Schwenk: “Wella ein Teil von Hünfeld”

Klotzsche: Alternativen prüfen

Hünfeld. Wie der Besitzer des ehemaligen Wella-Werkes in Hünfeld im Landkreis Fulda am Dienstag bekannt gegeben hatte, wird das Werk Ende 2018 schließen. Für das Werk würde es langfristig keine nachhaltige Perspektive mehr geben. 380 Arbeitsplätze sind von den Plänen betroffen. Für den Bürgermeister der Stadt Hünfeld Stefan Schwenk (CDU) ist Hünfeld ohne Wella kaum vorstellbar.

Neben dem Verlust der Arbeitsplätze, geht es aber auch um die Einbuße der Gewerbesteuer. Weiter seien auch Zulieferfirmen von der Entscheidung betroffen. Wie Schwenk gegenüber fuldainfo sagte, habe damit wohl niemand gerechnet. Für Schwenk ist die Entscheidung nicht wirklich nachvollziehbar. Stefan Schwenk, Bürgermeister der Stadt Hünfeld: “Von Coty gab es einzig und allein den Hinweis, dass sich der Standort Hünfeld laut einer Studie, betriebswirtschaftlich gesehen nicht trage.” Allerdings kennt Schwenk, wie er bekundet, diese nicht. Er werde aber das Gespräch mit der Unternehmensleitung suchen. Auch hat das Hünfelder Stadtoberhaupt, um eventuell von höchster Konzernebene Informationen zu erhalten und korrelierend dessen zu erfahren, wie es zu dieser Entscheidung überhaupt gekommen ist, einen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier geschrieben. Schwenk selbst hat die Hoffnung, den Standort in Hünfeld beizubehalten, noch nicht aufgegeben; allerdings müsse man auch damit rechnen, dass Hünfeld zukünftig nicht mehr als Standort des Parfum- und Kosmetikkonzerns Coty fungiere. “Sollte das Werk tatsächlich Ende 2018 schließen, so muss man leider sagen, dass Hünfeld ohne Wella, ein Stück seiner Geschichte beraubt wird”, so Bürgermeister Stefan Schwenk abschließend zu unserem Medium.

Klotzsche: Alternativen prüfen

Im Zusammenhang mit Plänen erklärte, Mario Klotzsche, Kreisvorsitzender der FDP: „Die ankündigte Schließung ist ein schwerer Schlag für die gesamte Region und insbesondere den Altkreis Hünfeld. Wella in Hünfeld war eine Marke, Stolz der gesamten Region und nach dem Krieg einige Jahre sogar Stammsitz des Unternehmens. Jeder einzelne der 380 Beschäftigten wird sich jetzt fragen, wie es weitergeht. Für mich stellt sich die Frage, ob der neue Werksbesitzer, das amerikanische Unternehmen Coty, wirklich alle Alternativen zu einer Schließung geprüft hat und beispielweise auch der Verkauf des Werkes möglich wäre. Wir haben am Standort Hünfeld hochqualifizierte, erfahrene Mitarbeiter, die in der Vergangenheit immer wieder gezeigt haben, dass sie auch international voll mithalten können. Nur weil der neue Besitzer nicht in Hünfeld produzieren will, heißt das nicht, dass kein anderes Unternehmen daran Interesse haben könnte. Diese Option sollte unbedingt geprüft werden, denn dann wäre auch zukünftig eine Produktion in Hünfeld möglich.“ Klotzsche weiter: „Leider ist die Nachricht von der geplanten Standortschließung in Hünfeld nicht die einzige Hiobsbotschaft für den Industriestandort Hessen und Osthessen. Wenn ich an Opel denke, die auch unter der Anti-Diesel-Kampagne der Grünen und den CO-2-Vorschriften leiden, wenn ich an K+S denke, wo tausende Mitarbeiter in Kurzarbeit mussten, weil die Landesregierung zu strenge Umweltauflagen macht oder wenn ich den geplanten Arbeitsplatzabbau bei Sanofi im Industriepark Hoechst sehe: Es stellt sich immer mehr die Frage, ob wir noch wettbewerbsfähig sind und den Ökoideen einiger Leute nicht zunehmend auch Arbeitsplätze geopfert werden.“ „Wir wollen als Freie Demokraten alles dafür tun, dass die Region Fulda ein starker Industrie- und Produktionsstandort bleibt. Deshalb brauchen wir auch deutlich mehr Einsatz für die Wirtschaftsförderung in der Region. Statt das Gründer- und IT-Zentrum in Fulda zu schließen, wollten wir ein neues Gründerzentrum, nicht nur für Fulda, sondern für die gesamte Region. Damit wollen wir etablierte mittelständische Unternehmen und junge Leute unterstützen, damit unsere Unternehmen auch in der digitalen Zukunft voll wettbewerbsfähig sind. Sich nur zurückzulehnen und hoffen, dass alles von alleine schon gut läuft, ist jedenfalls zu wenig. Wir müssen unsere Unternehmen in der Region dabei unterstützen ihre Schlagkraft zu erhalten und die Digitalisierung mit Industrie 4.0 ist eine der großen Herausforderungen auf diesem Weg.“

