Vertreterinnen und Vertreter der Kommunalen Spitzenverbände, des Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest) sowie der hessischen Ministerien für Soziales und für Wohnen haben in Wiesbaden ein Memorandum zur Initiative „Wohnen nach dem Frauenhaus“ unterzeichnet. Ziel ist es, Frauen nach einem Aufenthalt im Frauenhaus schneller den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zu ermöglichen und zugleich dringend benötigte Plätze in den Einrichtungen wieder freizumachen. Ein wichtiger Beitrag kommt dabei aus der Wohnungswirtschaft: Die Nassauische Heimstätte hat zugesagt, bis 2028 jährlich 10 bis 15 Wohnungen für Frauen aus Frauenhäusern bereitzustellen. Aktuell bleiben laut Sozialmonitor rund 20 Prozent aller betroffenen Frauen länger als sechs Monate im Frauenhaus.
Wirtschafts- und Wohnungsbauminister Kaweh Mansoori erklärte, allein im Jahr 2023 hätten in Hessen mehr als 9.000 Frauen Gewalt in ihrer Ehe oder Partnerschaft erfahren. Die derzeit 32 Frauenhäuser in Hessen seien essenzielle Einrichtungen, die Schutz bieten und einen Weg aus der Gewalt ermöglichen. Der Aufenthalt dort könne jedoch nur ein Zwischenschritt sein. Der Neustart beginne erst mit einer eigenen Wohnung. Deshalb setze die Initiative gezielt an diesem Punkt an, indem mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen und der Übergang einfacher, schneller und verlässlicher gestaltet werde.
Auch Sozialministerin Heike Hofmann betonte, dass Frauen, die Schutz und Zuflucht im Frauenhaus suchen, häufig Schreckliches erlebt hätten. Die Wohnungssuche gestalte sich für sie und ihre Kinder oft besonders schwierig, teilweise sogar demütigend. Mit der Initiative würden Frauen dabei unterstützt, ihr Leben nach dem Frauenhaus selbstbestimmt zu gestalten. Gleichzeitig könnten dadurch dringend benötigte Plätze in den Frauenhäusern neu belegt werden.
Kern der Initiative ist ein Förderprogramm zum Erwerb von Belegungsrechten. Das Land unterstützt Wohnungsunternehmen finanziell, wenn sie Wohnungen für Frauen aus Frauenhäusern bereitstellen. Die geförderten Wohnungen unterliegen einer zehnjährigen Mietpreis- und Belegungsbindung. Das bedeutet, dass die Miete reduziert wird und die Wohnungen zunächst gezielt an Frauen aus Frauenhäusern vergeben werden. Für das Programm stehen im Jahr 2026 mindestens 16 Millionen Euro zur Verfügung.
Die Umsetzung der Initiative beruht auf dem Zusammenspiel aller Beteiligten. Wohnungsunternehmen stellen Wohnungen bereit, das Land unterstützt finanziell, und das Sozialministerium fungiert als vermittelnde Instanz zwischen Frauenhäusern und Wohnbaugesellschaften. Dr. Axel Tausendpfund, Vorstand des VdW südwest, erklärte, die Initiative baue Frauen eine Brücke vom Schutzraum Frauenhaus in ein stabiles Leben. Ein sicheres Zuhause sei dafür die Grundlage. Die Wohnungswirtschaft übernehme gesellschaftliche Verantwortung und unterstütze das Vorhaben engagiert.
Gerda Weigel-Greilich, zweite Vizepräsidentin des Hessischer Städtetag, verwies auf den angespannten Wohnungsmarkt und die Vielzahl von Personengruppen mit Bedarf an Wohnraum. Schutzsuchende Frauen, gegebenenfalls mit Kindern, gehörten jedoch zu den besonders schützenswerten Gruppen und müssten stärker in den Blick genommen werden, um eine sorgenfreie Rückkehr in die Gesellschaft zu ermöglichen.
Auch der Hessischer Landkreistag begrüßte die Maßnahmen. Geschäftsführer Dr. Michael Koch erklärte, die Initiative setze aus kommunaler Sicht genau an der Stelle an, an der der Übergang in ein selbstständiges Leben häufig scheitere: am Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Positiv bewertet werde insbesondere die Förderung zusätzlicher Übergangswohnungen sowie die engere Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Wohnungswirtschaft und Frauenhilfe. Zugleich wies der Verband darauf hin, dass viele Landkreise aufgrund angespannter Haushaltslagen keine zusätzlichen Mittel bereitstellen könnten. Umso wichtiger sei eine verlässliche und langfristige Unterstützung durch das Land.
Dr. Johannes Hanisch, erster Vizepräsident des Hessischer Städte- und Gemeindebund, bezeichnete das Wohnen nach dem Frauenhaus als eine zentrale und anspruchsvolle Aufgabe. Die hessischen Kommunen wollten den Übergang bestmöglich unterstützen. Der Schulterschluss zwischen Kommunen, Land und Wohnungswirtschaft sei ein wichtiges Signal an betroffene Frauen und Einrichtungen, dass Entlastung geschaffen und eine sichere Rückkehr in eine eigene Wohnung ermöglicht werden solle.
Ein Aufenthalt im Frauenhaus bleibt nach Angaben der Beteiligten stets eine Übergangslösung. Viele Frauen könnten die Einrichtungen trotz entsprechender Bereitschaft nicht verlassen, weil bezahlbarer Wohnraum fehle. Die Initiative „Wohnen nach dem Frauenhaus“ setzt genau hier an, indem sie Wohnungsunternehmen, Frauenhäuser und staatliche Stellen miteinander vernetzt und konkrete Lösungen für den Weg in ein selbstbestimmtes Leben schafft. +++

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