Suleiman Hesso kommt aus Syrien und hat in Tann eine Schneiderei eröffnet

Mutiger Schritt in die Selbstständigkeit 

Süleiman Hesso hat in Tann eine Schneiderei eröffnet. Foto: Sandra Limpert

Suleiman Hesso kommt aus Syrien und hat sich in Tann niedergelassen. Der 29-jährige Schneider desertierte als Wehrpflichtiger aus der syrischen Armee, weil er nicht auf demonstrierende Menschen schießen wollte, wie er sagt. 2015 kam er als Flüchtling nach Deutschland. Nun hat in der Rhön nicht nur ein neues Zuhause gefunden, hier hat er sich mit der Schneiderei „Nadelbaum“ auch eine berufliche Zukunft geschaffen.

Den Laden mitten in der Innenstadt gibt es noch gar nicht so lange, aber es herrscht dort bereits rege Betriebsamkeit. Eine Tannerin bringt Hosen zum Flicken, eine andere einen Bettbezug mit kaputtem Reißverschluss und eine dritte holt ihre ausgebesserten Kleidungsstücke wieder ab. Auch Brigitte Pongs ist da, eine der Ehrenamtlichen, die sich in Tann von Anfang um Flüchtlinge gekümmert haben. Die tatkräftige Seniorin hilft geflüchteten Frauen zweimal wöchentlich im Sprachcafé der AWO beim Deutschlernen, und sie hat Suleiman Hesso auf dessen Weg in die Selbstständigkeit maßgeblich unterstützt.

„Bei der Handwerkskammer in Kassel wurden wir sehr gut beraten“, berichtet die 81-Jährige. Einen Teil der Werkstatt- und Ladeneinrichtung konnte der Jungunternehmer gebraucht erwerben. Das Logo – ein Nadelkissen in Tannenform – kreierte Jasmin Hartwig. Die Designerin gehört zum Vorstand des Vereins „Tann Aktiv“, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, das Leben und Zusammenleben in Tann attraktiver zu gestalten. So setzt sich der Verein beispielsweise für die Belebung der Innenstadt ein. Auch Bürgermeister Mario Dänner freut sich darüber, dass die leerstehenden Räume einer ehemaligen Fahrschule nun wieder genutzt werden. „Die angebotene Dienstleistung bringt für Tann einen Mehrwert, und die Geschäftseröffnung ist ein tolles Beispiel für gelungene Integration“, stellt er fest.

Der Mut, sich selbstständig zu machen, sei im Grunde aus einer Enttäuschung erwachsen, erklärt Hesso. Er sei in den Nähereien im Ulstertal und in Fuldaer Textilunternehmen, wo er in den vergangenen Jahren gearbeitet habe, als Hilfskraft entlohnt worden, obwohl er die gleichen Tätigkeiten wie die Fachkräfte verrichtet habe. „Nochmal eine Ausbildung absolvieren, nur damit mein Berufsabschluss anerkannt wird, das wollte ich nicht“, erläutert der 29-Jährige – zumal er seine Lehre, wie in Syrien üblich, bereits mit zwölf Jahren als unbezahlter Praktikant begonnen hatte, bevor er nach sechs Lehrjahren endlich als bezahlter Schneider habe arbeiten dürfen. „Mein Beruf ist auch mein Hobby“, sagt er. Und Brigitte Pongs bekräftigt: „Suleiman ist sehr talentiert und kreativ; er kann Kleidungsstücke nicht nur geschickt ausbessern und ändern, er  bietet auch Maßanfertigungen an.“

Suleiman Hesso hofft darauf, so viele Aufträge zu erhalten, dass er irgendwann zwei oder drei Mitarbeiter beschäftigen könne. Am liebsten würde er im Laden auch selbst gestaltete Mode anbieten. Doch er geht einen Schritt nach dem anderen: „Erst einmal steht der Kauf einer Ledernäh- und einer größeren Knopflochmaschine an“, sagt er. +++sl

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