Kühne+Nagel warnt vor wachsender Engpass-Gefahr

Impfrate müsse weltweit steigen

Der Chef des Schweizer Logistikriesen Kühne+Nagel, Detlef Trefzger, warnt vor einem weltweit stockenden Warenverkehr. Die Lage könnte sich mindestens bis zum chinesischen Neujahrsfest Anfang Februar verschärfen, sagte er dem „Spiegel“. Bis dahin könne sich das Risiko verstopfter Häfen oder Terminals sogar noch erhöhen. Auch danach seien die Engpässe voraussichtlich nicht überwunden. An den Häfen könne man möglicherweise im Sommer oder Herbst 2022 eine Normalisierung erwarten. „Und dazu muss noch viel passieren“, so Trefzger.

Vor allem müsse die Impfrate weltweit steigen und die Effizienz der wichtigsten Häfen deutlich verbessert werden. Bis in der Luftfahrt der interkontinentale Passagierverkehr wieder glatt läuft, könne es noch zwei Jahre länger dauern. Viele Einzelhändler haben sich nach Beobachtung von Trefzger auf die Situation vorbereitet und in den vergangenen Monaten ihre Lager gefüllt. In den USA liege der Warenbestand circa 20 Prozent höher als vor zwei Jahren. „Alle bestellen mehr“, so der Konzernchef. Die zusätzlichen Orders könnten allerdings zu weiteren Transportengpässen führen. Die Verbraucher würden die Folgen unter Umständen im Weihnachtsgeschäft spüren, wenn sie nicht saisonale Ware, etwa ein Elektrofahrrad, verschenken wollten: „Für den kann ich nur hoffen, dass seine Bestellung schon draußen ist.“

Die Logistikbranche müsse sich künftig vermehrt auf Engpässe in der Infrastruktur weltweit einstellen. Beim Abwickeln von Luftfracht, vor allem aber in den Seehäfen, seien die Abläufe gestört, wenn sich Teams nicht mehr begegnen dürften, deren Arbeitszeit sich früher überlappten, so Trefzger. „Wir erleiden spürbare Produktivitätsverluste durch pandemiebedingte Auflagen.“ Liegt der Zielhafen für China-Exporte an der US-Westküste, muss man nach Auskunft des Kühne+Nagel-Chefs mindestens zwei Wochen zusätzlich einplanen, so lang seien aktuell die Wartezeiten vor den Häfen. In puncto Produktivität sei kein US-Hafen unter den Top 50. In Europa müsse man vier, fünf Tage mehr einkalkulieren. +++

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