Stadtgespräch der SPD in Fulda: „Einsamkeitsprävention ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe“

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Die SPD Fulda hat im Rahmen ihres Formates „Stadtgespräche“, das vom SPD-Ortsverein Fulda-Mitte-Süd organisiert und ausgetragen wurde, am vergangenen Donnerstagabend in Fulda-Edelzell über das Thema Einsamkeit gesprochen und dabei mögliche Ursachen und Folgen erörtert. Deutlich an dem Abend wurde, dass von Einsamkeit nicht nur jene an den Rändern betroffen sind, sondern sich Einsamkeit durch alle Gesellschaftsschichten zieht, was nicht nur im sozialen, sondern auch im politischen Sinn eine Herausforderung darstellt.

Als Gesprächspartner fungierten neben der Hauptrednerin des Abends Manuela Strube, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales sowie Bürgermeisterin der Stadt Baunatal a.D., und den beiden Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl am 15. März, Michael Busold, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, und Jonathan Wulff, Vorsitzender der SPD/Volt-Fraktion im Fuldaer Stadtparlament, mit Karola Günther (Geschäftsführerin der Regionalgeschäftsstelle Fulda des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Landesverband Hessen), Susanne Saradj (Geschäftsführerin des Caritasverbandes für die Regionen Fulda und Geisa), Wolfram Latsch (Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, Kreisverband Kassel) und Lars Rilke (Diakoniepfarrer beim Diakonischen Werk Fulda) auch Repräsentanten der regionalen Sozial- und Wohlfahrtsverbände.

Eigentlich hatte sich für gestern Abend die SPD-Politikerin, Staatsministerin Heike Hofmann, angekündigt. Da diese krankheitsbedingt verhindert war, wurde sie von ihrer Staatssekretärin Manuela Strube, ehemals Bürgermeisterin im nordhessischen Baunatal, vertreten, die in ihrem Impulsvortrag auf das Phänomen Einsamkeit einging. „Glaubte man früher, dass hauptsächlich ältere, kranke oder schwache Menschen von Einsamkeit betroffen sind, sind es heute ausschließlich alle Generationen“, führte Staatssekretärin Manuela Strube zu Beginn ihres Impulsvortrages am Donnerstagabend auf dem SPD-Format Stadtgespräche aus. Etwa Zweidrittel der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 39 Jahren fühlten sich, laut Strube, regelmäßig einsam. Ebenso etwa die Hälfte der älteren Bevölkerung. „Einsamkeit betrifft vor allem auch alle Gesellschaftsschichten“, so die Staatssekretärin.

„Seit 2018 gibt es in Großbritannien ein eigenes Ministerium, das sich mit dem Phänomen der Einsamkeit beschäftigt“, so Strube. Auch in Japan sei ein eigenständiges Ministerium eingerichtet worden. In der Bundesrepublik Deutschland wird das Thema unter der Federführung des Bundesfamilienministerium koordiniert. In Hessen ist Einsamkeit ein ressortübergreifendes Thema. Das Familienministerium, die Staatskanzlei als übergeordnete Institution und nicht zuletzt das Sozialministerium widmen sich diesem Thema. Ziel sei es, so Strube, das gesellschaftliche Miteinander zu stärken und die Einsamkeit stärker zu beleuchten, Einsamkeit vorzubeugen und zu lindern. Hierbei gelte: „Wer heute Politik macht, der muss übergreifend denken und zugleich auch lokal handeln. Die Umsetzung findet vor Ort in den Kommunen statt.“

Manuela Strube dankte den anwesenden Vertretern der Sozial- und Wohlfahrtsverbände und den Verantwortlichen vor Ort in den Kommunen dafür, dass sie sich um die Menschen vor Ort kümmern und dieses Thema in den Blick nehmen und damit die Einsamkeit an der Stelle bekämpfen. Strube: „In der Stadt Fulda beschäftigen sich vier verschiedene soziale Einrichtungen und Initiativen intensiv mit dem Thema Einsamkeit. Die Stadt Fulda kann sich auf ihre Partner vor Ort verlassen und darauf, dass gesellschaftliche Partizipation und Begegnung ermöglicht werden, um der sozialen Isolation vorzubeugen.“ Ein Dankeswort adressierte die Staatssekretärin an die Fuldaer Stadtverordnetenversammlung dafür, dass sie die finanziellen Mittel bereitstellt. Oftmals seien dies auch freiwillige Leistungen, in diesem Kontext man genau abwägen müsse, welche Anlaufstelle oder Initiative vonseiten einer Kommune gefördert wird.

