Jeder Fußballer weiß, wie müßig und bisweilen schwierig es ist, das erste Spiel nach der Winterpause zu gewinnen. Der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz erging es am Samstagnachmittag nicht anders, als sie dem TSV Schott Mainz, Schlusslicht der Regionalliga Südwest, mit 0:2 unterlag. Die Aussicht der SGB, die Klasse zu halten, sind noch immer intakt – Lehren aus dem ersten Heimauftritt des Jahres sollte sie aber schon ziehen.
Am Anfang steht immer das Positive, und auch im Fall der SGB ist das so. Von der ersten Sekunde an – und etwa eine halbe Stunde lang – bot sie eifrigen und nach vorn gerichteten Fußball. Fast jeder der annähernd tausend Zuschauer dachte, die Führung muss doch bald fallen. Chancen für Schmitt und Dittmann (6.), Pourié (12. 24., 28.) sprangen heraus – und Trainer Daniyel Cimen lobte anschließend: „Für die Platzverhältnisse und die Vorbereitung sind wir sehr gut ins Spiel gekommen und hatten eine Reihe guter bis sehr guter Möglichkeiten. Es fehlte in der Chancenverwertung, auch der Torwart des Gegners war sehr gut.“ Letzteres stimmte, der Keeper ist Robin Julian Balters. „Diese positiven Dinge müssen wir mitnehmen“, ergänzte Cimen. Auch Gästecoach Thomas Schwarz meinte: „Wir mussten die Druckphase des Gegners überstehen. Da hätte es durchaus 2:0 oder 3:0 für Fulda stehen können.“
Doch: Hand aufs Herz, SGB. So richtig klare Möglichkeiten waren nicht darunter – zwei sind vor allem zu nennen, aus denen ein Tor hätte fallen können. Etwa die nach fünf Minuten, als Sebastian Schmitt, der für viele offensive Impulse in der starken Phase des Gastgebers sorgte und offensive Räume auf seiner linken Seite besetzte, sich zu einem beherzten Schuss vom Sechzehner entschloss, Keeper Balters den Torwart-Ball abwehrte – und Moritz Dittmann Pech im Abschluss hatte, aber auch nicht sonderlich entschlossen wirkte. Oder nach 23 Minuten, als Hans Nuno Sarpei, der an diesem Tag kaum präsent war, Marvin Pourié auf die Reise schickte, der in halblinker Position gefühlt durch war – doch der Weg war noch weit und kräftezehrend bei diesem Boden, zudem spielte Balters gut mit. Weitere Möglichkeiten sollen nicht unterschlagen werden: Als etwa nach Schmitts Freistoß auf den zweiten Pfosten Ivankovic per Kopf zurücklegte, Pourié sich löste und reinspritzte, sein Ball aber übers Tor ging (12.) – oder als Balters Pouriés Kopfball über die Latte lenkte (28.). Nicht zu vergessen: Tim Korzuschek musste, nachdem er auf die Schulter gefallen war, früh raus.
Da aber die SGB ihre Chancen nicht zu nutzen vermochte, ging der Kontrahent noch vor der Pause in Führung. Keanu Kraft unterlief ein zu kurz geratener Rückpass auf seinen Torhüter Zapico – El Mahoui spritzte dazwischen, kurvte an „Zapi“ vorbei und traf. Natürlich war Krafts Verhalten folgenschwer – doch sie bewies auch, welche Optionen der SGB-Rechtsverteidiger, von einem Gegner unter Druck gesetzt, mit dem Rücken zum Tor hatte. Wenige Minuten danach hätte der Gast gar das 2:0 machen können, aber das vertikale Zuspiel kam nicht an.
Zur Pause mochte man zwar sagen, dass die SGB in ihrer Chancenverwertung unglücklich war – gepaart allerdings mit einigen fußballerischen Defiziten. Das Auftreten als Mannschaft passte nicht, ebenso das Besetzen der offensiven und defensiven Halbpositionen oder Halbräumen. Zudem fehlte die rechte Abstimmung im Mittelfeld, verbunden mit der Frage: In welchen Räumen bewegten sich Sarpei, Ivankovic und Pomnitz eigentlich? Der Vortrag war eifrig und vor allem von individuellen Aktionen geprägt – ihm fehlte aber die Struktur. Schott Mainz hingegen führte vielleicht glücklich – aber keinesfalls unverdient. Die Mannschaft war besser: Wacher, arbeitete als Team zusammen, stand defensiv gut und half sich vor allem unentwegt.
