Stifterversammlung der Bürgerstiftung Großenlüder

Alte Pfade verlassen - neue Wege finden

Jürgen Bien, Rainer Bickert, Günther Swoboda und Karl-Heinz Buus. (v.l.)

Großenlüder. Die jährliche Stifterversammlung der Bürgerstiftung Großenlüder stand ganz im Zeichen der Berichte, der Neubestellungen innerhalb der Organe und des spannenden Referats „Alte Pfade verlassen – neue Wege finden”. Bien zog eine zufriedene Bilanz der Bürgerstiftung Großenlüder: „Aus der Aufbauarbeit ist längst Kontinuität, Erfahrung und Erfolg geworden. Die Stiftung hat mit einer Vielzahl von finanziellen Förderungen, mit Anschubfinanzierungen, mit selbst initiierten Projekten, mit Vorträgen und Benefizveranstaltungen den Leitgedanken „von Bürgern für Bürger“ nicht nur mit Leben erfüllt, sondern dazu beigetragen, dass die Gemeinnützigkeit angestoßen wurde, um so die Lebensqualität vieler Menschen in der Region zu stärken.“

Im Berichtsjahr 2015 seien fünf verschiedene Projekte bzw. Initiativen mit 10,432,64 Euro gefördert worden. Das Highlight des Jahres sei der Ideenwettbewerb anlässlich des 5-jährigen Bestehens gewesen, wobei drei Preise mit insgesamt 5000 Euro verliehen wurden. Als Bestätigung einer guten Arbeit und weitere Motivation wertete Bien die Auszeichnung als „Stiftung des Monats“, die durch die Hessische Staatskanzlei vorgenommen wurde. Auch Klaus Schönherr zog eine positive Bilanz über die finanziellen Entwicklungen der vergangenen 5 Jahre: So habe sich die Anzahl der 94 Erststifter in 2010 auf nunmehr 104 Stifter erhöht. An Spenden gingen im jährlichen Durchschnitt ca. 6.000 Euro ein. 30.000 Euro Fördermittel wurden in den 5 Jahren vergeben. Im gleichen Zeitraum hat sich das Stiftungskapital von 66.925 Euro auf 79.545 Euro erhöht. Das Stiftungsvermögen beträgt 83.169,43 Euro. Im Berichtsjahr 2015 hat die Stiftung 123,64 Euro für den Ankauf von Büchern, 3000 Euro für die Passionsspiel, 1.400 Euro für Arbeitsgemeinschaften der Lüdertalschule, 5000 Euro für Preisgelder und 900 Euro für die Flüchtlingshilfe ausgegeben.

Jürgen Bien (rechts) bedankt sich bei dem Referenten des Abends, Manfred Schüler.
Jürgen Bien (rechts) bedankt sich bei dem Referenten des Abends, Manfred Schüler.

Heike Münker, die für Projekte zuständig ist, berichtete ausführlich über die Projekte und deren Förderungen und stellte einen wahrnehmbaren Wertzuwachs innerhalb der Großenlüderer Region durch die Arbeit der Bürgerstiftung fest. Für das Kuratorium berichtete der Vorsitzende Karl-Heinz Buus und bedankte sich, wie auch die anderen Berichterstatter bei den Stiftern, Spendern, Ideengeber und Förderer. Dazu Bien: „Durch das ehrenamtliche und soziale Engagement Vieler, die mit unterschiedlichen Talenten die Bürgerstiftung unterstützen, werden Akzente gesetzt. Das macht die erforderlichen Hilfen für die Menschen in der Region möglich. So ist die Bürgerstiftung natürlich auch weiterhin auf Spender und Förderer angewiesen.“ Bei den anstehenden Neubestellungen der Stiftungsorgane gab es leichte personelle Verschiebungen. So wechselte das langjährige Vorstandsmitglied Günther Swoboda auf eigenen Wunsch ins Kuratorium. Hierfür wurde Werner Leister, der bisher Mitglied im Kuratorium war, in den Vorstand bestellt. Neu im Kuratorium sind Karola de Beisac und Mario Wehner. Jürgen Bien verabschiedete Swoboda aus dem Vorstand und dankte ihm vor allem für die Aufbauarbeit der Stiftung. Ebenso dankte er den aus persönlichen Gründen ausscheidenden Kuratoriumsmitglieder Walter Möller, Thomas Mohr und Rainer Bickert.

Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender Jürgen Bien, Stellvertreter Klaus Schönherr, Beisitzer Silvia Hillenbrand, Werner Leister und Heike Münker. Das Kuratorium ist besetzt mit dem Vorsitzenden Karl-Heinz Buus und den Beisitzern Karola de Beisac, Astrid Fischer, Georg Gottwald, Josef Helfrich, Hans Peter Janisch, Peter Lang, Bernhard Meister, Günther Swoboda und Mario Wehner. Gastreferat „Alte Pfade verlassen – neue Wege gehen“ Verantwortung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer heute von Manfred Schüler. Traditionsgemäß lädt die Bürgerstiftung überregional bekannte Persönlichkeiten zu einem Referat ein. In diesem Jahr konnte Jürgen Bien Herrn Manfred Schüler, bis vor kurzem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Fulda, begrüßen. Er hob Schülers profundes Wissen durch seine über 40-jährige Tätigkeit innerhalb der Kreishandwerkerschaft hervor. Der Gastredner Schüler nannte nicht nur Probleme, sondern zeigte die Entwicklungen der vergangenen Jahre auf, nannte Ursachen und vor allem Strategien, wie unter den veränderten Strukturen die neue Verantwortung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt werden müsse. Beginnend mit den seit langen bekannten Auswirkungen des Demografischen Wandels schlug er den Bogen zu der heutigen Notwendigkeit einer Work-Life-Bilance, unter der die Arbeitsverhältnisse zu Partnerschaftsverhältnissen führen müssen.

Anhand von Zahlen machte er die Dramatik im Ausbildungsbereich klar: wurden 2005 bundesweit noch 477.000 Ausbildungsverträge geschlossen, waren es 2014 über 100 000 weniger. Eine Überalterung im Handwerksbereich sei absehbar. Die Frage nach dem richtigen Umgang dieses Problems werde mit den „alten Pfaden“ wie Abbau von Dienstleistungen, verkleinerten Betrieben oder gar Schließungen oder Reduzierungen der Mitarbeiterzahlen nicht gelöst. Vielmehr müsse die gewerbliche Wirtschaft auf qualifizierte und weniger qualifiziere Kräfte angemessen reagieren, indem die Betriebe z.B. ihre interne Schulungen dem Mitarbeiterkreis anpassen. „Wenn wie im Baugewerbe der Region ein Bedarf von jährlich 100 Lehrverträgen besteht, aber nur 50 – 60 Lehrverträge geschlossen werden, muss der Unternehmer „seine“ Ausbildungsplätze für junge Menschen attraktiv machen, vermehrt auf standardisierte Arbeitsabläufe setzen und die weichen Standortfaktoren beachten, mit denen die Arbeitskräfte gewonnen werden können.“ Hierzu gehörten flexible Arbeitszeiten, Weiterbildungs- und Aufstiegschancen, gutes Betriebsklima und angemessene Vergütung, Gesundheitsprogramme und natürlich die Work-Life-Bilanz. Dieser neue Begriff sei eine Weiterentwicklung des bisherigen Anspruchs nach Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Schüler riet den Existenzgründern, den Beschäftigten notfalls den roten Teppich auszurollen. Angebote wie gemeinsame Kindergärten, Sport- und Fitnessangebote und vor allem Aufstiegschancen mache das Unternehmen attraktiv. Sein Motto: „wer neue Wege geht und seine Mitarbeiter Wert schätzt, der schafft es auch, das Arbeitsverhältnis in ein Partnerschaftsverhältnis umzuwandeln.“

Weiter Erfordernisse bzw. neue Wege müssen auch Eltern gehen, die in einem Hauptschulabschluss ihres Kindes die Chance sehen, dass auch mit einem solchen Schulabschluss in Verbindung mit einer Meisterprüfung ein Studienplatz erreicht werden kann. Für Arbeitgeber spricht sich Schüler für das „Duale Studium“ aus, wo betriebliche Praxis und theoretisches Wissen auf einem entsprechenden hohen Niveau miteinander verknüpft werden können. Zum Schluss gab er den Rat, Betriebsübergaben rechtzeitig zu planen und sich um die private Altersversorgung zu kümmern. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können gemeinsame Wege gehen, genügend Modelle stehen zur Verfügung. Jürgen Bien dankte Manfred Schüler für seinen Vortrag: „Die Botschaft ist angekommen. Nur mit klarem Ziel vor Augen und dem Willen zu Veränderungen werden die gesellschaftlichen Problem und die Probleme auf dem Arbeitsmarkt gemeistert werden können.“ +++ fuldainfo

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