Quo Vadis – Dr. W?

Auch der Oberbürgermeisterposten steht zur Wahl

Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld

Am 14. März 2021 sind wieder Kommunalwahlwahlen in Hessen. Dann dürfen die Bürgerinnen und Bürger über die Zusammensetzung der Kommunalparlamente entscheiden (Anmerkung: Hoffentlich tun sie das auch in ausreichender Anzahl!). In der Stadt Fulda kommt noch was dazu: Auch der Oberbürgermeisterposten steht zur Wahl. Der Magistrat hat jetzt beschlossen, dass diese Direktwahl am Tag der Kommunalwahl stattfinden wird. Die Zustimmung des Stadtparlaments dürfte nur noch Formsache sein. Der Termin ist rational nachvollziehbar und sinnvoll. Aber natürlich steckt da auch ein politisches Kalkül dahinter. Zwar gibt es noch keine offizielle Aussage, aber man kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass der jetzige Amtsinhaber wieder antreten wird. Der CDU-Politiker Dr. Heiko Wingenfeld, ein jovialer, netter und umgänglicher Mensch, wird sich für sechs weitere Jahre als Oberbürgermeister zur Verfügung stellen. Und wer Fulda kennt, weiß, dass seine Chancen für eine Wiederwahl nicht schlecht sein dürften.

Für die CDU/CWE-Mehrheit kann das nur von Vorteil sein. Denn, man muss sich durchaus fragen, welche Antworten die beiden auf die entscheidende Frage haben, wie sich Fulda künftig entwickeln soll. Hier punkten eigentlich fast nur die Parteien der Opposition (was übrigens bei einer objektiveren Medienlandschaft in Fulda viel sichtbarer würde). Aber dazu mal mehr an anderer Stelle. Also bedarf es eines Stimmenmagneten wie den Oberbürgermeister. Der soll die Kohlen aus dem Feuer holen, sprich der Stimmenfänger für seine CDU sein. Die wechselseitige Abhängigkeit soll hier hilfreich sein. Die CDU braucht den OB, damit er von ihren Schwächen ablenken kann. Der OB braucht seine Partei für ein gutes Wahlergebnis. Aber wird er wirklich weitere sechs Jahre Oberbürgermeister von Fulda bleiben? Es gab ja schon Spekulationen eines Wochenblattes in Fulda. Allerdings dürften auch durchaus Zweifel angebracht sein. Warum? Dazu müssen wir einen Blick auf die Hessische Landespolitik werfen. Dort gibt es auf CDU-Seite zwei große Probleme.

Auch auf Landesebene hat die CDU wenig Auswahl an guten und charismatischen Kandidatinnen und Kandidaten für die Nachfolge von Bouffier. Das gilt auch für die Besetzung der Ministerposten. Da käme ein CDU-Oberbürgermeister mit einem guten Wahlergebnis gerade recht. Schließlich sind diese in Hessen eine aussterbende Art! Dann wäre noch das Problem der osthessischen CDU, denn die ist in der Landespolitik so gut wie gar nicht vertreten. Der Einfluss der beiden aktuellen CDU-Landtagsabgeordneten scheint im Vergleich zu ihren Vorgängern kaum vorhanden zu sein. Und osthessische Politiker an entscheidenden Stellen in der Landesverwaltung – leider auch Fehlanzeige. Mit diesem Blick spricht einiges dafür, dass Dr. Wingenfeld den Weg nach Wiesbaden möglicherweise einschlagen wird. Er ist neben seiner umgänglichen Art jung genug für den nächsten Karriereschritt. Stellt sich eigentlich nur die Frage, wann dieser Zeitpunkt sein soll. Mein Tipp: nach den beiden Großereignissen Hessentag und Landesgartenschau. Dr Heiko Wingenfeld sieht diesen Schritt nicht.

Was aber sollte der Wähler machen, der dieser Sache nicht ganz traut und will, dass Dr. Wingenfeld in Fulda bleibt? Der darf ihn eigentlich nicht wählen. Paradox oder? Aber nur scheinbar. Vorausgesetzt, dass Wahlverhalten darf nur für den ersten Wahlgang gelten. Im zweiten kann man dann getrost seine wahre Präferenz zeigen. Ein OB, der in seiner CDU-Hochburg in den zweiten Wahlgang muss, dürfte für die Hessische Landespolitik wenig interessant sein, logisch. Wählen hat halt viel mit Taktik zu tun! +++ nh/dieter herbst

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1 Kommentar

  1. Auf jeden Fall eine interessante These. Ich kann mir gut vorstellen, dass es so abläuft, Herr W. möchte dies natürlich nicht vor der Wahl diskutiert haben. Ich glaube aber, dass man in Fulda (Osthessen) so langsam aus dem Dornröschenschlaf aufwacht. Wenn auch nicht unbedingt die meisten Politiker dazugehören, zumindest gibt es aber immer mehr Menschen, die einen etwas kritischeren Blick haben. Sich die Medien einzuverleiben, reicht anscheinend auch in Osthessen nicht mehr. Und das ist gut so.

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