Das Schweinfurter Center für Robotik (CERI) als Motor des regionalen Strukturwandels: Beim Robotik-Netzwerk- und Transfertreffen an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) haben sich Vertreterinnen und Vertreter von Hochschule und Wirtschaft mit der Frage auseinandergesetzt, welche positiven Aspekte sich aus den aktuellen Herausforderungen für die Region Mainfranken generieren lassen. Ziele des Treffens waren es, zum einen die Forschungs- und Transfertätigkeiten des CERI darzustellen und zu zeigen, wie regionale Unternehmen über studentische Arbeiten oder gemeinsame Forschungsprojekte vom Know-how der Hochschule profitieren können. Zum anderen konnten Firmen bei den Fachvorträgen neue Impulse mitnehmen und während der Besichtigung der CERI-Labore und Live-Demonstrationen mit Forschenden über die zukünftigen Industrieanforderungen bezüglich Robotik und KI ins Gespräch kommen.
Neben CERI-Leiter Professor Dr. Tobias Kaupp begrüßte Christiane Michal-Zaiser, zweite Bürgermeisterin von Schweinfurt, die Gäste des Netzwerktreffens und hob die Bedeutung der Hochschule für die Region hervor. Sie betonte, dass bestehende Kooperationen gestärkt und ein intensiver Austausch ermöglicht werden müssen, um die tiefgreifenden Veränderungen am Wirtschaftsstandort Schweinfurt zu bewältigen. THWS-Präsident Professor Dr. Jean Meyer würdigte die Robotik-Forschung als verlässliche Konstante und zeigte sich beeindruckt davon, was in den vergangenen sechs Jahren seit dem Start des Robotik-Bachelorstudiengangs aufgebaut worden sei. Er setzte auf die Weiterentwicklung von humanoiden Robotern als Zukunftstrend – was auch eine der Vertiefungsrichtungen des Robotik-Studiengangs ist: „Die rasanten Veränderungen, die wir im Bereich der künstlichen Intelligenz gesehen haben, werden wir bald auch in der Robotik sehen.“
CERI-Leiter Professor Dr. Tobias Kaupp skizzierte kurz die aktuellen Herausforderungen für die Region Mainfranken durch die starke Abhängigkeit von der schwächelnden Automobilindustrie sowie durch den demografisch bedingten Fachkräftemangel. Er appellierte daran, die bestehende Stärke der Region in die Zukunft zu überführen, ohne das vorhandene Know-how und die Infrastruktur zu verlieren: „Es ist auch eine Chance für eine Neuausrichtung, Robotik, KI und Automatisierung sind hier wichtige Teile der Lösung“. Ein Plus sei die enge Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Instituten und Technologietransferzentren der THWS.
Bachelorarbeiten als Einstieg in Zusammenarbeit
Außerdem setze die THWS auf Drittmittelprojekte und internationale Robotik-Wettbewerbe als ersten Schritt in die Anwendung. Als erfolgreiche Praxisbeispiele nannte der CERI-Leiter Projekte zur Mensch-Roboter-Kollaboration und zur Echtzeit-Arbeitsraumüberwachung mit Tiefenkameras sowie komplexe Automatisierungsaufgaben für die Verkabelung im Auto oder zur Steigerung des Recyclings von Elektronikschrott. Auch Bachelorarbeiten lieferten häufig direkt verwertbare Ergebnisse, etwa einen Roboter, der Staubsaugerteile verpacken kann. „Unser Ziel ist es, Know-how und Human Capital in der Region zu halten. Kooperationen – zum Beispiel über studentische Arbeiten – sind ein risikoarmer Einstieg für Unternehmen.“ Durch die mehr als 300 Robotik-Studierenden auf Bachelor-, Master- oder Doktoranden-Niveau, die regional stark verankert seien, profitiere die heimische Wirtschaft. Für tiefergehende Problemstellungen eigneten sich öffentlich geförderte Forschungsprojekte oder Direktaufträge von Unternehmen – auch dafür zeigte Professor Dr. Kaupp mehrere aktuelle Beispiele.
Planung des neuen Robotik-Gebäudes
Aktuell stehen am CERI zehn Labore für Lehre und Forschung zur Verfügung, außerdem ist ein neues Robotik-Gebäude, mit rund 120 Millionen Euro von der bayerischen Staatsregierung gefördert, bereits in Planung. Vorgesehen sind unter anderem ein Vertiport für bemannte Drohnen sowie ein rund 1.000 Quadratmeter großer zentraler Fertigungsbereich. Die Nutzung des Vertiports und des Fertigungsbereichs solle gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft festgelegt werden – ähnlich wie beim Aufbau des Robotik-Studiengangs, bei dem die Industrie gezielt gefragt wurde, welche Kompetenzen sie benötige.
Den praktischen Nutzen der Zusammenarbeit mit der THWS verdeutlichten zwei Impulsvorträge. Dr. Michael Hübner von ZF Schweinfurt zeigte auf, welche Chancen, aber auch welche Herausforderungen der Einstieg in die humanoide Robotik eröffnet. In der klassischen Industrierobotik sei der Einsatz weitgehend vorherbestimmt, während ein humanoider Roboter mit einer unstrukturierten Umgebung zurechtkommen müsse. Außerdem seien bei einem humanoiden Roboter mehr als 40 Freiheitsgrade zu beherrschen, sodass die klassische Programmierung nicht mehr funktioniere. „Wir stehen hier noch ganz am Anfang – wir müssen hier zuerst Kompetenzen aufbauen und dazu haben wir die THWS als guten Partner. Unser Ziel ist es, gemeinsam zu lernen!“
Über die Fortschritte bei Automatisierung und Qualitätserkennung in der Holzverarbeitung sprach Dr. Stefan Möhringer, in der vierten Generation bei Simon Möhringer Anlagenbau GmbH tätig. Im Video zeigte er den Einsatz eines Roboters mit Vakuumtechnik, um schwere Holzbretter zu bewegen. Die Qualitätskontrolle war bisher Menschen vorbehalten. In einem gemeinsamen Projekt mit der THWS wurde diese Kontrolle mittels künstlicher Intelligenz weiterentwickelt: Nun lernt das System über Bilddaten, typische Fehler im Holz zu erkennen, etwa Harz, Risse oder Astlöcher.
Wie sich Forschung, Lehre und industrielle Anwendung miteinander verzahnen lassen und wie die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Industrie vertieft werden kann, besprachen die Gäste des Netzwerktreffens bei den Live-Demonstrationen in den Laboren sowie beim anschließenden Sommerfest. „Ich habe durchweg positives Feedback von den Gästen erhalten“, resümiert Professor Dr. Kaupp. „Wenn man einfach mal zeigt, was schon möglich ist und wo die Reise hingehen soll, ergeben sich automatisch neue Ideen und Kooperationsmöglichkeiten.“ +++ pm
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