JU Hünfeld: „Coty sollte einen sauberen Abschluss vollziehen“

„Nachdem ich diese Nachricht Dienstagabend gelesen hatte, musste ich erst einmal in den Kalender schauen, ob heute nicht doch schon der 1. April ist“, so Benedikt Stock, erster Vorsitzender der Jungen Union Hünfeld, auf die plötzliche Nachricht, dass Coty seine Produktion in Hünfeld zum Jahresende 2018 auslaufen lässt. Nicht nachvollziehbar ist für Stock, dass Coty das Werk erst zum 01.10. übernommen hatte und zum damaligen Zeitpunkt keine Anzeichen erkennen lassen hat, das Aus des Werkes nur ein halbes Jahr später zu verkünden. „Auch wenn solche unangenehmen Entscheidungen von großen Unternehmen durchaus vorkommen“, führt Stock aus, „lässt der kurze Zeitraum, der zwischen Übernahme und Schließungserklärung lag, ein paar Fragen offen, beispielsweise in wieweit diese Entscheidung beim Kaufprozess der Wella-Sparte durch Coty mit einkalkuliert war.“ An der Sache seien die Leidtragenden in erster Linie die Menschen, die dort tätig sind, teilweise schon über Jahrzehnte, weshalb die Junge Union Coty dazu auffordert, bei den Beratungen mit den Arbeitnehmervertretern für die Belegschaft faire Lösungen zu finden, die es den Mitarbeitern ermöglicht, in eine gesicherte Zukunft zu gehen. Ziel müsse aber bleiben, den Standort, entgegen der Ankündigung, wenn möglich doch noch zu erhalten. Mit dieser Intention hat sich auch bereits Bürgermeister Schwenk an den Hessischen Ministerpräsidenten gewandt. Auch sollte nach Meinung der Jungen Union Hünfeld, wenn eine Schließung unausweichlich werden sollte, alles dafür getan werden, die dortige Infrastruktur nicht verkommen zu lassen, sondern ein geeignetes Nachnutzungskonzept zu erarbeiten, welches für die Stadt, die Bürger und die Umwelt verträglich ist. „Die genannten Punkte sollten von allen Beteiligten umgesetzt werden, damit das Unternehmen seiner Verantwortung als einer der größten Arbeitgeber in der Haunestadt gerecht wird, um dann gegebenenfalls einen sauberen Abschluss zu vollziehen. Gleichzeitig begrüßen wir es, dass unser Landtagsabgeordneter Dr. Walter Arnold die Angelegenheit direkt zur Chefsache erklärt und angekündigt hat, sich mit Ministerpräsident Volker Bouffier um Lösungen zu kümmern“, ergänzt Erik Schäckermann, stellvertretender Vorsitzender der JU.

Walter Arnold (CDU) erklärte gegenüber fdi: “380 Arbeitsplätze sind für unsere Region eine sehr große Zahl. Es gibt Möglichkeiten, um Unternehmen in einem strukturschwachen  Raum wie Osthessen durch Förderprogramme von EU, Bund und oder Land zu unterstützen. Ich hoffe es gibt hier Ansatzpunkte über die man zunächst erst mal mit der Geschäftsleitung  von Coty sprechen muss. Ich hoffe wir haben Erfolg.” +++

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4 Kommentare

  1. Hier kann ich nur jedem raten, mal die zahlreichen guten Beiträge im Internet über Trigema und Wolfgang Grupp aufmerksam zu studieren.

    Denn was bei vielen Firmenpleiten leider oft unter den Teppich gekehrt wird ist die Unfähigkeit vieler Manager, eine Firma auch wirklich zu leiten und wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Grund dafür ist einfach die Inkompetenz vieler leitender Manager, die zwar meinen, zu wissen, wie man eine Firma leitet, aber in Wahrheit oft keine Ahnung haben oder zu Narzissmus bzw. Cholerikertum neigen. Fatal hinzu kommt die völlige Verantwortungslosigkeit, wenn die Manager nur Teil eines grossen Konzerns sind und in keinster Weise für ihr Missmanagement zur Verantwortung gezogen werden können.

    Genau das hat Grupp, der nach wie vor für sein Unternehmen persönlich haftet und dieses erfolgreich aus einer Krise geführt hat immer wieder betont: Manager müssen für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie Fehler machen.

