TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell - Die Momente der Mengs: Durch ihre Adern fließt Tischtennis-Blut

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Sie haben den Tischtennis-Sport in Fulda hoffähig gemacht. Haben dafür gesorgt, dass das virtuose Spiel mit dem kleinen Zelluloid-Ball in Osthessen ambitionierten Anstrich erhielt. Dass es in Maberzell und darüber hinaus für Aufsehen sorgte. Bis in die Bundesliga. Die Rede ist von Qing Yu und Fanbo Meng. Durch ihre Adern fließt Tischtennis-Blut. An einer Kultstätte deutschen Sports, dem Sportforum in Berlin-Hohenschönhausen, gingen sie für ihren TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell nacheinander an die Platte. Verhindern konnten sie die 1:3-Niederlage gegen den deutschen Rekordmeister Borussia Düsseldorf nicht - beide aber brachten sich nachhaltig in Erinnerung. Beide, Vater und Sohn, zwangen ihre Kontrahenten Kanak Jha und Dang Qiu, in Fünfsatz-Matches. Qing Yu zog knapp den Kürzeren, Fanbo siegte. Doch kommen Sie mit ins Sportforum.

Und der Trainer, am Tag des Spiels am Sonntag exakt drei Monate zuvor zarte 52 geworden, musste bei der gegenwärtigen Personalnot seines Teams, ran. Zumal Dima Ovtcharov - ebenso wie Fanbo Meng - beim Star Contender in Doha im Einsatz war in der vergangenen Woche. Dort trat Dima stark formverbessert und stabiler als im letzten Jahr auf, kam bis ins Halbfinale - und scheiterte erst dort, nachdem er zuvor im Viertelfinale auch Jang Woojin geschlagen hatte. Zurück zu Qing Yu Meng: Der sprang an Zwei für sein Team in die Bresche. Das hieß: Eröffnungseinzel. Die beiden ersten Sätze gab er gegen den deutlich favorisierten US-Amerikaner Kanak Jha glatt ab - ehe der Trainer des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell zeigte, was er noch immer drauf hat.

Er gewann die Durchgänge drei und vier. Im Dritten zog Qing Yu von 5:5 auf 7:5 und 8:6 weg - bis er beim 10:7 drei Satzbälle hatte. Mit 11:7 fischte er sich den Dritten. Ähnlich schälte sich der Verlauf des Vierten heraus: Der Fuldaer Coach verschaffte sich nach dem 4:4 eine 8:5-Führung - Jha verkürzte nicht nur, er drehte das Ding auch bis zum 9:8. Das aber konnte zum Erstaunen vieler auch Qing Yu Meng. Er ging mit 10:9 in Front - Jha egalisierte. Nicht nur Spannung, sondern Dramatik hatte sich eingeschlichen im Sportforum. Und aus Fuldaer Sicht entpuppte sich Unglaubliches: Der Trainer schnappte sich auch den Vierten. Im entscheidenden Fünften hatte Kanak Jha das bessere Ende für sich. Er spielte den Satz von oben herunter - von 3:0 und 4:1 zog er bis auf 8:3 davon. 9:3 gar. Jha brauchte nur noch zwei Pünktchen. Qing Yu verkürzte nochmals - doch beim 10:4 hatte Jha sechs Matchbälle. Der zweite saß. 5:11 aus der Sicht des Fuldaer Coaches. Der hatte sich super geschlagen. Und er hatte - vielleicht das Wichtigste- seinem Sohn die Botschaft mitgegeben: Hier geht‘s lang. Das kannst du auch.

Denn der traf im zweiten Einzel auf den Weltranglisten-Zehnten Dang Qiu Und tatsächlich entwickelte sich das Match ganz ähnlich im Vergleich zu dem seines Vaters. Jedenfalls zunächst. Fanbo musste die beiden ersten Sätze abgeben - den ersten klar, den zweiten nach hartem Kampf. Nach dem 6:6-Zwischenstand lag der Fuldaer im Zweiten mit 9:7 vorn - doch Dang Qiu konterte. Und wie: Er machte vier Punkte in Folge und schnappte sich den Durchgang mit 11:9. Doch kämpfen, zurückschlagen und beweisen, was in ihm steckt, das konnte Fanbo schon immer. Und man entwickelte das Gefühl, er wollte es allen zeigen. Als Reaktion für so manch unglückliche Niederlage in den letzten Wochen.

Fortan spürte man, Fanbo habe Gefallen daran gefunden, zu punkten und zu siegen. Er ging wieder in Front, 4:2. Sein Gegner antwortete wieder. Der blieb dran - bis Fanbo beim 10:9 Satzball hatte. Und das Sportforum badete im Tischtennis. Dang Qiu glich zum 10:10 aus. Mehr noch: Er holte sich gar Matchball. Den aber wehrte Fanbo ab - 11:11. Und der Fuldaer hatte die bessere Antwort. 12:11 - zweiter Satzball. Und der saß: Fanbo Meng holt sich den Dritten. Er verkürzte nach Sätzen auf 1:2. Wichtiger noch: Er zeigte, ich bin noch da. So leicht kriegst du mich nicht.

