Glückt Sportlern ein wegweisender Erfolg, spricht man oft von Befreiungsschlägen. Solche Stunden erlebten auch die Spieler des Tischtennis-Bundesligisten TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell am Samstag. Ihr 3:1-Sieg beim unterfränkischen Nachbarn Bad Königshofen kam einem Befreiungsschlag im Kampf um den Klassenerhalt gleich, dessen Big Points im Derby und seine Signale bis in die Heimstätte Hubtex Arena in Fulda hörte. Zwei Spieler traten dabei besonders ins Rampenlicht: Fanbo Meng - und beide hatten in Fünfsatz-Krimis, als sie schon mit 0:2-Sätzen zurücklagen, das bessere Ende für sich: Fanbo Meng, der in seinem Einzel gegen den Österreicher Daniel Habesohn das 2:1 für sein Team und seinem Mitspieler Dima Ovtcharov den Weg ebnete. Denn auch Dima rang den chinesischen Nationalspieler Fei Xue auf dramatische Art und Weise nieder. Mit 12:10 im Fünften. Am besten, Sie kommen mit auf die spezielle Reise und Stunden des Spitzensports in Unterfranken.
Ein Blick auf die Tabelle verrät, dass dieser Sieg in Bad Königshofen sehr, sehr wichtig - nein, nicht lebenswichtig - war. Dadurch hat Fulda-Maberzell die Distanz zum Trio am Tabellenende - Grenzau, Grünwettersbach und Bad Königshofen - auf vier Punkte vergrößert. Zusätzlich war durch Bad Homburgs Sieg in Grünwettersbach zusätzlich Bewegung in die unteren Regionen gekommen. Man weiß ja nie …
Rein aber in die „Shakehands Arena“ in Bad Königshofen. Im Eröffnungseinzel bestätigten sich die Hoffnungen des Gastgebers auf seinen Neuzugang, den chinesischen Nationalspieler Fei Xue. Am frühen Donnerstagmorgen erst traf er am Flughafen in Frankfurt ein - und seiner Verein begrüßte ihn mit großer und freudiger Erwartung. In sportlicher Hinsicht schien zunächst alles zu klappen für den Chinesen. Gegen Jonathan Groth landete er einen glatten Dreisatzsieg. Nur in Satz drei war es spannend. Xue hatte beim 10:5 schon fünf Matchbälle - Groth aber kämpfte unverdrossen. Bis auf 9:10 kam er heran. Den letzten Matchball aber nutzte der Chinese zum 11:9.
Im zweiten Einzel ruhten Fulda-Maberzells Hoffnungen auf Ovtcharov, der erst zum zweiten Mal in dieser Saison an 1 spielte - also die Möglichkeit hatte, doppelt zu punkten. Und das gelang ihm in beeindruckender Weise. Zunächst stand Dima ein alter Bekannter gegenüber: Bastian Steger. Beide hatten 2012 und 2016 Olympia-Bronze mit der Mannschaft geholt. Heraus kam: Die beiden Routiniers lieferten ein begeisterndes Match. Im Ersten erwischte Dima einen guten Start, Steger verkürzte immer wieder - bis sich Dima auf 7:5, 8:7 und 9:7 absetzte. Und er sich den Ersten mit 11:7 schnappte. Noch enger entwickelte sich der Zweite. Immer mehr Spannung, ja Dramatik kam auf in der Shakehands Arena. Dies war vor allem ab dem 6:6 der Fall. Wieder das Muster: Dima ging in Front, Steger antwortete. Bis auf 8:6 und 9:7 schlich sich Dima davon - und beim 10:7 hatte er drei Satzbälle. Steger aber schlug zurück. Glich aus. Dima aber machte das, was er fast immer tut: Er biss zu. Mit 12:10 ging auch der Zweite an ihn.
Steger aber fasste neuen Mut, als er den Dritten „von oben runter“ spielte. Bis auf 6:2 zog er davon - mit 11:6 holte er sich den Satz. Der Vierte aber nahm alle mit. Und Hitchcock saß erstmals auf der Tribüne. Zu Beginn lag Steger vorn, Dima aber drehte das Ding. Über 6:4 ging es zum 8:7. Und jetzt ist es besser, die Spielstände zu nennen. 9:9. 10:10. Satzball Steger beim 11:10. Dima gleicht aus. Und er holt sich seinen ersten Matchball - 12:11. Der sitzt auch gleich. Er siegt mit 13:11. Und mit 3:1-Sätzen. 1:1 steht es zwischen den Teams.
