Die Poolbillardabteilung der SG Johannesberg hat auf internationaler Bühne ein bemerkenswertes Wochenende erlebt. Mit Juri Pisklov, Tobias Bongers, Daniel Macioł, Yuma Dörner und Pius Baier waren gleich fünf Spieler der SGJ bei der Predator Euro Tour am Start. Vier Spieler aus dem Johannesberger Bundesligakader erreichten die K.-o.-Runde der besten 32, Daniel Macioł spielte sich bis ins Achtelfinale und Juri Pisklov gelang der Einzug ins Finale. Erst dort endete der Lauf des in Bad Wildungen lebenden Bundesligaspielers. Gegen den polnischen Spitzenspieler Mateusz Śniegocki musste sich Pisklov nach einem lange offenen Endspiel mit 6:9 geschlagen geben.
Für die SG Johannesberg ist der zweite Platz dennoch ein bemerkenswertes Ergebnis und wenige Wochen vor dem Start der neuen Bundesligasaison ein Beleg für die Qualität des Kaders. Pisklov hatte dabei keinen geradlinigen Weg bis ins Finale. Nach einem 7:3 gegen Nowak musste er zunächst eine Niederlage hinnehmen und auf die Verliererseite wechseln. Dort setzte er sich mit 7:5 gegen Dincer durch und sicherte sich damit seinen Platz in der Finalrunde. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich das Turnier für den Johannesberger zu einem Lauf, der ihn bis ins Endspiel führen sollte.
In der Runde der letzten 32 traf Pisklov auf Szewczyk und setzte sich mit 9:5 durch. Im Achtelfinale folgte ein 9:6 gegen Benko, ehe er auch im Viertelfinale seine Linie hielt und Hryb mit 9:4 bezwang. Damit stand der SGJ-Spieler unter den besten vier Teilnehmern des Turniers.
Im Halbfinale kam es zu einem Duell, das auch aus deutscher Sicht besondere Aufmerksamkeit verdient hatte. Pisklov traf auf Stefan Kasper, der in der Bundesliga für den BC Brotdorf spielt und damit für einen der sportlichen Rivalen der SG Johannesberg antritt. Das internationale Halbfinale bekam dadurch zugleich eine bundesdeutsche beziehungsweise bundesliga-interne Note. Zunächst sah Kasper wie der stärkere Spieler aus. Pisklov lag mit 3:5 zurück, als sein Gegner ein kurzes Timeout nahm. Danach veränderte sich die Partie grundlegend. Pisklov fand zunehmend zu seinem Rhythmus, während Kasper nach der Unterbrechung nicht mehr richtig ins Spiel zurückfand. Sechs Spiele in Folge gingen an den Johannesberger. Aus dem 3:5 wurde ein 9:5, der Einzug ins Finale war damit perfekt.
Die Schlussphase des Halbfinals bot zudem einen ungewöhnlichen Moment zwischen zwei Spielern, die sich trotz ihrer sportlichen Rivalität offensichtlich gut verstehen. Als Pisklov zu einem vermeintlich entscheidenden Stoß ansetzte, stand Kasper bereits auf und „störte“ seinen Gegner augenzwinkernd. Tatsächlich fand die Kugel anschließend nicht den Weg in die Tasche. Der kurze Zwischenfall blieb jedoch ein freundschaftlicher Spaß. Wenig später war die Partie tatsächlich entschieden und Kasper gratulierte Pisklov fair zu dessen starkem Auftritt. Auf dem Tisch waren beide Konkurrenten, danach Sportsmänner.
Im Finale wartete mit Mateusz Śniegocki schließlich ein polnischer Spitzenspieler. Pisklov begann auch dieses Match konzentriert und erwischte zunächst den besseren Start. Der Johannesberger bestimmte die Anfangsphase und profitierte dabei auch davon, dass Śniegocki bei seinem Break mehrfach nicht das notwendige Glück hatte. Pisklov nutzte seine Möglichkeiten und schien das Endspiel zunächst gut kontrollieren zu können.
Der entscheidende Wendepunkt kam im 13. Spiel. Pisklov hatte sich leicht verstellt, fand dennoch eine Lösung und lochte die entscheidende Kugel. Unmittelbar danach fiel jedoch auch die Weiße unglücklich in eine Tasche. Der Scratch kam in einem denkbar ungünstigen Moment und veränderte das Kräfteverhältnis des Endspiels. Śniegocki übernahm die Führung und gab sie anschließend nicht mehr aus der Hand. Pisklov kämpfte weiter, konnte die Partie aber nicht mehr drehen. Mit 9:6 ging das Finale schließlich an Mateusz Śniegocki. Für Pisklov blieb damit der zweite Platz nach einem Turnier, in dem er sich durch ein stark besetztes internationales Feld bis ins Endspiel gespielt hatte.
Auch die weiteren Johannesberger Teilnehmer sorgten für starke Ergebnisse. Tobias Bongers startete nach einem Freilos mit einem 7:3-Erfolg gegen Terzić in das Turnier. Anschließend gewann er 7:5 gegen Montpellier und qualifizierte sich mit einem deutlichen 7:2 gegen Źalman für die K.-o.-Runde. Dort traf Bongers in der Runde der letzten 32 auf Stefan Kasper und musste sich mit 5:9 geschlagen geben. Damit beendete er das Turnier unter den besten 32.
Auch Yuma Dörner schaffte den Sprung in die Finalrunde über die Gewinnerseite. Nach einem Freilos gewann er 7:5 gegen Gjurchinovski und anschließend 7:4 gegen Zhong. Im entscheidenden Match um den direkten Einzug in die letzten 32 setzte sich Dörner mit 7:4 gegen Menn durch. In der K.-o.-Runde wartete Gnadeberg. Dörner unterlag mit 2:9 und gehörte damit ebenfalls zu den besten 32 des Turniers.
