Zwei Auswärtsspiele, zwei Siege, 14:2 Einzelpunkte: Die SG Johannesberg hat in der 1. Poolbillard-Bundesliga ein außergewöhnliches Wochenende erlebt. Nach dem sensationellen 8:0-Sieg beim amtierenden Deutschen Meister PBC Joker Altstadt setzte sich der deutsche Vizemeister am Sonntag auch beim Titelmitfavoriten BV Brotdorf mit 6:2 durch. Doch das Endergebnis erzählt nur die halbe Geschichte. Gleich mehrere Partien wurden erst im letzten Spiel entschieden, zwischenzeitlich schien sogar ein Unentschieden möglich. Am Ende bewiesen die Johannesberger neben ihrer spielerischen Klasse vor allem enorme Nervenstärke und Kampfgeist.
Es war allen Beteiligten klar, dass die zweite Aufgabe dieses Auswärtswochenendes die möglicherweise noch schwierigere werden würde. Der BV Brotdorf gehört zu den ernsthaften Anwärtern auf die Deutsche Meisterschaft und verfügt über eine Mannschaft, die an einem guten Tag jeden Gegner schlagen kann. Nach der Machtdemonstration am Samstag in Altstadt wartete am Sonntag deshalb ein völlig anderes Spiel. Statt eines frühen Durchmarschs entwickelte sich ein intensiver Bundesliga-Kampf, in dem die Johannesberger mehrfach an ihre Grenzen gehen mussten.
Juri Pisklov dreht Schlüsselpartie zur 3:1-Halbzeitführung
Der Auftakt verlief zunächst nach Plan. Kapitän Raphael Wahl ließ Marco Spitzky im 14.1 endlos beim 125:25 keine Chance und brachte die SGJ mit 1:0 in Führung. Anschließend schlug Brotdorf zurück: Luca Menn bezwang Tobias Bongers im 8-Ball mit 8:4 und glich zum 1:1 aus. Yuma Dörner sorgte im 9-Ball gegen Maximilian Lechner mit einem 9:5 für die erneute Johannesberger Führung. Die wohl wichtigste Partie der ersten Hälfte lieferte sich jedoch Juri Pisklov mit Stefan Kasper. Lange Zeit lag der Johannesberger zurück. Erst im letzten Drittel der Begegnung kämpfte er sich wieder heran und erzwang die Entscheidung im letzten Spiel. Beim Stand von 7:7 bewies Pisklov die nötige Ruhe und gewann mit 8:7. Aus einem möglichen 2:2 zur Pause wurde damit eine enorm wichtige 3:1-Führung für die SG Johannesberg.
Brotdorf kämpft um jeden Punkt – drei Partien werden zum Krimi
Auch in der zweiten Hälfte blieb die Begegnung bis zum Schluss hart umkämpft. Besonders im 14.1 endlos entwickelte sich zwischen Tobias Bongers und Stefan Kasper ein langes, intensives Duell. Bongers kämpfte sich immer wieder heran, musste sich am Ende jedoch mit 102:125 geschlagen geben. Es war die Partie, die am längsten dauerte. Währenddessen lieferten sich Raphael Wahl und Marco Spitzky im 8-Ball sowie Juri Pisklov und Luca Menn im 9-Ball zwei echte Krimis. Beide Begegnungen gingen über die volle Distanz – und beide Male behielten die Johannesberger im entscheidenden Spiel die Nerven. Wahl gewann mit 8:7, Pisklov setzte sich mit 9:8 durch. Auch Yuma Dörner überzeugte erneut und besiegte Maximilian Lechner im 10-Ball mit 8:3. So stand am Ende ein 6:2-Auswärtssieg, der deutlich klarer aussieht, als es der tatsächliche Spielverlauf vermuten lässt. Gleich drei Partien wurden erst im letzten Spiel entschieden, alle drei gingen an Johannesberg. Wären diese knappen Begegnungen anders verlaufen, hätte auch ein Unentschieden auf der Anzeigetafel stehen können. Gerade deshalb war dieser Erfolg gegen einen unmittelbaren Konkurrenten um die Spitzenplätze von besonderem Wert.
Alexander Peer: „Am Sonntag war auch das Glück auf unserer Seite“
Abteilungsleiter Alexander Peer zeigte sich nach dem erfolgreichen Doppelspieltag begeistert von seiner Mannschaft, ordnete den Sieg in Brotdorf aber realistisch ein. „Die Mannschaft hat das ganze Wochenende wie entfesselt gespielt. Was die Jungs am Samstag beim Deutschen Meister gezeigt haben, war außergewöhnlich. Aber auch der Sonntag war eine ganz starke Leistung. Wir wussten, dass Brotdorf die härtere Nuss werden würde.“ Gerade die engen Entscheidungen seien ein Beleg dafür, wie ausgeglichen die Spitze der Bundesliga besetzt ist. „Bei aller Qualität, die wir in unserer Mannschaft haben, gehört in solchen Begegnungen auch das nötige Glück dazu. Und das war am Sonntag neben unserem Können sicherlich auf unserer Seite. Drei Partien, die erst im letzten Spiel entschieden werden, können auch anders ausgehen. Umso mehr freut mich, wie unsere Jungs gekämpft und die Nerven behalten haben.“ Der Erfolg gegen Brotdorf habe deshalb einen besonderen Stellenwert: „Brotdorf ist für mich ganz klar ein Mitfavorit auf die Deutsche Meisterschaft. Dort mit 6:2 zu gewinnen, ist alles andere als selbstverständlich.“
1. Vorsitzender Lothar Plappert träumt vom ganz großen Erfolg
Auch SGJ-Vereinspräsident Lothar Plappert würdigte die Entwicklung der Billardabteilung und die sportlichen Leistungen des Bundesliga-Teams. „Die SG Johannesberg ist mit den Saints im American Football und unserer Billardmannschaft gleich in zwei Sportarten auf Bundesebene vertreten. Das ist für unseren Verein etwas ganz Besonderes und macht uns unglaublich stolz.“ Mit Blick auf die Meisterschaftsambitionen der Billardspieler ergänzte Plappert: „Wenn es unserer Mannschaft gelingen würde, die Deutsche Meisterschaft nach Johannesberg zu holen, wäre das natürlich großartig. Das wäre ein historischer Erfolg für unseren gesamten Verein.“
Vier Spiele, vier Siege: Johannesberg setzt ein Ausrufezeichen
Mit den beiden Auswärtserfolgen hat die SG Johannesberg ihre makellose Saisonbilanz weiter ausgebaut. Nach den beiden 7:1-Heimsiegen zum Auftakt folgten nun ein 8:0 beim amtierenden Deutschen Meister PBC Joker Altstadt und ein 6:2 beim Titelmitfavoriten BV Brotdorf. Vier Spiele, vier Siege und eine Einzelbilanz von 28:4 – das ist eine bemerkenswerte Ausgangslage im Kampf um die Spitzenplätze der Bundesliga. Doch gerade der Sonntag hat gezeigt, wie eng die Leistungsdichte an der Spitze ist. Zwischen einem klaren Sieg und einem möglichen Punktverlust lagen mehrfach nur wenige Kugeln. Für die SG Johannesberg bleibt die Zielsetzung dennoch unverändert: Nach drei dritten Plätzen und der deutschen Vizemeisterschaft 2026 soll der nächste Schritt folgen. Der Traum von der Deutschen Meisterschaft lebt. Und nach diesem Wochenende ist er ein gutes Stück greifbarer geworden. +++

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