Fulda. Sie besteht aus Beton, Holz und vielen kleinen Mosaiksteinchen, misst mehrere Meter und bietet 15 Menschen Platz. Die Rede ist von der neuen Sitzbank, die Mieter der Wohnstadt im Fuldaer Stadtteil Ziehers-Süd gemeinsam gebaut, in der Dr.-Kopp-Straße auf Höhe der Hausnummer 13 aufgestellt und vor kurzem eingeweiht haben. Von Anfang an wird sie als Treffpunkt genutzt, genau, wie sich die Initiatoren das gedacht haben. Mieter aus dem Quartier setzen sich hin, ruhen sich aus, schauen ihren Kindern beim Spielen zu oder unterhalten sich miteinander. Besonders praktisch: Die halbrunde Form der Bank erleichtert die Kommunikation ungemein. Möglich wurde das Projekt durch die Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration sowie der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt.
Platz für Jedermann
Bedarf an mehr Sitzflächen zum Verweilen im Grünen bestand schon seit längerem. Daher hatten einige der Mieter bereits selbst die Initiative ergriffen und aus eigener Kraft eine provisorische Bank errichtet. Anfang Juli fand im Rahmen des Programms Soziale Stadt ein Innenhof-Café für die Bewohner des Quartiers statt. Dieses Treffen wurde dazu genutzt, Ideen und Vorschläge zur Gestaltung einer neuen Sitzgelegenheit im Viertel zu sammeln. Zehn – männliche – Mieter erklärten sich spontan bereit, bei diesem Projekt mitzuwirken. Fachkundige Anleitung und Unterstützung erhielt der Bautrupp durch den Fuldaer Künstler Paul Möller. Er fertigte zunächst nach ihren Vorgaben einen Entwurf an, wie die künftige Sitzbank aussehen sollte.
Bei der Planung an alles gedacht
Das zehnköpfige Team hat bei der Planung der Bank an alles gedacht: So hatte man sich schnell auf eine U-Form geeinigt, damit die Leute nicht „wie die Vögel auf der Stange hocken, sondern sich im Halbrund gegenübersitzen und unterhalten können“, erläutert Janina Mader vom Sozialmanagement der Unternehmensgruppe. Um das Ganze fest im Boden zu verankern, ruht die Bank auf einem Fundament aus Beton, dessen Außenflächen kunstvoll mit Mosaiken verziert sind. Sitzfläche und Rückenlehnen wurden aus Holz angefertigt und mit Metallstreben so stabil befestigt und verankert, dass keine noch so heftige und blinde Zerstörungswut hier etwas ausrichten kann. Außerdem wurde der Bereich vor der Sitzfläche gepflastert, damit der Boden bei Regen nicht rutschig wird, was vor allem für ältere Leute ein großes Sturzrisiko bedeuten könnte. Auch der Behindertenbeirat schaltete sich ein und regte an, die Sitzhöhe abzusenken – ein Vorschlag, der sofort aufgegriffen wurde. Von den Mietern selbst stammt die Idee, in unmittelbarer Nähe einen Mülleimer zu installieren. Wer länger verweilt, kann den Verpackungsmüll seines Picknicks auf der Bank also problemlos dort entsorgen. Bedingung dafür war allerdings, dass „die Mieter die Müllbeutel vom Stadtteilmanagement erhalten und selbst für eine regelmäßige Leerung Sorge tragen“, so Janina Mader.
Paten für Pflanzen
Um die Umgebung der Bank noch ein wenig schöner zu gestalten, haben einige Mieter zudem angeregt, in der Nähe Blumenkübel aufzustellen. Für deren Pflege sollen sie sich selbst verantwortlich zeigen, indem sie Patenschaften für die Pflanzen übernehmen. Auch hier bewiesen die Mitwirkenden Umsichtigkeit, denn sie regten gleichzeitig an, einen Auffangbehälter für Regenwasser zum Gießen der Blumenkübel mitanzuschaffen. Eine reine Männersache ist dieses Projekt übrigens nicht geblieben. Denn während die Bankfachleute mit vereinten Kräften werkelten, bis die Sitzgruppe schließlich stand, wurden sie die ganze Zeit über von ihren Frauen und Partnerinnen rundum mit Kaffee, Kuchen, Brötchen und kalten Getränken versorgt.
Tolle Stimmung bei der Einweihungsfeier
Kein Wunder also, dass die Stimmung bei der Einweihungsfeier vor wenigen Tagen ausgesprochen gut war. Die Mieterinnen, die die fleißigen Handwerker während der Arbeit mit Speis und Trank versorgt hatten, hatten sich wieder etwas Tolles ausgedacht. Sie schmückten die Bank mit selbstgemachter Deko und hatten typisch russisches Gebäck dabei, das sie an die Besucher verteilten. „Generell ist der Stadtteil Ziehers Süd ein Paradebeispiel, was Mieterbeteiligung, Engagement und miteinander angeht“, sagt Janina Mader. „Das konnte man auch schon beim ersten Stadtteilfest Ende August spüren.“ Unter den Gästen waren Projektkoordinator Christoph Schmidt vom Bereich Soziale Stadterneuerung, die Leiterin des zuständigen Servicecenters, Romy Rath, sowie Vertreter des Sozialmanagements innerhalb der Unternehmensgruppe. Dass die Bank ein echter „Hingucker“ ist, zeigte sich übrigens schnell: Autofahrer, die auf der Dr.-Kopp-Straße unterwegs waren, hielten an und warfen interessierte Blicke auf den neuen Treffpunkt. Der muss nicht der einzige seiner Art bleiben. Beim Stadtteilmanagement denkt man bereits über weitere Sitzbänke nach. +++ pm

Hinterlasse jetzt einen Kommentar