Anmoldeep Angadi, Masterstudent der Hochschule Fulda, ist für sein innovatives System zur Ressourcensteuerung in Krankenhäusern mit dem Studierendenpreis für Soziale Innovationen des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt ausgezeichnet worden. Die Umsetzung seiner zukunftsweisenden Lösung wird mit einem Preisgeld von 10.000 Euro gefördert.
Krankheitswellen, extreme Wetterbedingungen oder unerwartete Großereignisse können das Gesundheitswesen an seine Grenzen bringen. Kliniken kämpfen dann mit Personalengpässen und knapp werden Intensivbetten. Die Folgen: Behandlungen verzögern sich und die Gesundheitskosten steigen. Im schlimmsten Fall droht eine Triage. Das heißt: Ärztinnen und Ärzte müssen entscheiden, welche Patienten überhaupt noch behandelt werden können.
Echtzeit-Daten zur Klinik-Steuerung
Der Fuldaer Masterstudent Anmoldeep Angadi hat ein neues Managementsystem entwickelt, mit dessen Hilfe Gesundheitsversorger und Behörden auch in solchen angespannten Situationen ihre Personal- und Bettenkapazitäten effizient managen und Engpässe rechtzeitig erkennen können.
Im Wettbewerb des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) um den Studierendenpreis für soziale Innovationen sicherte sich der Student mit seiner Innovation im Themenbereich Gesundheit und Pflege der Zukunft den ersten Platz unter insgesamt 178 Bewerbungen. Das BMFTR stellt ihm neben dem Preisgeld von 10.000 Euro Coachingressourcen zur Verfügung, um seinen vielversprechenden Ansatz weiterzuentwickeln. In der Mitteilung an den Preisträger heißt es: Ihre „Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie soziale Innovationen zur Bewältigung der drängenden Herausforderungen unserer Zeit beitragen können.“
Abwasserdaten und Google-Suche als Indikatoren
Was Angadis Lösung so innovativ macht: Sein interaktives Dashboard visualisiert nicht nur geographisch die aktuellen Bettenauslastungen, sondern bezieht auch neuartige Indikatoren wie Abwasserdaten und Google-Suchverhalten ein. Der Preisträger erläutert: „Durch die Zusammenführung unterschiedlicher Echtzeitdaten und vorausschauender Analysen in einer einzigen, intuitiv nutzbaren Oberfläche können Gesundheitsentscheider auch in Krisensituationen effizient und faktenbasiert handeln.“
Einsparpotenziale in Millionenhöhe
Professor Dr. Jozo Acksteiner beschreibt die Vorteile so: „Die Lösung beschleunigt die Bereitstellung von Ressourcen und macht eine bedarfsgerechtere und damit effektivere Nutzung der intensivmedizinischen Kapazitäten möglich.“ Schätzungen des Projektteams gehen von jährlichen Einsparpotenzialen in Millionenhöhe alleine in Hessen aus. „Wir haben die Anzahl freier Intensiv-Betten vor und nach der Einführung unserer prognosegestützten Planung verglichen: Demnach mussten nach Implementierung der Lösung 45 Prozent weniger freie Intensiv-Betten vorgehalten werden.“
Auch sei zu erwarten, dass sich mit Hilfe des Systems das Infektionsgeschehen in künftigen Pandemien deutlich effizienter und transparenter werde abbilden lassen als durch breit angelegte Bevölkerungstests. Die praktische Relevanz und Benutzerfreundlichkeit der Lösung hätten Krankenhäuser und Gesundheitsbehörden bereits bestätigt.
Fachübergreifende Lösung mit europaweitem Potenzial
Derzeit ist die Lösung auf regionaler Ebene besonders effektiv, doch es gibt Pläne für eine deutschland- und vielleicht auch EU-weite Anwendung. Entscheidend für den Erfolg ist laut Acksteiner die enge, fachübergreifende Zusammenarbeit mit Partnern aus Praxis und Forschung. „Wir arbeiten mit regionalen Gesundheitsbehörden, Kassenärztlichen Vereinigungen, Kliniken und Forschungseinrichtungen an der technischen Weiterentwicklung des Dashboards.“
Masterstudent Anmoldeep Angadi entwickelte die Lösung als Praktikant der IntuitivAnalytix GmbH, ein Unternehmen für Geoanalysen, Geoinformationssysteme, Datenanalytik, Data Science und Künstliche Intelligenz, in Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum Frankfurt, der Technischen Universität Dresden und dem hessischen Sozialministerium. Unter der Leitung von Professor Acksteiner flossen Erfahrungen aus Projekten während der Coronazeit in die Lösung ein. +++ pm

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