Tolle Aufholjagd mündet nicht im Happy End – Fanbo Mengs besonderer Abend für den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell

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Wenn man ein Spiel verliert, kann man sich nicht freuen. Das kann kein Sportler, der mit besonderen Ansprüchen lebt, diese verfolgt oder im Sinn hat. So mag es den Spielern des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell ergangen sein, die am Dienstagabend in der Burstenhalle beim TTC Schwalbe Bergneustadt mit 2:3 verloren. Die dritte Niederlage in der noch frischen Saison der Bundesliga. Null Punkte sind natürlich keine gute Bilanz. Indessen waren Reaktion, Moral und Charakter, die die Mannschaft im zweiten Auswärtsspiel zeigte, über Erwarten gut. Sie bewiesen nicht nur, was – auch ohne Dimitrij Ovtcharov und Jona Groth, die an diesem Abend nicht mitwirken konnten, was im Team steckt. Welcher Zusammenhalt herrscht. Und welche Perspektive Bundesliga-Tischtennis in Fulda haben mag. Bei alldem ist aber eines klar: Im nächsten Heimspiel am Sonntag, 6. September, müssen Punkte her gegen Grenzau. Zunächst aber widmen wir uns dem Spiel in Bergneustadt. Und Ergebnissen, Tendenzen, Erkenntnissen und Lehren.

Eben, weil sich ein solch spannender Abend mit dramatischer Zuspitzung herausschälte und entwickelte, lohnt es sich, seine Geschichte von vorne an zu erzählen. Knapp, wo es sein muss; ausführlicher, wo es angebracht ist. Andrei Istrate, junger rumänischer Neuer des TTC RhönSprudel, durfte an Position Zwei ran. Und gegen Bergneustadts Spitzenspieler Benedikt Duda hatte er erwartungsgemäß keine Chance. Istrate verlor glatt in Dreien. Im Ersten bekam er vier Punkte, im Zweiten gar keinen. Im Dritten schien sich das Blatt zu wenden. Istrate hatte einen tollen Start und führte 5:2. Kurz darauf noch 6:4. Doch Duda kam. Und glich aus. Erst stand es 6:6 – und ehe man sich versah, 9:9. Beim 10:9 hatte Istrate gar einen Satzball. Doch Duda schlug zurück. Er drehte den Dritten und hatte beim 11:10 Matchball. Den ersten nutzte er. Erfahrungen sammeln, dachte man. Istrate muss Erfahrungen sammeln.

Während des Verlaufs des zweiten Einzels dachte man: Grüßt das Murmeltier schon wieder? Und am Ende: Hat Fanbo wieder einmal ein Spiel aus der Hand gegeben? 4:0, 6:2 und 7:2 lag der Fuldaer schon vorn im Ersten – ehe Meissner herankam und gar auf 7:7 ausglich. Der Bergneustädter ging beim 8:7 erstmals in Führung, Fanbo aber hielt dagegen. 9:9 hieß es – und beim 10:9 hatte er gar Satzball. Doch die beiden nächsten und entscheidenden Punkte machte Meissner. Der Zweite verlief ausgeglichener – aber genauso spannend wie der Erste. 7:7 stand es. 8:7 für Fanbo. Meissner egalisierte. Und hatte beim 10:9 Satzball. Den Durchgang holte er sich auch. Mit 11:9. Auch im Dritten lag Fanbo vorn. Aber nur anfangs. Nein 4:4 riss der ehemalige Saarbrückener Meissner das Geschehen an sich, ging mit 6:4 in Führung – und beim 8:5 benötigte er nur noch drei Punkte bis zum Match. Fanbo aber verkürzte nochmals. Bis auf 7:8. Ehe Meissner beim 10:8 zwei Matchbälle hatte. Mit großem Kampfgeist egalisierte Fanbo. Meissner aber ließ sich das Ding nicht mehr nehmen. Er gewann auch den Dritten. Mit 12:10. 2:0 für Bergneustadt und 6:0 Sätze – würde der Abend schnell vorübergehen?

