CSU-Chef Markus Söder hat nach eigener Einschätzung keine Aussichten mehr auf die Kanzlerkandidatur der Union. „Ich bin nur für Bayern im Einsatz. Ein CSUler hat ohnehin nur einmal im Leben die Chance“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Nachfrage, ob die Kanzlerkandidatur für ihn erledigt sei, bejahte Söder: „Ich gehöre einfach am besten nach Bayern.“ Wer nächster Kanzlerkandidat werde, entscheide die CDU, fügte der bayerische Ministerpräsident hinzu. „Aber natürlich ist der Parteivorsitzende immer erster Anwärter.“ Die CDU-Niederlage bei der Landtagswahl im Saarland „hatte vor allem mit regionalen Effekten zu tun“, analysierte Söder. „Ich finde, dass Friedrich Merz die CDU nach diesem schweren Jahr gut stabilisiert hat. Wir entwickeln in schweren Zeiten ein klares Profil und arbeiten sehr gut zusammen.“ Die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai habe für die gesamte Union eine besondere Bedeutung, betonte Söder. „Es ist auch die Heimat von Friedrich Merz. Ich weiß, dass er sich sehr stark und erfolgreich im Wahlkampf engagieren wird.“
Bayern will Gas-Fracking „ergebnisoffen prüfen“
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will die umstrittene Fracking-Technologie zur Gasgewinnung in Deutschland nach Möglichkeit erlauben. „Die Amerikaner haben sich durch Fracking vom Nahen Osten völlig unabhängig gemacht“, sagte der CSU-Chef den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Wir müssen ergebnisoffen prüfen, was geht und sinnvoll ist. Verbote könnte man aufheben. Wir haben als Volksvertreter sogar die verfassungsmäßige Pflicht, in solch außergewöhnlichen Krisenzeiten alle Optionen unvoreingenommen im Blick zu haben.“ Für russisches Gas brauche Deutschland „möglichst breite Ersatzkapazitäten – nicht nur amerikanisches Flüssiggas, das natürlich teurer ist als das russische“, betonte Söder. „Wir müssen uns auch in der Golfregion und bei den europäischen Partnern umsehen. Und wir müssen die Erschließung eigener Kapazitäten prüfen.“ Er fügte hinzu: „Wir dürfen Öl- und Gasgewinnung aus vorhandenen Kapazitäten in Deutschland nicht völlig ausschließen.“
Zugleich forderte Söder den Weiterbetrieb von fünf Deutschen Atomkraftwerken. „Es ist ein schwerer ideologischer Fehler, die drei vorhandenen Kernkraftwerke zum Jahresende abzuschalten. Sie liefern Strom für zehn Millionen Haushalte“, sagte er. „Wir sollten fünf Kernkraftwerke für fünf weitere Jahre laufen lassen, um genügend Zeit zu haben, die ehrgeizigen Ziele für die erneuerbaren Energien umzusetzen.“ Der CSU-Chef äußerte Zweifel an der Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (CSU), wonach ein lückenloser Weiterbetrieb der deutschen Atommeiler nicht möglich wäre. „Das scheint mir eine ideologisch motivierte Position zu sein, sehr stark beeinflusst von der grünen Umweltministerin“, sagte Söder. „Wir haben die Betreiber und die Aufsichtsbehörden befragt, und die sagen eindeutig, dass es geht. Wenn wir uns ohne Schäden für die deutsche Wirtschaft unabhängig machen wollen von russischer Energie, dann brauchen wir die Kernkraft leider noch eine W eile als Brücke.“ +++

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