Özoguz nennt Söders Äußerungen verantwortungslos

Flüchtlingsunterkunft

Berlin. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), hat die Forderung des bayerischen Finanzministers Markus Söder (CSU) nach einer Begrenzung des Flüchtlingszuzugs wegen der Anschläge von Paris zurückgewiesen: „Wer das behauptet, handelt verantwortungslos“, sagte sie der „Berliner Zeitung“ (Dienstagsausgabe) mit Blick auf Aussagen Söders, der zwischen beidem einen Zusammenhang hergestellt hatte.

„Glaubt jemand ernsthaft, wir könnten solche Anschläge verhindern, indem wir keine Flüchtlinge mehr aufnehmen? Viele Flüchtlinge fliehen doch gerade vor dem Terror. Sie jetzt – wenn auch nur indirekt – mit Terroristen gleichzusetzen, ist brandgefährlich.“ Özoguz fügte hinzu: „Natürlich müssen wir Flüchtlinge registrieren und wissen, wer in unser Land kommt. Aber wir dürfen Flüchtlinge nicht pauschal unter einen Generalverdacht stellen. Damit täten wir genau das, was der IS will: Dass wir den Kopf verlieren und Flüchtlingen grundsätzlich misstrauen. Wir sollten das Kalkül des IS durchschauen und uns nicht auseinanderdividieren lassen.“ Für sie stelle sich daher „vor allem eine Frage: Wie konnte es so weit kommen, dass hier aufgewachsene Menschen die freie Gesellschaft so sehr hassen, dass sie zu solchen blindwütigen Mördern werden? Als Integrationsbeauftragte heißt das für mich, dass wir alles dafür tun müssen, dass wir nicht eine ganze Gruppe von Menschen, die bei uns leben, verlieren. Wer sich nicht dazu gehörig und ausgegrenzt fühlt, ist leichter für extremistische Positionen empfänglich. Das gilt auch für die Menschen, die jetzt neu zu uns kommen.“

Salafismus-Experte fordert mehr Präventionsstellen gegen IS-Terror

Nach den Attentaten von Paris sieht der Osnabrücker Salafismus-Experte Rauf Ceylan als größte terroristische Gefahr in Deutschland, dass „bislang so gut wie nichts“ über Jugendliche bekannt sei, die sich zu IS-Terroristen radikalisieren. „Das ist ein Armutszeugnis“, sagte der Wissenschaftler des Osnabrücker Islam-Instituts der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ und forderte mehr Präventionsstellen gegen den Terror des „Islamischen Staates“ (IS). Ceylan verwies darauf, dass sich mehrere Jugendliche aus Dinslaken dem IS anschlossen und nach Syrien reisten. „In der Stadt muss es ein Netzwerk geben“, konstatierte Ceylan. „Man muss dort, wo die Probleme am stärksten sind, Präventionsstellen aufbauen, die vernetzt sind mit Schulen, Gemeinden, Jugendeinrichtungen, Vereinen und Kirchen.“ Ein Radikalisierungsprozess beginne nicht von heute auf morgen. „Wenn sich jemand auffällig in seinem Aussehen oder seiner Rhetorik ändert, dann muss man sich an jemanden wenden können“, sagte der Religionssoziologe und betonte: „Lehrer oder Eltern können da oft sehr wenig mit anfangen.“ Ceylan arbeitet in Hannover und Braunschweig zusammen mit anderen Experten daran, erste Präventionsstellen aufzubauen. Ceylan kritisierte die französische Regierung für die mangelnde Präventionsarbeit: „Frankreich ist in dieser Hinsicht besonders problematisch, weil in diesem Bereich fast gar nichts gemacht wurde.“ Die Frage sei, warum so junge Menschen wie die Attentäter von Paris, die zwischen 15 und 25 Jahre alt sind, für sich beschließen, nach Syrien zu gehen. „Ich glaube, wir haben lange Zeit nicht verstanden, dass wir Präventionsarbeit betreiben müssen, sondern abgewartet bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Dann kommt immer wieder die Frage: Wie können wir das wieder herausholen“, monierte der Islam-Experte. +++ fuldainfo

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