Spahn gegen Legalisierung der Leihmutterschaft

Helling-Plahr kritisierte Spahns Haltung

Jens Spahn (CDU)
Jens Spahn (CDU)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Forderung der FDP zurückgewiesen, in Deutschland die nichtkommerzielle Leihmutterschaft zuzulassen. Die dazu notwendige Änderung des Embryonenschutzgesetzes sei in der 19. Legislaturperiode nicht vorgesehen, heißt es in der Antwort seines Ministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Abgeordneten Katrin Helling-Plahr, über die die Zeitungen des “Redaktionsnetzwerks Deutschland” berichten.

Zudem wird in der Antwort mehrfach auf die Begründung für das Embryonenschutzgesetz aus dem Jahre 1990 verwiesen. Durch das damals festgelegte Verbot habe der Gesetzgeber im Interesse des Kindeswohls die Eindeutigkeit der Mutterschaft gewährleisten wollen, schreibt das Gesundheitsministerium. Bei einer Leihmutterschaft seien hingegen die genetische und die austragende Mutter nicht identisch. “Die damit verbundenen besonderen Schwierigkeiten bei der Selbstfindung des Kindes ließen aus Sicht des Gesetzgebers negative Auswirkungen auf dessen Entwicklung im Sinne einer Gefährdung des Kindeswohles befürchten”, so das Spahn-Ministerium mit Blick auf die damaligen Gesetzesbeschlüsse. Helling-Plahr kritisierte Spahns Haltung: “Die Bundesregierung verschließt die Augen vor den Wünschen kinderloser Paare”, sagte sie dem RND.

Statt sich um eine Reform des Fortpflanzungsmedizin-Rechts zu bemühen, ziehe sich die Regierung auf längst überkommene gesetzgeberische Begründungen aus dem Jahr 1990 zurück. “Die Antwort der Bundesregierung offenbart, dass sie auch kein Interesse daran hat, die Belange von kinderlosen Paaren, die auf moderne fortpflanzungsmedizinische Maßnahmen angewiesen sind, künftig zu berücksichtigen”, beklagte die FDP-Abgeordnete. Die FDP spricht sich für eine Legalisierung der Leihmutterschaft unter bestimmten Auflagen aus. Sie soll erlaubt werden, wenn sie aus rein altruistischen Motiven übernommen wird und nicht zur Erzielung eines wirtschaftlichen Gewinns. Zudem müssen Leihmutter und Wunscheltern eine Elternschaftsvereinbarung schließen und beurkunden lassen. Ein Familiengericht muss dann die Leihmutterschaft genehmigen. +++

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5 Kommentare

  1. In meiner Stadt kann jeder der aus der S-Bahn steigt das Plakat der Kinderwunschklinik sehen: Sechs Störche werben darauf für die künstliche Befruchtung. Und öfter in den ukrainischen Kiwu-Kliniken mit den günstigen Leihmüttern.
    Ich möchte hinzufügen, auch in meinem persönlichen Erfahrungsbereich ist es kein Tabu. Es springen natürlich nicht ständig Menschen um einen herum, die von ihrer künstlichen Befruchtung erzählen, aber auch bei den durchaus häufigeren Fällen der Befruchtung durch Sex, ist es eher selten, dass davon detailliert berichtet wird. Was allerdings auch Beischlaf unter Menschen nicht zum Tabu macht.
    Allerdings ist Beides m.E. ein eher intimes Ereignis, was man nicht notgedrungen mit vielen Menschen teilen möchten.

  2. Meiner Meinung nach ist uns aber allen die Zukunft geraubt. Wir sind die Hauptkundschaft bei den ukrainischen Kiwu-Zentren, die für ihre günstigen Leihmütter schon bekannt geworden sind. Und dabei sind bei uns Depressionen vorprogrammiert. Andererseits sollen sich 25% der in Deutschland lebenden Akademikerinnen bewusst gegen eine Schwangerschaft entscheiden, was natürlich im Sinne der Selbstbestimmung wunderbar ist, aber dadurch ebenfalls die Geburt eines höheren Anteils weniger intelligenter Kinder fördert. Vielleicht hat das aber auch damit zu tun, dass längst nicht alle bereit sind, mobil zu sein. Auch in Deutschland wird das Loblied der Heimatverbundenheit gern angestimmt und kann in einigen Regionen dazu führen, dass nur schlechte Jobs ohne Finanzierbarkeit einer Familie zu finden sind.

  3. Bin gerade mit dem Lesen von ” Grenzen des Wachstums” fertig geworden – einer Lektüre aus den 70er. Eine sinkende Geburtenrate ist die einzige Hoffnung für die Menschheit. Für den einzelnen mag das anders sein. Nebenbei, in D betrug die Geburtenrate in den Jahren 2001 bis 2011 durchgängig weniger als 1,4 Kinder pro Frau, lag in den zwei Jahrzehnten vor der Jahrtausendwende im Westen Deutschlands gelegentlich auch mal bei weniger als 1,3 Kinder pro Frau. Dabei nimmt unsrer Fortpflanzungstourismus zu den ukrainischen Kiwu-Kliniken immer wieder zu.

  4. Klar gibt es kein Recht auf Kinder, aber was ist mit Beitragszahlern? Wachsen die auf Bäumen? Die Kinder von heute sind die Beitragszahler von morgen. Es ist absolut ok, keine Kinder zu wollen. Ich bin selbst auch (zumindest bisher) kinderlos. Aber es ist nun mal eine Tatsache, dass es anderer Leute Kinder sein werden, die ihre und meine Rente zahlen und uns im Alter pflegen werden. Es ist jedem selbst überlassen, ob er Kinder bekommt oder nicht, ob auf natürlichem Wege oder durch Leihmutterschaft irgendwo in der Ukraine. Aber es ist auch so, dass es gesellschaftlich gesehen schlecht ist, wenn sich zu viele Leute gegen Kinder entscheiden. Nicht nur für die Sozialsysteme, sondern auch für die Dynamik einer Gesellschaft. Eine Gesellschaft von alten Leuten wird Produktivität und Innovationskraft verlieren.

  5. Noch mal mit Betonnung: Es gibt kein Recht auf Kinder. Gab es noch nie und wird es auch nicht geben.
    Man muss einfach Geld haben für Kinder in der westlichen Welt, besonders für teure Behandlungen in den günstigen ukrainischen Kiwu-Zentren. Das ist auch gut so, sonst hätten wir Zustände wie im Europa des 18. Jahrhunderts, wo mehr Kinder mehr Geld brachten weil sie arbeiteten.
    Mir geht’s wirtschaftlich gut und ich bin in einer festen Partnerschaft, habe mich aber bewusst gegen Kinder entschieden. Die Konsequenzen für Natur, Mitmenschen und mich selbst sind zu gravierend. Ein Kind, welches in einem Industrieland aufwächst, verbraucht die Ressourcen von 3-7 Kindern in Ländern der dritten Welt.

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