Landkreis Fulda erweitert das Versorgungskonzept für Opfer sexueller Gewalt

Soforthilfe bei Vergewaltigung

Die Werbung an und in den Bussen der RhönEnergie soll auf die Soforthilfe im Landkreis Fulda aufmerksam machen. Von links: Vize-Landrat Frederik Schmitt, Prof. Dr. Dirk Breitmeier, Leiter des Fachbereichs Gesundheit, und Susanne Jahn von der Schutzambulanz. Foto: Sebastian Mannert

Der Landkreis Fulda bietet in Kooperation mit den drei Krankenhäusern der Region Opfern einer Vergewaltigung medizinische Soforthilfe mit der Möglichkeit einer rechtssicheren Spurensicherung an. „Fulda gehört zu den Modellregionen, die entsprechende Versorgungsstrukturen geschaffen haben, um Betroffenen schnell, vertraulich und unbürokratisch Hilfe zu leisten“, sagt Vize-Landrat Frederik Schmitt und hebt hervor, dass die enge Vernetzung der Akteure vor Ort den Zugang in das Hilfesystem erleichtere.

Die Federführung hat dabei das Gesundheitsamt des Landkreises Fulda, das die seit 13 Jahren bestehende Schutzambulanz mit diesem Hilfekonzept nun aktuell erweitert hat. „Vergewaltigungsopfer brauchen eine professionalisierte medizinische und psychosoziale Versorgung – nebst einer vertraulichen Sicherung der Spuren, insbesondere auch ohne, dass eine Anzeige bei der Polizei dafür erforderlich ist. Durch das Versorgungskonzept wird im Landkreis Fulda die Hilfe für Opfer sexueller Gewalt komplettiert“, ergänzt Prof. Dr. Dirk Breitmeier, Leiter des Fachbereichs Gesundheit. Aktuell wird das Modellprojekt über Info-Werbung in und auf Bussen der RhönEnergie bekanntgemacht. Dies wurde durch eine Förderung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration ermöglicht.

In Kooperation wird das Konzept durch die drei Krankenhäuser der Region unterstützt: das Klinikum Fulda, das Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda und die Helios St. Elisabeth Klink Hünfeld. Deren Kontaktdaten finden sich auf der eigens eingerichteten Webseite www.soforthilfe-nach-vergewaltigung.de nach zwei Klicks auf „Hessen“ und „Fulda“. Wer nach einer Gewalttat nicht weiterweiß und den Gang zur Polizei scheut, findet auf der Webseite unter der Rubrik „Was tun?“ hilfreiche und klare Informationen und Hilfestellungen, über die Möglichkeit zu medizinischen Untersuchungen und Beratungen. Ganz wichtig: Alle Untersuchungen und Gespräche sind vertraulich. Es werden keine Entscheidungen gegen den Willen der Patienten getroffen. Niemand wird zu etwas gedrängt. Die Spuren einer Gewalttat können jedoch gesichert und aufbewahrt werden, falls die geschädigten Personen eventuell später strafrechtlich gegen Täter oder Täterinnen vorgehen möchten. Jene Opfer sexueller Gewalt, die oft aus Angst und Scham schweigen, sind durch dieses Soforthilfe-Konzept freier in ihrer Entscheidung und können medizinische Hilfe annehmen, ohne zu fürchten, jemand werde über ihren Kopf hinweg Anzeige erstatten.

Auf der Webseite gibt es außerdem die Kontaktdaten des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) e.V. und pro familia, zwei Fuldaer Beratungsstellen, die für klärende und unterstützende Gespräche zur Verfügung stehen. Ebenfalls bietet die Webseite auch Infos für die Ärzteschaft, darunter finden sich Informationen für Patientinnen und Patienten in leichter Sprache, auf Arabisch, Englisch und Türkisch. Wichtige Infos gibt es dort zudem für Fachkräfte und Angehörige. Basis des Modellprojektes ist die Beratungsstelle Frauennotruf in Frankfurt. Träger ist der Verein Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V. Frankfurt. +++ PM