schon der Erste verlief offen und ausgeglichen - bis zum 11:11. Schon jetzt konnte man die enge und mitreißende Atmosphäre, die Dichte der Halle in Mühlhausen spüren. Mit dem Ergebnis, dass sich Mengel Durchgang Nummer eins holte. Mit 13:11. Im Zweiten schlug Fanbo zurück. Er ging mit 6:4 in Front, später mit 8:6 und 9:7. Mengel verkürzte nochmals, doch nach dem 10:8 hatte der Fuldaer zwei Satzbälle. Gleich mit dem ersten machte er den Sack zu. Und er reckte seine berühmte Faust.

Mengel indessen bewies weiterhin seine Klasse. Es gibt nicht viele, die ihre Position am Tisch derart behaupten. Im Dritten bestimmte er ab dem 5:5, wo es lang geht. Auf 8:6 setzte er sich leicht ab - aber er spielte sein Ding herunter, Fanbo musste klein beigeben. 9:7 hieß es dann - beim 10:7 hatte sich Mengel drei Satzbälle erkämpft. Den zweiten nutzte er. Der Vierte verlief ähnlich - mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass sich Fanbo extrem reinbiss. 6:4, 7:6 und 8:7 lautete der Spielstand aus Mengels Sicht. Fanbo aber gab sich nicht geschlagen. Er glich aus. Zum 9:9. Dann 10:9 - Matchball Mengel. Den wehrte Fanbo ab - 10:10. Beim 11:10 hat der Thüringer seinen zweiten Matchball. Den nutzt er. 1:0 für Mühlhausen.

Dass auf Dima Verlass ist, wenn es ums Punkten geht, spüren und wissen alle beim TTC aus Maberzell. Auch wenn er im zweiten Einzel des Abends gegen den Rumänen Ovidiu Ionescu mit 1:2-Sätzen zurückliegt - dann kommt Dima. Im Vierten spielt er „von oben runter“ - und schnappt sich den Durchgang glatt mit 11:6. Ehe Dima im abschließenden Fünften für extreme Spannung sorgt. Er liegt schon mit 7:5 vorn, dann heißt es 9:9. Knisternde Spannung in Thüringen. Nach dem 10:9 hat Dima Matchball. Ionescu gleicht aus. 12:11 für den Rumänen plötzlich. Jetzt egalisiert Dima. Was ist denn hier nur los? Für schwache Herzen ist kein Platz. 13:13. Doch jetzt schlägt Dima zu. Mit 15:13 holt er sich den Satz, gewinnt sein Einzel mit 3:2 - und gleicht zum 1:1 zwischen beiden Teams aus.

In Einzel Nummer drei zapft Ruwen Filus wieder mal seine Fähigkeit an, in Fünfen zu gewinnen. Wenn man so will, das Stehaufmännchen beim TTC. Er kittet oft dort und an den Stellen, wo es nötig ist. Wenn das Team aus Fulda noch näher zusammenrückt. Natürlich sind es auch hier fünf enge Durchgänge - und Filus hat Satz eins und zwei schon abgeben müssen. Doch was heißt das schon im heutigen, im modernen Tischtennis? Und erneut zeigt und beweist Filus Nehmer-Qualitäten - um dann zu kontern. Ganz so, wie es in seiner DNA steht und wie es seine Spielphilosophie ausdrückt und vermuten lässt. Angenommen, Sie sitzen in einer Spielbank, die Situation scheint aussichtslos - und jetzt alles auf Filus. Es klappt. Nicht immer. Aber es klappt.

Sein Gegner Liao führt 6:5 im Dritten - als Filus das Ding dreht. Er macht drei Punkte in Folge, geht mit 8:7 und 9:8 in Front. Liao gleicht aus. Doch die entscheidenden Punkte macht Filus. Mit 11:9 gewinnt er den Satz - und stellt mit 1:2 den Anschluss her in seinem Match. Auch im Vierten zeigt sich der Fuldaer nervenstark. Und so mancher der Fans fühlt sich an das Final Four in Ulm erinnert. Nach dem 8:8 im Vierten holt er sich nach dem 10:8 zwei Satzbälle. Liao kontert und egalisiert. Das ficht Filus blickt an. Der holt sich mit dem 11:10 Satzball Nummer drei. Und der sitzt. 12:10 und 2:2-Satzausgleich. Was ist hier in Mühlhausen nur los? Mitfiebern ist beinahe zu schwach ausgedrückt. Das Herz rast. Der Puls ist viel höher als gewöhnlich. Was macht Ruwen Filus nur mit uns? Er begeistert. Zart setzt er sich ab im Fünften mit dem 7:6, Dann 8:6. 9:6. Fulda-Maberzell hofft. Der Fanclub schlägt Alarm. Mit dem 10:7 hat Filus drei Matchbälle. Der erste passt. 11:7, Ruwen Filus gewinnt 3:2 nach Sätzen - und er bringt sein Team mit 2:1 in Front.