Wer bis jetzt meinte, dass Fanbo Meng in seiner Entwicklung stagniert und nicht so recht vorankommt, der tut ihm unrecht. Mitreißend sein Match gegen Habesohn - mitreißend, wie er sich für sein Team einsetzt. Die beiden ersten Sätze muss der Fuldaer abgeben - auch wenn die einen äußerst engen Ausgang hatten. Der Erste ist bis zu seiner Entscheidung und zum 8:9 offen - der Zweite ist in seiner Entwicklung verrückt. Fanbo liegt schon mit 7:2 vorn, Habesohn kommt nicht nur heran, er gleicht auch aus. 8:8. 9:8 für den Österreicher. Aber Fanbo gleicht zum 10:10 aus. Habesohn jedoch schnappt sich den Satz mit 12:10.
Bis Fanbo zurückschlägt. Kämpfen, das tut er eh immer. Er legt sein Herz auf die Platte. 7:7 im Dritten. „Auf geht‘s, Fanbo. Auf geht‘s.“ 9:8 für den Fuldaer. 10:8, zwei Satzbälle. Der zweite sitzt. Fanbo stellt den Anschluss her mit 1:2 nach Sätzen. Auch im Vierten ist das Drehbuch Hitchcock-like. Habesohn führt 5:2, 6:4, 7:6 und 9:8. Aber Fanbo kontert. Plötzlich 10:10. Und Hitchcock dreht sich um. Solch enge Ausgänge gab es schon des Öfteren in der Shakehands Arena - aber das Drehbuch wird immer wieder neu geschrieben. Denn Fanbo Meng schraubt an seiner Mentalität. Er zeigt, aus welchem Holz er geschnitzt ist. 12:10 gewinnt er den Vierten. 2:2 nach Sätzen.
Und Fanbo Meng legt nach. Im entscheidenden Fünften spielt er von oben herunter. Schnell reißt er das Geschehen an sich: 5:2 und 7:3. Habesohn verkürzt zwar, aber der Fuldaer spielt das Ding heim. Beim 10:5 hat er fünf Matchbälle. Gleich der erste sitzt. Fanbo gewinnt mit 3:2 nach Sätzen - und er bringt sein Team mit 2:1 in Führung. Wann hat es das zuletzt gegeben, dass der TTC RhönSprudel als Team in Front liegt? Und das Beste: Fanbo Meng liefert seinem prominenten Mitspieler Dima Ovtcharov eine Steilvorlage zum Gewinn des Fuldaer Mannschaftserfolges. Dimas Kontrahent indessen heißt Fei Xue. Es ist eben Tischtennis der Weltelite, die in der Shakehands Arena aufschlägt.
Auch die kennen sich - und Bad Königshofen erlebt einen besonderen frühen Abend an diesem letzten Tag im Januar 2026. Die Durchgänge sichert sich der Chinese. Recht glatt - und es sieht alles danach aus, als ob Bad Königshofen das Ding macht. Für Fei Xue läuft es gut bisher: Fünf Sätze hat er für seinen neuen Verein gespielt - alle fünf hat er gewonnen. Doch sein Gegner ist ja kein X-beliebiger. Es ist Dima. Das heißt, dass er zurückkommt. Auch er schnappt sich die Sätze drei und vier klar - 2:2 nach Sätzen. Und der Fünfte, dere allein entschädigt die Zuschauer für ihr Kommen. Dima liegt schon mit drei Punkten vorn zwischenzeitlich - aber Xue antwortet.
8:8 steht es. 9:8 für Xue. Und noch einen holt er sich. Beim 10:8 hat der Chinese zwei Matchbälle. Doch was heißt das schon gegen Dima? Jetzt läuft der Schweiß. Nicht nur bei den Zuschauern. Auch bei Hitchcock. Dima gleicht aus. Und das Beste: Dima geht 11:10 in Führung. Die Fans spielen verrückt und sind aus dem Häuschen. Das heißt ja Matchball. Aus zwei abgewehrten Matchbällen hat Dima einen Vorteil und einen für sich gemacht. Und er holt sich auch den nächsten. Es ist der entscheidende. Mit 12:10 gewinnt er. Der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell siegt 3:1. Und hat Big Points gewonnen. Aus den speziellen Stunden sind in einem Happy End gemündet für das Team aus Fulda.
Ein paar Tage Zeit haben die Spieler jetzt. Aber nur ein paar. Am Mittwoch, 11. Februar steht das nächste Heimspiel an: Der TTC Schwalbe Bergneustadt, der Platz vier und mithin den Playoff-Platz will, kommt vorbei in der Hubtex Arena. Das Team aus Fulda aber hofft auf einen weiteren Befreiungsschlag.
Die Spiele im Einzelnen
Fei Xue - Jonathan Groth 3:0 (11:7, 11:6, 11:9)
Bastian Steger - Dima Ovtcharov 1:3 (7:11, 10:12, 11:6, 11:13)
Daniel Habesohn - Fanbo Meng 2:3 (11:8, 12:10, 9:11, 10:12, 5:11)
Fei Xue - Dima Ovtcharov 2:3 (11:8, 11:5, 4:11, 7:11, 10:12) +++ rl

Hinterlasse jetzt einen Kommentar