Was die SGB im zweiten Abschnitt besser machen musste, das tat sie eine Viertelstunde lang auch: schneller spielen, einfacher spielen, zweite Bälle gewinnen, offensive Räume besetzen. Daraus resultierten erneut Möglichkeiten: Krafts Flachschuss wurde im letzten Moment tornah abgewehrt (49.), Habermehls Hinterkopfball ging nach Schmitts Ecke knapp am langen Pfosten vorbei (51.) – und Schmitts gewaltiger Schuss von der anderen Seite ebenso (61.).
Das aber war‘s mit dem beherzten Vorgehen. Wenig später fiel das entscheidende 2:0 für Schott Mainz: nach einem Freistoß aus dem Halbfeld im zentralen Bereich durfte Luis Hesse köpfen – und auch nachsetzen, aus kurzer Distanz und schwer zu halten für „Zapi“, der den den ersten Ball als Aufsetzer noch abwehrte. Doch war bei der SGB jemand bereit, an den ersten Ball zu kommen? „Die Gegentore dürfen so nicht fallen. Nicht so einfach. Das zweite Gegentor hat mit der Mannschaft auf jeden Fall was gemacht“, resultierte Cimen, „das müssen wir besser machen. Und stabil bleiben“. Dem Sieger attestierte er, „total viel Leidenschaft an den Tag gelegt zu haben und verdient gewonnen zu haben“. Auch ein Zeichen von Größe.
Danach aber – immerhin waren noch gut 20 Minuten zu spielen – folgte so gut wie nichts mehr bei der SGB. Vieles war Stückwerk. Schott Mainz verteidigte seinen Vorsprung heim. Auffallend die gute Leistung des Spielführers Jost Mairose, der Präsenz zeigte, jederzeit gut und nah in den Situationen war und strategische Fähigkeiten bewies. Sein Team befindet sich unterdessen auf einem ansprechenden Weg – und gab vorerst die Rote Laterne vorerst ab. „Wir wollen Stück für Stück da unten rausklettern. Punkt für Punkt. Und sehen, wozu es am Ende reicht“, meinte Schwarz. „Glücklich, aber nicht unverdient“ habe sein Team gewonnen, leidenschaftlich sei es aufgetreten und habe es verteidigt. Der Ausgang des Spiels sei ein Mutmacher gewesen. Im vergangenen Jahr habe man das eine oder andere Mal gute Spiele abgeliefert – aber verloren. Jetzt habe man sich eher auf die Basics konzentriert und die Null erst einmal zu halten. „Wir wären auch mit einem Punkt zufrieden gewesen. Aber jetzt sind es drei.“
Und die SGB? Chancenverwertung fällt nicht vom Himmel. Doch arbeiten sollte man an ihr. Wie am konstanten Leistungsbild und Auftreten der Mannschaft auch. Es bleiben einige Tage bis zur Aufgabe am Samstag beim Bahlinger SC. Um das zweite Spiel nach der Winterpause zu nutzen für den Erhalt der Klasse.
SG Barockstadt: Zapico – Kraft (75. Iljazi), Habermehl, Frey, Schmitt (60. Siebert) – Ivankovic, Sarpei (60. Göbel), Pomnitz – Dittmann (75. Reinhard), Korzuschek (17. Hillmann) – Pourié
TSV Schott Mainz: Balters. – Robotta, Gans, Ahlbach, Gansmann (63.Portmann), Okitasombo, El Mahaoui (81. Sean Horozovic), Mairose (90.+5 Silas Schwarz), Oelsner (63. Roden), Wiegand (46. Kern), Hesse
Schiedsrichter: Tobias Huthmacher
Tore: 0:1 Abdellatif El Mahaoui (38.), 0:2 Luis Hesse (68.)
Zuschauer: 970 +++rl

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