Im vierten Einzel des Abends voller Spannung und Dramatik prallen Steffen Mengel und Dima Ovtcharov aufeinander. Ein exquisiter Vergleich zweier Spitzenleute. Dass Dima dann aber in drei, wenn auch engen und umkämpften, Sätzen unterliegt, das überrascht doch ein wenig - passieren kann es allemal. Jeweils glücken dem stabilen Mengel die entscheidenden Punkte. Im Ersten ist das Match bis zum 9:9 Spitz auf Knopf - ehe Mengel das Ding auf seine Seite zieht. Ganz ähnlich im Zweiten. Dima führt da zunächst mit 6:4 und 7:5. Mengel gelingen drei Punkte in Folge. Über 8:7 heißt es 9:7 für den Thüringer. Dima kommt heran. Dann beim 10:8 zwei Satzbälle für Mengel. Der erste passt gleich. Dima kann an diesem Abend nichts ausrichten gegen Mengel. Der liegt im Dritten schon 4:0, 6:1 und 8:4 vorn. Klar, das hat Dima schon gedreht. Diesmal nicht. 11:7 endet der Satz. Mengel gewinnt 3:0 nach Sätzen - und er gleicht zum Team-2:2 aus. Wieder einmal entscheidet das Doppel.

Und da schreiben Vater und Sohn Meng an einem Märchen. Denn in dieser Formation treten sie gegen die nicht-gebürtigen Mühlhäuser Liao/Ionescu an. Den Ersten holt sich die Formation aus Fulda mit 11:9 - die werden doch nicht …? Vater Qing Yu an der Seite seines Doppel-erprobten Filius? Sie schaffen es nicht ganz - aber wieder verlaufen die folgenden und abschließenden Sätze auf Augenhöhe und spülen spannende und bisweilen zauberhafte und dramatische Momente in die Halle. Alleine beim Zweiten hält es niemand auf den Sitzen. Der ist ausgeglichen wie Bolle. 7:5 führen die Thüringer, die Fuldaer egalisieren aber. Auch beim 9:9 ist das so. Bis, ja bis die Gastgeber die Briefmarke auf ihre Doppel-Visitenkarte drücken. Mit 12:10 holen sie sich den Zweiten. Und gleichen nach Sätzen aus.

Der Dritte verläuft - wir hatten es schon einige Male an diesem verrückten Abend - ausgeglichen. Irgendwie ist auch er kennzeichnend für die Partie, Symbolkraft klebt unter dem Sitz jedes Einzelnen hier in der Halle. 8:8 steht es - und dann dies. 9:8 für die Formation aus Mühlhausen. 9:9. 10:9 für die Postler. Satzball. Und der sitzt. 11:9. Und 2:1 nach Sätzen. Der Vierte entwickelt sich - wie die vorhergehenden. Zwar haben die Gastgeber beim 10:7 drei Matchbälle - doch die Mengs gleichen aus. 10:10. Für jedes Team noch zwei Punkte: für Mühlhausen zum Matchgewinn, für Fulda zum Satzausgleich. Die Punkte holt sich das gastgebende Duo. Qing Yu und Fanbo Meng haben toll gekämpft. Bravourös und vor allem mit Herz. Einen Punkt hat ihr Team aber nicht holen können an diesem Abend.

Die Spiele im Einzelnen

Post SV Mühlhausen - TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 3:2

Steffen Mengel - Fanbo Meng 3:1 (13:11, 8:11, 11:8, 12:10)

Ovidiu Ionescu - Dima Ovtcharov 2:3 (11:9, 8:11, 11:7, 6:11, 13:15)

Chen Ting Liao - Ruwen Filus 2:3 (12:10, 13:11, 9:11, 10:12, 7:11)

Steffen Mengel - Dima Ovtcharov 3:0 (11:9, 11:8, 11:7)

Liao/Ionescu - Qing Yu Meng/Fanbo Meng 3:1 (9:11, 12:10, 11:9, 12:10) +++ rl


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