    Und genau das ist auch im Fuldaer Land das Problem: unfähige Manager, die eine Firma ohne Rücksicht auf Verluste in die Pleite führen. Bei der ÜWAG wäre das ja i.d. Vergangenheit fast passiert. Einzig die Fusion mit der GWV und die vorzeitige Ablösung des leitenden Managers durch weitsichtige Aufsichtsräte hat damals Schlimmeres verhindert.

    Zurück zu Coty: Der Standort Hünfeld von Coty ist eben nur ein Anhängsel. Und daher interessiert man sich nirgendwo für den Weiterfortbestand des Unternehmens. Wella adé! Ebenso wie in Rüsselsheim: Opel adé!

  2. Hallo Herr Klotzsche, aufwachen!

    Der Arbeitsplatzabbau von Sanofi, die Probleme von Opel et al. mit dem Diesel und die K+S Versenkerlaubnisse stehen in keinerlei innerem Zusammenhang und sind vor allem nicht das Ergebnis einer hinterhältigen Öko-Mafia. Sanofi und alles, was damit zusammenhängt, ist Ergebnis eines der größten Fehler der deutschen Nachkriegs-Wirtschaftspolitik, eingeleitet unter der Regierung Koch I, also mit FDP-Beteiligung, nämlich der Übernahme von Hoechst durch die Franzosen. Sowas hätte schlicht verboten werden müssen; jetzt herumzujammern heißt für mich: “Heul´ doch, du Mädchen!!”
    Wer die Versenkungen von K+S verharmlost, ist für mich in der Politik heute schlicht nicht mehr tragbar. So etwas ist steinzeitlicher als das Salz, das man da fördert. Wenn man das lediglich im internationalen Vergleich der Vorschriften, aber nicht mit Bezug auf die extrem kleinräumliche Gliederung des Naturraums in Deutschland betrachtet, geht an der Wirklichkeit völlig vorbei. Genauso – mit Verlaub – hochbescheuert ist das Lamento bezüglich der Diesel-Problematik. Diese Technologie hat ausgedient und gehört auf den Schrott. Eine FDP wie die, die Ihnen, Herr Klotzsche, vorschwebt, also eine, die der Wirtschaft alles und insbesondere die Umwelt unterordnet, braucht kein Mensch und die wählt demgemäß heute auch niemand mehr. Sie haben den Schuß wohl nicht gehört und würden in ihrem regionalen Gründerzentrum vermutlich Unternehmen fördern, die Versenktechnologien für Abwässer, lustige Konzepte für Dieselmotoren und ähnlichen Quatsch austüfteln wollen. Da kann man ja nur froh sein, dass Ihnen auch in Zukunft nur die ganz kleine Bühne beschieden ist.
    Das einzige, was in ihrer Stellungnahme stimmt, ist die Idee mit dem Verkauf des Werkes. Ein verantwortungsbewußter Eigentümer hätte das schon im Eigeninteresse tun müssen, denn hierdurch erzielt er einen vernünftigen Erlös im Vergleich zur Schließung. Darüber kann man die Eigentümer auch greifen und zum Handeln motivieren, denn die Schließung dürfe im Angesicht der Möglichkeit eines Verkaufs auch für das Management rechtlich problematisch werden, da sie dem Unternehmen schaden. Es wäre also an der Zeit, dass die Politik mit den Eigentümern und deren Vertretern ins Gespräch kommt.

  3. Wenn ein politischer Hochkaräter wie H. Klotzsche in die Debatte um die Zukunft des Standortes Hünfeld eingreift, dann wird ja hoffentlich alles gut.
    Wobei, ein wenig ärgere ich mich schon, wenn mal wieder zum Rundumschlag gegen die Grünen ausgeholt wird, wie hier zum Thema „CO2-Vorschriften“ . Gerade gestern Abend kam es wieder durch die Nachrichten, dass die Bundesrepublik und die Bundesregierung durch den erhöhten CO2-Ausstoß im vergangenen Jahr Gefahr läuft, ihr selbstgestecktes Klimaziel für 2020 zu verfehlen. Pauschale Angriffe gegen die „Grünen“ findet man sonst eher am Stammtisch, es mag aber auch dem Niveau von H. Klotzsche entsprechen.
    Ärgerlicher finde ich indes seine Argumentation gegen die Umweltauflagen im Falle von K&S. Bedenken Sie, es gab und es gibt die Genehmigung salzhaltige Abwässer in den Erdboden zu pumpen und damit unser Trinkwasser in Gefahr zu bringen. Die K&S-Gemeinden Heringen und Gerstungen gehen gegen diese Schweinerei gerichtlich vor. Und H. Klotzsche? Er stellt die Ökonomie über unser aller Gesundheit.
    Etwas mehr Nachdenken bitte.
    Georg Schönberg

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