Ein zentraler Ansatzpunkt sei dabei, so Staatssekretärin Strube, immer die Überwindung von Altersgrenzen. „So gibt es Projekte, die gezielt Schüler und Senioren zusammenbringen, damit beide Generationen voneinander lernen“, verdeutlichte die Staatssekretärin. Auch die Stadt Fulda beteiligt sich bei der bundesweiten Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die im vergangenen Jahr bereits zum dritten Mal stattfand. Strube: „In diesem Kontext finden beispielsweise Veranstaltungen, wie gemeinsame Spielenachmittage in der Hochschule Fulda und der Landes- und Stadtbibliothek statt, um Menschen zusammenzubringen während niederschwellige Angebote von beispielsweise der Caritas oder der Diakonie angeboten werden.“

Ein weites Feld mit einer hohen Dunkelziffer sei nach Strube die Einsamkeit, die Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen betrifft. Hier setze beispielsweise mitunter der Caritasverband an, während der Malteser Hilfsdienst e.V. mit dem Modell „Miteinander füreinander“, aufwartet, das auf persönliche Verbindungen setzt. Die Hochschule Fulda bietet im Rahmen ihrer psychologischen Beratungsdienste Gruppen an, in denen Studierende über Einsamkeit, soziale Ängste und andere Herausforderungen sprechen können, führte die Staatssekretärin als Beispiele auf.

Paradoxerweise seien es aber insbesondere auch die Sozialen Medien, die Einsamkeit hervorrufen und verstärken können. Im Besonderen beträfe dies junge Menschen. In diesem Kontext verwies Staatssekretärin Strube auf das Programm „Gemeinwesenarbeit“, dieses das Hessische Sozialministerium mit 8,1 Mio. Euro in 86 Quartieren fördert. Das Programm sieht die Finanzierung von Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen zur Angebotsunterbreitung vor, die das Ehrenamt entlasten sollen. Alleinstehende Menschen, Kinder und Familien kommen an Orten zusammen, wo sie gesellschaftliche Teilhabe erfahren, gemeinsam das Mittagessen einnehmen, Hausaufgaben machen, Spielen etc. Strube nannte dies ein „Leuchtturmprojekt“, da es sehr niederschwellig sei und dabei sehr gut angenommen werde. Auf den Erfolgen aufbauend, soll das Programm weiter ausgebaut werden. Auch das Thema Armut wird vom Hessischen Arbeits- und Sozialministerium bearbeitet. Nach den Aussagen von Strube werde aktuell ein Aktionsplan zur Armutsbekämpfung erarbeitet. Wohnungssuche, Beratung, Bildung und Teilhabe stünden hierbei im Zentrum.

Wie die Staatssekretärin des Arbeitsministeriums am Donnerstagabend mitteilte, habe der Hessische Landtag ein gemeinsamer Antrag der beiden regierungstragenden Parteien auf den Weg gebracht, der bekräftige, gesellschaftlicher Zusammenhalt zu stärken, um Einsamkeit einzudämmen. Der Antrag sieht vor, gesellschaftliche Teilhabe in den Blick zu nehmen und zu fördern. „Einsamkeit ist eine große gesellschaftliche wie auch politische Herausforderung, zumal Einsamkeit – und darin sind sich die Fachleute einig – das Risiko für Erkrankungen steigert“, sagte Staatssekretärin Manuela Strube am Donnerstag auf der SPD-Veranstaltung in Fulda. Strube rief zu mehr Umsichtigkeit und Fürsorge untereinander auf. „Wenn jeder ein kleines bisschen mehr nach links und rechts und auf sein gegenüber achtet, ist uns schon viel geholfen“, so die Staatssekretärin, die weiter ausführte, dass es oftmals sinnstiftender wäre, bevor man als Kommune in eine Straße investiere, vorerst in Bildung und Teilhabe zu investieren. So ähnlich brachte es an diesem Abend auch SPD-Unterbezirksvorsitzender Andreas Maraun auf den Punkt, der anführte, dass jeder, der sich in einem Verein oder einer politischen Partei engagiert, auch eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft habe.

Und auch die SPD-Kreistagsfraktion mit Michael Busold an der Spitze bearbeitet den Themenkomplex Einsamkeit und gesellschaftliche Teilhabe seit vielen Jahren, um sich dieser Herausforderung zu widmen. Nach Jonathan Wulff, Vorsitzender der SPD/Volt-Stadtverordnetenfraktion und Spitzenkandidat für die Kommunalwahl fürs Fuldaer Stadtparlament und verheirateter Vater von drei Kindern, könne das Gespräch mit der eigenen Familie mitunter ein Schlüssel sein, um Einsamkeit zu ergründen und gegebenenfalls gegenzusteuern, bevor sich Merkmale bemerkbar machen.

Die Repräsentanten aus den Sozial- und Wohlfahrtsverbänden berichteten gestern Abend aus ihren Tätigkeitsfeldern und nannten Beispiele für sinnstiftende Projekte.
Im Nachgang an den Impulsvortrag von Staatssekretärin Manuela Strube schloss sich eine Frage- und Diskussionsrunde der rund 50 Teilnehmenden. Unter den Gästen waren der komplette SPD-Stadtverband Fulda, Mitglieder der SPD/Volt-Stadtverordnetenfraktion wie auch die SPD-Landtagsabgeordneter Tanja Hartdegen MdL aus Bad Hersfeld, die passend zum Thema aus ihrer politischen Arbeit und der ihrer Landtagsfraktion berichtete, die den Themenkomplex Einsamkeit, Armut und gesellschaftliche Teilhabe seit vielen Jahren präferiert und diesbezüglich schon einiges auf den Weg gebracht habe. +++ jessica auth


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