SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Patrick Schaaf ist stolz auf das Erreichte, die Visitenkarte in Offenbach – und er blickt voraus

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Patrick Schaaf. Foto: privat

Die Fußballer der SG Barockstadt hatten einiges zu feiern in der jüngeren und nahen Vergangenheit – auch noch in der Gegenwart. Nach der ein Stück weit unglücklichen 1:2-Niederlage im Finale des Hessenpokals auf dem Bieberer Berg in Offenbach gegen den Drittligisten Wehen Wiesbaden ergriffen sie die prompte Chance und flogen am Sonntagmorgen auf der Deutschen Lieblingsinsel Mallorca. Nicht zum Kicken. Eher zum Feiern. Mehr noch: Am Dienstag feierte Kapitän Leon Pomnitz Geburtstag, am Donnerstag Tobi Göbel. Feine und wohlverdiente Notizen nach einer anstrengenden und kräftezehrenden – aber positiv verlaufenen Saison.

Die beendete die SGB auf Platz zehn der Regionalliga Südwest. Zweitbeste Mannschaft der Rückrunde war sie, die gewonnene Stabilität und Festigkeit des Teams waren erfreulich und unübersehbar. Mit äußerst beachtlichen 49 Punkten aus 34 Spielen, mit ebenso bemerkenswerten 51 geschossenen Tore und 44 erhaltenen. Auch die Teilbilanzen stimmen, wobei vor allem die äußert positiv zu bewertende Anzahl an Gegentoren Hoffnung macht.

Da ist auch die größte Qualität nicht weit: das Spiel gegen den Ball. Fußball ist ja ein Mannschaftsspiel – dennoch, und das ist kein Widerspruch, galt und gilt nach wie vor Hans Nunoo Sarpei als der Schlüssel dieses Momentums. Sarpei verteidigte das defensive Zentrum, so gut er konnte, ließ sich bisweilen zwischen die Innenverteidiger Habermehl und Frey fallen – und raubte dem Gegner durch sein intuitives Gespür mit seinem Trumpf, dem Zweikampfverhalten, den Nerv. Sei es auch in der eigenen Box. Er trat manch knifflige Spielsituation aus und war stets zur Stelle. Er war da. Einfach da. Wie ein Polizist, der den Verkehr regelt. In allen anderen Bereichen des Defensivverhaltens ist Luft nach oben. So müssten die Außenverteidiger konsequenter die innere Linie zumachen. Links klappte das zuletzt besser.

Kommen wir kurz auf das abschließende Pflichtspiel zu sprechen – das Finale im Hessenpokal. Was hängenblieb? „Ein besonderes Highlight-Spiel“ für uns“, meint auch Tage danach noch Patrick Schaaf. Es sei sowohl von der Stadt als auch der Region klasse angenommen worden, bestätigt der Sportliche Leiter. „Auch die Unterstützung durch die Fans war phänomenal. Hut ab“, freute sich und anerkannte Schaaf gleichermaßen. Dieser Fan-Support, wie er ja neudeutsch allenthalben heißt, war der vielleicht größte Gewinner. Es scheint, als habe die SGB neue Freunde gewonnen.

Der sportliche Aspekt? „Wir waren nahe dran, in Phasen auch die bessere Mannschaft. Die abgezocktere Mannschaft aber hat gewonnen.“ Andererseits: Fußball ist nun mal ein Fehler-Vermeidungsspiel – ebenso wie es gilt, die des Gegners auszunutzen. Auch wenn es einfältig klingt: Je höher man spielt, desto eher und nachhaltiger werden Fehler bestraft. Oder Mannschaften da gekitzelt und bedrängt, wo es ihnen weh tut. Beide Tore, die Wehen erzielte, entstanden auf diese Weise. Punktgenau trifft Schaaf in anderer Hinsicht. „Die Erkenntnis ist: Wir haben in der Rückrunde einen großen Schritt nach vorn gemacht und diese Entwicklung in Offenbach bestätigt.“

Auch diese Einschätzung greift und bringt die Situation auf den Punkt. „Die Hinrunde war nicht gut, die Rückrunde sehr gut.“ Von den Ergebnissen her sei der erste Teil der Saison eher schlecht gewesen – „da haben ein paar Puzzle-Punkte gefehlt. Das lag an verschiedenen Ursachen.“ Die folgende positive Entwicklung benennt er so: „Dass und das so gut gelingt, konnte man nicht voraussehen.“ Auch dafür habe es viele verschiedene Faktoren gegeben, „das Potenzial hat sich durchgesetzt“. Die Mannschaft wirkte, auch durch die Erfolge, befreiter. Spieler steigerten sich. Roko Ivankovic oder später Leon Pomnitz, Konstanz kehrte ein ins Leistungsbild. Im Spiel mit Ball lösten sich einige Fesseln. Richtig gut war es noch nicht.

Fußballer sind – zumindest in höheren Ligen – dafür bekannt, dass, sobald die alte Serie beendet ist, anderntags die neue beginnt. „Die Spieler gehen jetzt in die wohlverdiente Pause. Bei mir geht es erst so richtig los“, sagt Schaaf. Auch er weiß, dass sich in der Ausrichtung der SGB einiges tun muss. Ob sie nun ihr Ich oder auch ihr Gesicht nach vier Regionalliga-Jahren ändern oder sich teilweise neu erfinden oder sich diesbezüglich ergänzen muss, sie dahingestellt. Fakt ist, dass sie an ihrem Kader zurren muss. Bewegung in den hineinzubringen, das wäre nicht schlecht.

„Ein Großteil der Spieler, die in Offenbach auf dem Platz standen, bleibt ja an Bord“, skizziert der Sportliche Leiter. „Außer Samuel Zapico.“ Schaaf schiebt aber in Windeseile nach. „Wir sind gut gewappnet in unserer Struktur. Die Grundstruktur der Mannschaft passt und steht.“ Klar ist: „Wir brauchen einen neuen Torwart. Wir sind in Gesprächen. Genauso brauchen wir einen Ersatz für Tim Korzuschek. Das sind die beiden Hauptfelder, die es zu bestücken gilt. Das ist aktuell das Haupt-Ziel. Die Haupt-Themen. Alles andere ergibt sich.“

Vielleicht auch einen Ersatz oder eine Ergänzung für den abwandernden Nicola Arcanjo-Köhler. Auch der hatte – wie Pomnitz, Schmitt oder der oft rochierende Dittmann, „Korzus“ Ausfall aufgefangen. Eines sollte der SGB klar und bewusst sein: So gut weiterlaufen wie in der Rückrunde wird das in der neuen Saison nicht so ohne Weiteres. Aber das weiß sie ja. +++ rl


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