Jeder, der diese Rechnung aufmachte, irrte. Denn jetzt kam Ruwen Filus. Jener junge Typ, der in der vergangenen Saison nach Dima Maberzells Flamme am Leben hielt. Auch am Samstagabend gegen Bad Homburg schlüpfte er in diese Rolle, nahm sie an und füllte sie aus. Sein Gegner war der Belgier Adrien Rassenfosse. Ab jetzt riss der Faden der Spannung nicht mehr – und hätte sich Kultregisseur Alfred Hitchcock noch einmal einen Ort aussuchen können, hätte er in der Burstenhalle vorbeischauen müssen.

Eng war schon der Erste. 5:5 stand es. Dann ging Rassenfosse 7:6 in Front. Doch beim 7:7 begann die Crunchtime. Rassenfosse führte 9:7. Filus glich aus. 10:9 – Satzball für den Belgier. Filus glich aus. 11:10, zweiter Satzball für Rassenfosse. Noch einmal egalisierte Filus. Und er holt sich seiner früh Satzball. Und nutzt den gleich. 13:11. Stellen Sie sich jetzt vor, was in der Hubtex Arena losgewesen wäre? Im Zweiten setzte sich Ruwen Filus gleich ab – 7:2. Beim 10:5 hat er fünf Satzbälle. Er schnappt sich den Durchgang mit 11:7.

Ähnlich der Dritte. Nur mit umgekehrten Vorzeichen. 6:2 für Rassenfosse. 8:2. 10:3 – und sieben Satzbälle. 11:4 am Ende. Sagen muss man da nichts mehr. Rassenfosse verkürzt auf 1:2 Sätze. Wie würde Ruwen Filus nun reagieren? Wird der folgende Vierte zum Entscheidungssatz? Oder liefert er sich noch einmal einen solchen Krimi über fünf Sätze wie am Samstag?

Man spürt die Anspannung. Dramatische Zuspitzung wird neu geboren. 4:4, 6:6, 8:8. Filus führt 9:8 – und benötigt noch zwei Punkte bis zum Match. So leicht aber geht es nicht. Plötzlich hat Rassenfosse beim 10:9 Satzball. Doch Filus gleicht aus. Und zieht das Einzel auf seine Seite. Drei Punkte in Folge macht er. 12:10. Er gewinnt den Vierten und siegt 3:1 nach Sätzen. Und er bringt den TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell heran als Team. 1:2.

Jetzt aber kommt der Auftritt des Fanbo Meng. Das Murmeltier grüßt nicht mehr. Klasse seine Haltung. Klasse sein Kampf. Klasse sein Siegeswille. Klasse seine mentale Stärke. In engen Situationen ist er obenauf. Sein Einzel allein ist eine Story wert. Der Fuldaer dreht den Spielstand schon im Ersten. Zum 6:6. Und er schleicht sich auf 8:6 weg. Duda kommt heran. Doch Fanbo schlägt zurück. 9:7. Noch einmal egalisiert Duda, 9:9. Satzball beim 10:9 für Fanbo Meng. Duda gleicht wieder aus. Beim 11:10 holt sich Fanbo den zweiten Satzball. Und den nutzt er zum 12:10. Ein Gewinnsatz, Fanbo Meng hat dem Favoriten Duda schon einmal die Stirn gezeigt – und das Signal gegeben: Mit mir hast du es heute Abend nicht so leicht.

Im Zweiten dreht Duda auf vor heimischer Kulisse. Vom 6:5 zieht er bis auf 10:5 weg. 11:5. Der Dritte schreibt wieder seine eigene Krimi-Geschichte. Fanbo macht fünf Punkte in Folge und geht 7:4 in Führung. Duda aber bleibt dran. Hat Fanbo mentale Fortschritte gemacht und beweist die hier? Und wie. 10:8 für Duda, der zwei Satzbälle hat. Der Fuldaer jedoch gleicht zum 10:10 aus. Und hat beim 11:10 seinerseits Satzball. Den verwertet er auch. Er macht vier wichtige, entscheidende Punkte in Folge. Holt sich auch diesen Satz mit 12:10. Wie beim Ersten. 2:1 für Fanbo Meng.

