Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch hat sich in der Debatte um Jens Spahn und dessen Elternschaft durch eine Leihmutter in den USA demonstrativ hinter den CDU-Politiker gestellt. Auf der Plattform LinkedIn kritisierte Koch die Schärfe der öffentlichen Reaktionen und sprach von einem „Shitstorm“, der jedes Maß verliere. Zugleich machte er deutlich, dass die CDU eine politische Partei und keine Religionsgemeinschaft sei.
Nach Ansicht Kochs müsse es in einer Volkspartei möglich sein, in gesellschaftspolitischen Fragen unterschiedliche Überzeugungen zu vertreten oder die eigene Haltung im Laufe der Zeit zu verändern. Abweichende Positionen seien kein Grund, ein Parteimitglied öffentlich an den Pranger zu stellen. Mit seinen Äußerungen reagierte der frühere Ministerpräsident auf die anhaltende Diskussion über Spahns Familiengründung.
Ausgelöst worden war die Debatte durch die Bekanntgabe, dass Jens Spahn und sein Ehemann mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden sind. Da Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und die CDU bislang an dieser Haltung festhält, wurde Spahn von Kritikern vorgeworfen, privat einen Weg gewählt zu haben, den er politisch lange nicht unterstützt hatte.
Spahn erklärte daraufhin, dass sich seine persönliche Haltung im Laufe der Zeit verändert habe. Zugleich betonte er, demokratische Mehrheitsentscheidungen zu respektieren. Die anhaltende öffentliche Diskussion führte schließlich zu personellen Konsequenzen. Am Samstag trat Jens Spahn als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurück. Er begründete diesen Schritt damit, dass die Debatte ihn, seine Familie und die Ausübung seines Amtes zunehmend belastet habe. +++

So ist er, der Herr Koch: Wasser predigen und selbst Sekt trinken. Regeln scheinen oft nur für andere zu gelten. Während seiner Zeit als Ministerpräsident war seine Amtszeit von mehreren umstrittenen Vorgängen geprägt – von der Postkartenaffäre über die Debatte um das „jüdische Vermächtnis“ bis hin zum Verkauf von Landesimmobilien mit anschließender Rückmietung zu hohen Kosten, bei denen Instandhaltungen teilweise zulasten des Mieters gingen. Hinzu kamen der Ausstieg Hessens aus dem Tarifvertrag der Länder und weitere umstrittene Entscheidungen. Auch seine spätere Tätigkeit bei Bilfinger wurde von vielen kritisch bewertet. Dass ausgerechnet jemand mit dieser politischen und wirtschaftlichen Bilanz Ehrenvorsitzender ist, kann ich persönlich nicht nachvollziehen.