Noch einen Schritt weiter kam Daniel Macioł. Der polnische Spitzenspieler, der bereits in der vergangenen Saison für die SG Johannesberg spielte und mit der Mannschaft Deutscher Vizemeister wurde, begann ebenfalls mit einem Freilos. Es folgten ein 7:3 gegen Messager und ein deutliches 7:1 gegen Corrieri. Im entscheidenden Match um den Einzug in die Finalrunde traf Macioł auf Stefan Kasper und setzte sich überzeugend mit 7:2 durch.
Unter den letzten 32 gewann Macioł anschließend 9:4 gegen Kostić. Im Achtelfinale entwickelte sich gegen Kaplan ein enges Duell, das erst beim Stand von Hill-Hill entschieden wurde. Macioł musste sich denkbar knapp mit 8:9 geschlagen geben und verpasste damit um ein einziges Spiel den Einzug ins Viertelfinale.
Eine besondere Bedeutung hatte aus Johannesberger Sicht der Auftritt von Pius Baier. Während Bongers, Dörner, Macioł und Pisklov zum hochkarätig besetzten Bundesligakader der SGJ gehören, steht Baier für die Nachwuchsarbeit des Vereins. Der junge Johannesberger zeigte, dass er sich auf der internationalen Bühne nicht verstecken muss. Baier startete mit einem knappen 7:6 gegen Habo in das Turnier und ließ anschließend ein deutliches 7:1 gegen Bulas folgen. Auch gegen Laszkowski behielt er in einem engen Match die Nerven und gewann erneut mit 7:6.
Damit war die Finalrunde für den Nachwuchsspieler in Reichweite. Gegen Moroz musste Baier anschließend seine erste Niederlage hinnehmen. Mit 4:7 ging es für ihn auf die Verliererseite, wo sich ihm noch einmal die Möglichkeit bot, den Sprung unter die besten 32 zu schaffen. Erst dort endete sein Turnierlauf mit einem 1:7 gegen Exposito. Der Einzug in die Finalrunde blieb damit aus, doch drei gewonnene Partien bei einem international besetzten Euro-Tour-Turnier sind aus Sicht der SG Johannesberg ein bemerkenswertes Ergebnis für den Nachwuchsspieler.
Für Alexander Peer, Abteilungsleiter der SG Johannesberg, hat der Erfolg von Juri Pisklov auch wegen der gemeinsamen Geschichte eine besondere Bedeutung. „Juri ist seit vielen Jahren eine wichtige Säule unserer Mannschaft. Als wir 2019 den Schritt in Richtung 2. Bundesliga gemacht haben, war er unsere erste große Verstärkung. Er hat unseren gesamten Weg von dort bis an die Spitze der 1. Bundesliga mitgemacht und ist aus unserem Team heute nicht mehr wegzudenken“, sagte Peer.
Entsprechend groß war die Freude in Johannesberg über den Finaleinzug. „Was Juri bei diesem Turnier gezeigt hat, freut mich ganz besonders. Wir kennen seine Qualität und wissen, wozu er in der Lage ist. Natürlich hätten wir ihm nach diesem Turnier auch noch den Titel gegönnt. Aber ein zweiter Platz auf dieser Bühne ist eine herausragende Leistung, auf die er sehr stolz sein kann – und wir als Verein sind es ebenfalls.“
Die Bedeutung des Wochenendes erschöpft sich für die SG Johannesberg jedoch nicht im Finaleinzug von Pisklov. Mit Tobias Bongers, Yuma Dörner, Daniel Macioł und Juri Pisklov standen vier Spieler des neuen SGJ-Bundesligakaders gleichzeitig unter den besten 32. Macioł erreichte das Achtelfinale, Pisklov schließlich das Finale. Hinzu kam mit Pius Baier ein Spieler aus dem Johannesberger Nachwuchs, der drei Partien gewann und nur knapp den Sprung in dieselbe Finalrunde verpasste.
Für einen Verein, der nach der Deutschen Vizemeisterschaft 2026 in der kommenden Saison den nächsten Schritt machen und um die Deutsche Meisterschaft spielen möchte, ist dieses Ergebnis eine aussagekräftige Standortbestimmung. Es zeigt die Breite des Kaders, ohne die Entwicklung des Nachwuchses aus dem Blick zu verlieren. Gerade der Auftritt von Pius Baier verweist darauf, dass in Johannesberg nicht ausschließlich auf etablierte internationale Spitzenspieler gesetzt wird. Mit der SGJ Academy und einer konsequenten Nachwuchsarbeit soll auch die nächste Generation Schritt für Schritt an den höherklassigen Billardsport herangeführt werden.
Fünf Spieler der SG Johannesberg waren bei der Euro Tour am Start, vier Bundesligaspieler erreichten die besten 32, Daniel Macioł kam ins Achtelfinale und Juri Pisklov wurde erst im Finale gestoppt. Dazu gewann Nachwuchsspieler Pius Baier drei Partien und stand unmittelbar vor dem Einzug in die Finalrunde. Für die SG Johannesberg ist das mehr als eine Momentaufnahme. Wenige Wochen vor dem Beginn der neuen Bundesligasaison liefert das internationale Turnier ein deutliches Signal über die sportliche Ausgangslage – und zugleich die offene Frage, ob sich diese Form auch über eine lange Bundesligasaison hinweg behaupten lässt. +++

Hinterlasse jetzt einen Kommentar