Doch das. Spitzeneinzel geht in seine nächste Runde. Wieder zieht Duda, ähnlich des Verlaufs des Zweiten, rasch weg. Er spielt quasi von oben runter. 10:6 – das bedeutet vier Satzbälle. Endstand 11:6. 2:2 nach Sätzen. Der Fünfte entscheidet. Und Fünfsatz-Matches sind Fanbo Mengs Ding. Er mit 5:1 vorn. 6:1. 7:1. 8:2. 10:6 – vier Matchbälle. Doch was macht Duda? Er kommt näher. Und näher. Gleicht zum 10:10 aus. Geht gar mit 11:10 in Front – Matchball für den Bergneustädter. Fanbo aber kommt zurück. Er schlägt zurück. Als wolle er es der ganzen deutschen Tischtennis-Familie zeigen. Er gleicht aus. Und holt sich selbst einen Matchball. 13:11. Für einen Moment stehen die Uhren still. Fanbo Meng ringt Benedikt Duda in dessen Wohnzimmer nieder und siegt 3:2. 2:2 im Gesamtstand. Es sind viele unter den Zuschauern, die sich ihren Schweiß abwischen müssen.

Das Doppel entscheidet. Als würde Fulda diese Erfahrung erstmals machen in dieser Saison. Andrei Istrate und Ruwen Filus treten an für die Gäste – Meissner und Rassenfosse sind ihre Kontrahenten. Sie Bergneustädter Formation findet sich anfangs besser. Ab dem 4:4 im Ersten zieht sie davon. Auf 8:4. Und 9:5. Mit 11:5 schnappt sie sich den Satz. Der Zweite geht noch deutlicher an die Fuldaer. 4:0. 5:1. 6:3. Beim 10:3 hat das Gäste-Duo sage und schreibe sieben Satzbälle.

Im Dritten aber deutet sich an, dass es mit der Harmonie, dem Aufeinander-Abgestimmtsein, noch nicht so weit her ist bei der Fuldaer Formation. Klar geht der an die Bergneustädter Zweier-Combo. Mit 11:6. Im Doppel wechselt das Geschehen schnell. Wird der Vierte der Satz der Entscheidung? Das wird er. Das Bergneustädter Duo zieht zunächst davon, bis auf 7:1. Fulda-Maberzell aber kämpft, bleibt dran, gibt sich so schnell nicht geschlagen – und verkürzt bis auf 5:7. Die Flamme der Hoffnung auf einen Fünften glimmt. Meissner/Rassenfosse gehen auf 8:5 weg, Maberzell verkürzt auf 7:8. Doch – und dies ist keine neue Erkenntnis: Die wichtigen und entscheidenden Punkte macht Fulda-Maberzells Gegner. 10:7 – drei Matchbälle für die Bergneustädter, die 11:7 gewinnen. 3:2 für den TTC Schwalbe Bergneustadt.

Es ist 22.38 Uhr. Fast auf die Minute genau drei Stunden hat der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell dieses Mal die Nerven seiner Anhänger strapaziert. Einmal (oder zigmal) haben sie sich gefreut, das andere Mal (oder zigmal) sich auf die Zunge gebissen. Mit einer Formation, mit der kaum jemand für möglich gehalten hätte im Vorhinein, in Bergneustadt vor dem Sieg stehen zu können. Doch bei alldem darf man nicht vergessen, dass wieder kein Punkt heraussprang. Jetzt aber am 6. September in der Hubtex Arena gegen den TTC Zugbrücke Grenzau. Jeder fiebert mit. Jeder leidet mit.

Die Spiele im Einzelnen

TTC Schwalbe Bergneustadt – TTC RhönSprudel Fulda.Maberzell 3:2

Benedikt Duda – Andrei Istrate 3:0 (11:4, 11:0, 12:10)

Cedric Meissner – Fanbo Meng 3:0 (12:10, 11:9, 12:10)

Adrien Rassenfosse – Ruwen Filus 1:3 (11:13, 7:11, 11:4, 10:12)

Benedikt Duda – Fanbo Meng 2:3 (10:12, 11:5, 10:12, 11:6, 11:13

Meissner/Rassenfosse – Istrate/Filus 3:1 (11:5, 3:11, 11:6, 11:7) +++ rl


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