Der Ton ist höflich, die Fronten sind klar: Wenn Roman Poseck im hessischen Innenministerium auf die Verhandlungsführer der Gewerkschaften trifft, prallen unterschiedliche Erwartungen aufeinander – und zugleich grundsätzliche Fragen über den Wert öffentlicher Arbeit, die Grenzen staatlicher Haushalte und die Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern. Die Forderungen sind deutlich, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angespannt. Die Tarifrunde des Landes Hessen verspricht daher mehr als nur eine technische Auseinandersetzung über Zahlen zu werden.
Auf der einen Seite stehen die Gewerkschaften – darunter die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), der dbb beamtenbund und tarifunion (dbb), die Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Sie fordern unter anderem eine Erhöhung der Entgelte um 7 Prozent beziehungsweise mindestens um 300 Euro, eine Anhebung der Ausbildungsentgelte um 200 Euro, ein Weihnachtsgeld in Höhe eines Monatsgehalts sowie einen zusätzlichen Urlaubstag exklusiv für Gewerkschaftsmitglieder.
Auf der anderen Seite steht die Landesregierung, vertreten durch Innenminister Poseck, der den Beschäftigten des Landes zwar ausdrücklich dankt und ihre Leistung würdigt, zugleich aber die Grenzen des finanziell Machbaren betont. „Zunächst möchte ich mich ausdrücklich bei den Beschäftigten des Landes Hessen bedanken. Sie leisten täglich hervorragende Arbeit, ob in der Polizei, in den Finanzämtern, in den Schulen, in der Justiz oder in anderen Teilen der Landesverwaltung. Wir haben es auch den Beschäftigten zu verdanken, dass Hessen im Ländervergleich so gut dasteht. Sie geben dem Land ein Gesicht und stehen für seine Werte. Für ihren unermüdlichen Einsatz gebührt ihnen mein ausdrücklicher Dank und mein höchster Respekt“, erklärte der Minister mit Blick auf die Verhandlungen.
Doch Anerkennung allein ersetzt keine politische Abwägung. Poseck verweist darauf, dass ein Tarifabschluss nicht nur den Interessen der Beschäftigten dienen dürfe, sondern auch für den Landeshaushalt tragbar sein müsse. Als Mitglied der Landesregierung trage er Verantwortung sowohl für die Bediensteten als auch für die Bürger Hessens, die mit ihren Steuern die Landesverwaltung finanzieren. Ein Tarifvertrag müsse daher die Zukunftsfähigkeit des Landeshaushalts gewährleisten.
Besondere Bedeutung misst die Landesregierung dabei der tarifpolitischen Eigenständigkeit Hessens bei. Anders als viele andere Bundesländer gehört Hessen nicht der Tarifgemeinschaft der Länder an. Diese Autonomie, so Poseck, habe sich in den vergangenen Jahren bewährt, weil sie passgenaue Lösungen für die Beschäftigten ermögliche. Auch in der aktuellen Runde sollen diese spezifischen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.
Gleichzeitig verweist der Innenminister auf die schwierige wirtschaftliche Gesamtlage und die daraus resultierenden Herausforderungen für die öffentlichen Finanzen. Der Landeshaushalt stehe vor einem erheblichen Konsolidierungsbedarf. Vor diesem Hintergrund erscheine der Forderungskatalog der Gewerkschaften aus Sicht der Landesregierung überzogen. Ziel müsse ein für alle Seiten tragfähiges Ergebnis sein.
Dabei spielt auch die Entwicklung der Inflation eine zentrale Rolle in der Argumentation der Landesregierung. Die Preissteigerungen der vergangenen Jahre seien bereits durch deutliche Entgeltsteigerungen berücksichtigt worden, betont Poseck. Inzwischen sei die Preisentwicklung moderat, weshalb eine Entgelterhöhung, die weit über der Inflation liege, als nicht realistisch angesehen werde.
Der Minister mahnt daher zu Realismus in den Gesprächen und warnt vor Maximalforderungen, die zwangsläufig zu Enttäuschungen führen könnten. Ein Tarifabschluss müsse nachhaltig und verantwortbar sein. Gleichwohl zeigt er sich zuversichtlich, dass in den kommenden Wochen ein Kompromiss gefunden werden könne, der sowohl die Interessen des Landeshaushalts als auch die der Beschäftigten berücksichtige.
Die Auseinandersetzung berührt damit ein grundlegendes Spannungsfeld moderner Staatlichkeit: Wie viel Anerkennung verdient die Arbeit im öffentlichen Dienst – und wie viel kann sich der Staat leisten? Zwischen berechtigten Erwartungen der Beschäftigten und fiskalischer Verantwortung sucht die Politik nach einem Ausgleich, der nicht nur kurzfristig befriedet, sondern langfristig Bestand hat.
Nach dem Auftakt der Verhandlungen am 27. Februar 2026 in Wiesbaden sollen die Gespräche am 9. und 10. März sowie am 26. und 27. März 2026 fortgesetzt werden. Ob es gelingt, die unterschiedlichen Interessen zu einem gemeinsamen Ergebnis zu führen, wird auch davon abhängen, wie weit beide Seiten bereit sind, ihre Positionen zu bewegen – zwischen Anspruch und Verantwortung.

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