Diese mentale Stärke setzte er im Vierten fort. Bis zum 3:3 war‘s noch offen. Dann drehte Fanbo Meng auf. 6:4. 8:6, 9:7. Drei Satzbälle hatte er sich beim 10:7 erarbeitet. 11:8 gewann er den Vierten. Und man mochte nur eines sagen: klasse. 2:2 nach Sätzen. Und der Fuldaer war nicht mehr aufzuhalten. 6:6 stand‘s im Fünften. Dang Yiu ging gar mit 9:7 in Führung. Fanbo aber bewies, dass er noch nicht so an Stabilität - aber durchaus an mentaler Stärke und Reife hinzugewonnen hat. Vier Punkte in Folge holte er - vier. Das hieß: 11:9 für ihn im Fünften. Er hatte den favorisierten Dang Yiu mit 3:2 geschlagen - und zum 1:1 für sein Team ausgeglichen.

Dagegenhalten, hieß es nunmehr aus Ruwen Filus‘ Sicht gegen den Ex-Dortmunder Yongyin Li. Das gelang im Ersten durchaus. Absolut offen war das Ding. 4:4, 5:5, 6:6, 7:7. Dann aber verschaffte sich Li, der nur in der Bundesliga zum Einsatz kommt, beim 10:7 drei Satzbälle. Der zweite saß. 11:8. Im Zweiten machte Filus gar keine gute Figur. Die ersten beiden Sätze waren futsch - doch würde es wie seine beiden Vorgänger machen, die auch die beiden Ersten verloren hatten, dann aber auftrumpften? Anfangs, das heißt im Dritten, konnte man das noch sagen. Vom 6:6 setzte sich Filus bis auf 9:6 ab - es roch nach dem Vierten. Li kam bis auf 8:9 heran - Filus erspielte sich beim 10:8 indessen zwei Satzbälle. Mit 11:8 fischte er sich den Dritten.

Filus aber gingen die Kräfte und Energien aus, oder wie war das Folgende zu deuten? Li spielte von oben runter. Über 3:0 und 7:3 bis auf 9:3. Der Fuldaer kam nicht mehr zurück - beim 10:3 hatte Li sieben Matchbälle. 11:3 hieß es - und 2:1 für den Favoriten Düsseldorf.

Das vierte Einzel, das Spitzeneinzel stand an. Würde es Fanbo Meng erneut glücken, im Duell mit Kanak Jha für ein Husarenstück zu sorgen? Nein. Was irgendwo zu erwarten war - und sich schon zuletzt beim TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell gezeigt hatte -, das trat erneut ein: Wenn es wichtig wird, schwinden die Energiepotenziale der zu dünn besetzten Formation und Spielerdecke. Fanbo Meng zog klar den Kürzeren, er unterlag glatt in Dreien. Im Ersten besaß Jha fünf Satzbälle, im Zweiten, der bis zum 5:5 offen war, zog Jha bis zum 11:7 davon - und im Dritten war‘s ähnlich. Von 3:3 an setzte sich Jha ab und freute sich beim 10:5 über fünf Matchbälle. Nach gut dreieinhalb Stunden war der Käse gegessen.

Der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell hatte, wie nicht viel anders zu erwarten war, mit 1:3 verloren beim Favoriten. Das nächste Spiel aber lässt nicht lange auf sich warten - und es wird zu einem Duell um Big Points. Am Freitag tritt das Team aus Fulda beim Nachbarn in Thüringen, dem Post SV Mühlhausen an. Der ist mittlerweile mit seinem Kontrahenten gleichgezogen nach Punkten. Spielbeginn in der engen Halle: 18.30 Uhr.

Ach ja, 1.600 Zuschauer kamen am Sonntagnachmittag ins Sportforum nach Berlin-Hohenschönhausen in den Weißenseer Weg. Versuch des „Double Headers“, der Doppelveranstaltung, gelungen, möchte man meinen. Den Vergleich der Frauen-Bundesliga entschied Brachenprimus Berlin eastside klar gegen den ESV Weil, der zudem noch ersatzgeschwächt antrat, für sich.

Die Spiele im Einzelnen

Borussia Düsseldorf - TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell 3:1

Kanak Jha - Qing Yu Meng 3:2 (11:4, 11:6, 7:11, 10:12, 11:5)

Dang Qiu - Fanbo Meng 2:3 (11:5, 11:9, 11:13, 8:11, 9:11)

Yongyin Li - Ruwen Filus 3:1 (11:8, 11:4, 8:11, 11:3)

Kanak Jha - Fanbo Meng 3:0 (11:7, 11:7, 11:5) +++ rl


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