Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am frühen Dienstagmorgen 12.802 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das waren 7,6 Prozent oder 905 Fälle mehr als am Dienstagmorgen vor einer Woche, als 11.897 Neuinfektionen binnen eines Tages offiziell veröffentlicht worden waren. Insgesamt geht das Institut derzeit von rund 322.300 aktiven Corona-Fällen mit Nachweis aus, das sind etwa 4.800 weniger als vor einer Woche. Die Dunkelziffer ist unbekannt, nach Meinung unterschiedlicher Experten könnte sie doppelt oder bis zu sieben Mal so hoch sein. Außerdem meldete das RKI nun 891 Tote binnen 24 Stunden in Zusammenhang mit dem Virus. Innerhalb der letzten sieben Tage waren es 6.059 Todesfälle, entsprechend durchschnittlich 866 Todesfällen pro Tag. Am Vortag lag dieser Wert bei durchschnittlich 873 Corona-Toten innerhalb der letzten sieben Tage. Auf den Intensivstationen wurden unterdessen am frühen Dienstagmorgen 5.285 Covid-19-Patienten intensiv behandelt. Am Montagmittag waren es vier mehr.
Amtsärzte zweifeln an Lockdown-Ende ab Februar
Die deutschen Amtsärzte rechnen nicht damit, dass die harten Corona-Auflagen am 31. Januar aufgehoben werden können. "Ich bin mir sehr unsicher, ob wir Ende des Monats zu einem Ende des Lockdown kommen können", sagte die Vorsitzende des Berufsverbands der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Medizinerin betonte, die Zahlen sähen im Moment so aus, "als könnte es bis Ende Januar schwer werden, auf eine Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zu kommen". Es reiche zudem nicht, "wenn diese Marke nur einmal erreicht wird. Die Ansteckungszahlen müssen dauerhaft so niedrig bleiben". Teichert fuhr fort, wie sich die Lage in den kommenden drei Wochen entwickele, hänge stark vom weiteren Verhalten und der Geduld der Menschen ab, sich an die Auflagen zu halten. "Wir haben in der Pandemie die Erfahrung gemacht, dass auch das ein Problem sein kann", sagte Teiche rt. Fest stehe: "Lockerungen werden in jedem Fall nur schrittweise kommen können und nicht auf einen Schlag." Zusätzlich Sorge bereiten den Ärzten im öffentlichen Gesundheitswesen mutierte Varianten des Corona-Erregers, wie sie derzeit in Großbritannien und Irland grassieren. Wenn die hoch ansteckende Mutation nach Deutschland überspringe, könnte dies "die Infektionslage enorm verschärfen und die Gesundheitsämter wieder in Schwierigkeiten bringen", sagte Teichert. Aktuell sei die Situation in den Gesundheitsbehörden hingegen wieder etwas besser als vor einigen Wochen. "Seit der Schließung von Schulen und Kitas vor den Feiertagen hat sich die Lage zumindest für die Gesundheitsämter etwas entspannt, denn die Zahl der Kontakte hat sich dadurch verringert". Die Nachverfolgung von Kontakten sei dadurch wieder einfacher geworden.
Praxisärzte stellen "sehr viele Impfungen" in Aussicht
Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hat eine hohe Zahl an Impfungen innerhalb kurzer Zeit in Arztpraxen in Aussicht gestellt. "Wir werden in absehbarer Zeit mehrere Impfstoffe einsetzen können, die sich auch in Praxen verimpfen lassen", sagte Gassen der "Rheinischen Post" (Dienstag). Neben dem Impfstoff von Moderna gehöre dazu auch derjenige von Astrazeneca. "Entscheidend wird in beiden Fällen sein, dass es genügend Mengen geben wird." Sobald dies gewährleistet sei, könnten die niedergelassenen Kollegen "sehr viele Impfungen in den Praxen in kurzer Zeit durchführen", sagte Gassen.
Lauterbach für deutschen Alleingang bei Astrazeneca-Impfstoff
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat die Bedeutung des Impfstoffs von Astrazeneca für die deutsche Impfstrategie betont und notfalls die Prüfung eines Alleingangs bei der Zulassung gefordert. "Ich hoffe sehr, dass die EMA den Impfstoff von Astrazeneca sehr schnell zulassen wird. Jeder Tag zählt", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post" (Dienstag). "Sollte es Komplikationen im Antrag geben, plädiere ich für die Prüfung eines schnellen deutschen Alleingangs mit Notzulassung." Der Impfstoff weise zwar mit 70 Prozent eine etwas geringere Wirksamkeit auf als die Impfstoffe von Biontech und Moderna, "es ist aber beileibe kein Mangelprodukt und extrem wichtig, um möglichst schnell Herdenimmunität in Deutschland zu erreichen", sagte Lauterbach. "Ohne Astrazeneca könnten wir im ersten Halbjahr wohl nur wenig mehr als etwa 20 Millionen Menschen impfen. Das reicht nicht im Kampf gegen die starke zweite Welle und eine eventuell viel gefährlichere Mutation des Virus", so der SPD-Gesundheitsexperte. Ein Antrag auf EU-Zulassung des Impfstoffs wird in Kürze erwartet. +++

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