Die Schließung der Gummi in Fulda im vergangenen September war weit mehr als das Aus für einen Industriebetrieb. Sie markierte einen tiefen Einschnitt in das Selbstverständnis einer ganzen Stadt. Mit dem Ende des Werks verlor die Barockstadt nicht nur einen bedeutenden industriellen Standort, sondern viele Bürgerinnen und Bürger zugleich ihren Arbeitsplatz, ihre wirtschaftliche Sicherheit und ihre persönliche Perspektive. Über Wochen hinweg prägte das Thema die Gespräche auf Straßen, in Betrieben und in Familien. Der Name Goodyear wurde zum Sinnbild eines schmerzhaften Strukturbruchs, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind.
Nun zeichnet sich zumindest ein neuer Abschnitt ab. Nach Informationen der Osthessen-Zeitung ist inzwischen ein Käufer für das ehemalige Werksgelände gefunden worden. Der Projektentwickler W&L aus Bad Soden im Taunus beabsichtigt, das Areal zu übernehmen. Damit gibt es erstmals seit der Schließung eine konkrete Zukunftsperspektive für das Gelände – auch wenn viele Details weiterhin offen sind und Antworten noch ausstehen.
Bestätigt wurden diese Angaben von Stephan Ester aus der Pressestelle von Goodyear. Demnach plant der Konzern, das frühere Werksgelände in Fulda an die W&L Logistics GmbH i.G. zu verkaufen. Der Abschluss des Verkaufs ist jedoch noch nicht endgültig. Er ist an die Erfüllung aller vertraglichen Bedingungen sowie an die üblichen Registrierungen gebunden. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Eigentümerwechsel vollzogen werden.
Auch der zeitliche Rahmen ist bereits klar umrissen. Die Übergabe der Immobilie an den neuen Eigentümer soll nach dem Abschluss der Stilllegungsarbeiten erfolgen und wird voraussichtlich im Mai 2026 erwartet. Bis dahin bleibt das Gelände Teil eines geordneten Rückzugsprozesses, der bereits mit der Ankündigung der Schließungspläne im Jahr 2023 begonnen hatte.
Goodyear unterstreicht in diesem Zusammenhang erneut seinen Anspruch auf Verantwortung. Seit der damaligen Ankündigung habe sich der Konzern weiterhin verpflichtet, den Übergang verantwortungsbewusst zu gestalten, die betroffenen Mitarbeiter zu unterstützen und einen sicheren Rückbau des Werks zu gewährleisten. Es sind Worte, die in Fulda aufmerksam gehört werden – und an denen sich der weitere Prozess messen lassen muss.
Der geplante Verkauf des Geländes ist somit kein endgültiger Schlussstrich unter die Geschichte der Gummi, sondern der Beginn eines neuen Kapitels. Für die Stadt Fulda bedeutet er Hoffnung und Mahnung zugleich: Hoffnung auf eine neue Nutzung, auf neue Arbeitsplätze und neue wirtschaftliche Impulse. Zugleich ist er eine Mahnung daran, wie verletzlich industrielle Standorte geworden sind – und wie viel Zeit es braucht, um die Wunden zu schließen, die ihr Verschwinden hinterlässt. Eine Stellungnahme der Stadt liegt bislang noch nicht vor. +++

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