Lange Wartezeiten: Spahn will mehr Psychotherapeuten zulassen

Spahn hatte sich bisher skeptisch gezeigt

Jens Spahn (CDU)
Jens Spahn (CDU)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will entgegen seiner bisherigen Linie die Zahl der Psychotherapeuten erhöhen, um die Wartezeiten für die Patienten zu verkürzen. In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, über die die Zeitungen des “Redaktionsnetzwerks Deutschland” berichten, schreibt das Ministerium, zwar hätten die im vergangenen Jahr eingeführte psychotherapeutische Sprechstunde und die neue Akutbehandlung bereits zu einer Verbesserung der Situation geführt.

Die positiven Wirkungen “könnten aber nur dann vollständig zum Tragen kommen, wenn den Versicherten auch genügend Therapieplätze für die Aufnahme einer Richtlinientherapie zur Verfügung stehen”. Deshalb sei es wichtig, dass Krankenkassen und Ärzteschaft ihre Beratungen über Zahl und Verteilung der Praxissitze zügig zum Abschluss bringen. Eine kleinräumigere und passgenauere Planung “trägt maßgeblich dazu bei, dass eine hinreichende Zahl von Psychotherapeuten für die Versorgung der Patienten zur Verfügung steht”. Spahn hatte sich bisher skeptisch gezeigt, ob mehr Psychotherapeuten tatsächlich zu einer Verkürzung der Wartezeiten führen. So argumentierte er unter anderem, die Wartezeiten seien dort am längsten, wo es die meisten Therapeuten gebe.

Diese Argumentation wird in der Antwort nicht wiederholt. Nach Einschätzung der Psychotherapeutenkammer fehlen in Deutschland etwa 1700 Praxen, insbesondere auf dem Land und im Ruhrgebiet. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink begrüßte die neue Haltung. Sie sagte dem RND, Menschen mit psychischen Erkrankungen benötigten schnelle und niedrigschwellige Hilfe. “Durch lange Wartezeiten erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich psychische Erkrankungen verschlimmern oder gar chronisch werden und Patientinnen und Patienten letztendlich als Notfall im Krankenhaus landen.” Dreh- und Angelpunkt sei die Weiterentwicklung der Bedarfsplanung. “Das scheint die Bundesregierung nach Jahren endlich auch zu erkennen und schwenkt nun um.” Den Worten müssten jetzt Taten folgen: “Die Betroffenen haben lang genug gewartet”, sagte Klein-Schmeink dem RND. +++

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1 Kommentar

  1. Ich arbeite in einer Einrichtung für psychisch kranke Menschen im Landkreis Fulda. Hier erlebe ich, wie aussichtslos sich die Suche nach einem ambulanten Psychotherapieplatz gestaltet. Meine Klienten telefonieren regelmäßig eine Therapeutenliste ab. Bei einem Großteil der Therapeuten gibt es einen Aufnahmestopp und es existiert noch nicht mal mehr eine Warteliste. Bei den wenigen, die noch eine Warteliste haben, sind halbe bis dreiviertel Jahre bis zu einem Erstgespräch keine Seltenheit. Die oben erwähnte psychotherapeutische Sprechstunde erweist sich als Quatsch. Zwei Klientinnen vereinbarten in dieser Zentralstelle in Schotten im Vogelsberg (nächste Sprechstunde in unserer Region) einen Termin. Dieser dauerte wenige Minuten. Die Ärztin stellte den Bedarf fest und füllte ein Formular aus, das der Krankenkasse vorgelegt werden sollte. Beide Klientinnen waren schon seit Monaten vorher auf der Suche gewesen. Sie traten mit dem Formular an ihre Krankenkassen heran und baten darum, sich auch bei anderen Therapeuten vorstellen zu dürfen, die nicht generell kassenabrechenbar sind. Hier ist die Chance, einen Therapeuten zu finden, noch höher. Fehlanzeige. Die Kassen stellen sich stur. Obwohl beide Klientinnen nachweisen können, dass sie seit Monaten nichts finden und selbst auf keine Wartelisten kommen, lehnen die Kassen alles ab. Die eine Krankenkasse schickte der Klientin die selbe Liste von zugelassenen Therapeuten zu, die die Klientin schon seit Monaten regelmäßig abtelefoniert. Hier im Wohnheim erhalten die Klienten noch Beistand. Was ist mit verzweifelten psychisch Kranken, die bei der Suche nach einem ambulanten Therapieplatz auf sich allein gestellt sind? Es zeugt schon von einer gewissen Überheblichkeit, zu behaupten, die Wartezeiten seien dort am längsten, wo es die meisten Praxen gäbe. Aber anscheinend ist unser Gesundheitsminister lernfähig.

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