Stadtverordnetenversammlung: Situation im Fuldaer Frauenhaus

Fuldainfo.de

Fulda. Das Frauenhaus Fulda befindet sich seit vielen Jahren in einer Immobilie mit ungünstigen Raumzuschnitten, so dass eine Vollbelegung de facto nie zu erreichen ist. Im Gegenteil: in den letzten Jahren lag die durchschnittliche Belegung des Frauenhauses, das formal über 16 Plätze verfügt, zwischen 60-80%. Und dies, obgleich immer wieder anfragende Frauen abgewiesen werden mussten. Aktuell wird eine Auslastung von 92 Prozent erreicht.

Der Hinweis aus einem Bericht bezogen auf die große Zahl abgewiesener Frauen ist insofern erklärungsbedürftig, weil Frauenhäuser aufgrund der Gewalterfahrungen von Frauen bundesweit agieren, d.h. Frauen wählen oft gezielt ein Frauenhaus in einer anderen Stadt bzw. einem anderen Bundesland. Daraus ergibt sich, dass die nicht im Frauenhaus aufgenommenen Frauen zu einem erheblichen Teil nicht aus Stadt oder Landkreis Fulda stammen und nicht speziell in Fulda anfragen; für diese bundesweit suchenden Frauen kommen also auch andere Frauenhäuser in Deutschland als Zufluchtsort in Betracht. Und zugleich: Frauen aus Stadt und Landkreis Fulda suchen in größerer Zahl gezielt nicht die Aufnahme im Frauenhaus Fulda, sondern zu ihrem eigenen Schutz in einem weiter entfernten Frauenhaus.

Dessen ungeachtet unterstützt die Stadt seit über zwei Jahren die Suche des SKF nach einer geeigneteren Immobilie. Diese ist inzwischen auch gefunden worden, muss aber noch hergerichtet werden, so dass mit einer Belegung erst im kommenden Jahr zu rechnen ist. Die zukünftige Immobilie wird räumlich so ausgestattet sein, dass eine flexible Belegung möglich ist und damit dann bei ebenfalls rechnerisch 16 Plätzen mehr Plätze genutzt werden können als in der Vergangenheit. Darüber hinaus ermöglicht das Gebäude eine konzeptionelle Erweiterung im Sinne eines Übergangswohnens, über das Landkreis und Stadt mit dem Träger im Gespräch sind. Eine darüber hinausgehende Ausweitung der Plätze wird von der Stadt nicht befürwortet, weil das Land als zuständige Behörde auch nach aktueller Aussage die Zahl der Frauenhausplätze in Hessen für insgesamt auskömmlich hält und daher die Landesförderung im Falle einer Platzzahlerweiterung nicht erhöhen wird. Das verbleibende Defizit wird aktuell von Bistum, Landkreis und Stadt getragen, wobei nach der aktuellen Vertragslage das Bistum einen größeren Teil übernimmt. Hier hat der SKF aber Gesprächsbedarf zu einer gleichmäßigeren Verteilung angemeldet, Landkreis und Stadt gehen offen in diese Gespräche.

Auch die Linken hatten zu dem Thema Fragen. So wenn einer der Fragen welche Möglichkeiten den 101 hilfesuchenden Frauen mit ihren 172 Kinder bleiben, die auch vorübergehend nicht im Frauenhaus unterkommen können, um ihre Kinder und sich selber zu schützen? Die Antwort des Bürgermeisters: Anfragen an Frauenhäuser erfolgen in der Regel und wegen der Vorgeschichte häufig gut begründet bundesweit; d.h. Frauen suchen Schutz häufig in Frauenhäusern mit großer Distanz zum bisherigen Wohnort und damit Wohnort des gewalttätigen Partners. Entsprechende Angebote vorzuhalten, ist also eine bundesweite Verantwortung, dem Stadt und Landkreis durch die Mitfinanzierung des Frauenhauses auch nachkommen, während in verschiedenen (angrenzenden) Landkreisen überhaupt kein Frauenhaus existiert. Daraus ergibt sich aber auch, dass man aus den 101 abgelehnten Anfragen nicht automatisch folgern kann, dass diese Frauen keinen Platz in einem Frauenhaus gefunden haben. So geht z.B. das zuständige Hessische Sozialministerium davon aus, dass hessenweit eine ausreichende Kapazität von Frauenhausplätzen zur Verfügung steht.

Die zweite Frage lautete: Was kann die Stadt Fulda tun, um die Not-Situation dieser Frauen und Kinder zu entspannen? Dazu erläuterte der Bürgermeister: Obwohl das Frauenhaus in Fulda in der Regel „voll“ belegt ist und Anfragen von Frauen ablehnen muss, erreicht das Frauenhaus aufgrund einer sehr ungünstigen Raumaufteilung in den letzten 8 Jahren nur eine Auslastung zwischen 54-79%, durchschnittlich 67%. Die Tatsache, dass in der Vergangenheit und auch aktuell Frauen nicht aufgenommen werden können, hat also auch mit der konkreten Immobilie zu tun. Wir sind daher seit über zwei Jahren im engen Austausch mit dem Träger bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten, die inzwischen auch gefunden wurden und nun hergerichtet werden müssen. Ein Umzug des Frauenhauses könnte dann 2018 erfolgen und dann zu einer deutlich besseren Auslastung führen, weil die Räume dann flexibler belegt werden können. Dies würde dazu führen, dass weniger anfragende Frauen abgelehnt werden müssten. Desweiteren beraten wir mit dem SKF über Möglichkeiten, die Platzkapazitäten zu erweitern bzw. die Arbeit des Frauenhauses so konzeptionell zu erweitern, dass Übergangswohnmöglichkeiten geschaffen werden. Frauen, die nicht aufgenommen werden können, werden durch das Frauenhaus nicht einfach abgelehnt, sondern die Träger der Frauenhäuser sind so untereinander vernetzt, dass die Frauen, die nicht aufgenommen werden können, dabei unterstützt werden, einen Platz in einem anderen Frauenhaus zu finden.

Weiter wollten die Linken wissen wie kann die Stadt bei solchen akuten Notlagen bei der Wohnungssuche unterstützen oder vermitteln kann. Wehner sagte hierzu: Konkrete Möglichkeiten, bei der Wohnungssuche zu unterstützen oder zu vermitteln, bestehen über das Wohnungsamt der Stadt Fulda, wobei die Stadt nicht über eigene Wohnungen verfügt, sondern auf freie Kapazitäten auf dem Wohnungsmarkt angewiesen ist. Im Stadtgebiet ist der Wohnungsmarkt angespannt, so dass die Möglichkeiten an dieser Stelle sehr begrenzt sind. Die Stadt arbeitet engagiert an der Erweiterung von bezahlbarem Wohnraum, zum einen durch die kommunale Wohnungsbauförderung, zum anderen durch Ausweisung neuer Wohnquartiere wie Löhertor oder Waidesgrund. +++


Popup-Fenster

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*