Krankenhausgeschäftsführer Michael Sammet (Vinzenz Gruppe Fulda) im Gespräch

„Was wir als Bürgerinnen und Bürger sicherlich alle wollen, ist eine gute Gesundheitsversorgung in den Krankenhäusern“

Michael Sammet, Geschäftsführer des Herz-Jesu-Krankenhauses Fulda

Dipl.-Betriebswirt Michael Sammet ist Geschäftsführer der Herz-Jesu-Krankenhaus gGmbH und St. Vinzenz-Krankenhaus Hanau gGmbH. Beide Krankenhäuser gehören zur St. Vinzenz gGmbH, Fulda. Vor dem Hintergrund der inzwischen vierten Welle haben wir am Mittwoch mit dem Geschäftsführer des in Fulda ansässigen Herz-Jesu-Krankenhauses (HJK) und des St. Vinzenz-Krankenhauses in Hanau im Main-Kinzig-Kreis über die aktuelle Situation auf den Covid-Stationen gesprochen. „Wir haben in der Tat im Moment sehr herausfordernde Zeiten“, so der Geschäftsführer beider Häuser, auch wenn die Situation am Mittwoch im Vergleich zu anderen Häusern und Bundesländern noch händelbar war. So wurden seinerzeit im Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda 11 Patienten mit einer Corona-Infektion, davon ein Patient auf der Intensivstation, behandelt. 21 Patienten waren es im Haus in Hanau, auch hiervon einer auf der Intensivstation. Bei unserem Gespräch befragten wir Sammet danach, wie er die allgemeine Situation im Moment einschätzt.

„Geimpfte haben einen milderen Krankheitsverlauf als Ungeimpfte“

„Wir stellen fest, dass in den letzten Tagen die Zahl der Patienten sukzessive ansteigt. Was wir auch beobachten, ist, dass die Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen, in der Regel Ungeimpfte sind“, sagt Sammet, der deutlich macht: „Patienten, die gegen Corona geimpft sind, haben einen milderen Krankheitsverlauf als solche, die nicht geimpft sind.“ Wir befragten den Krankenhausgeschäftsführer, wie er die Situation im Hinblick auf die politischen Entscheidungen beurteilt und was seiner Meinung nach getan werden müsse, um die Lage in den Griff zu bekommen? Um dieser Frage vollends gerecht zu werden, holt Sammet weiter aus: „Wir in den Krankenhäusern beobachten die Situation jetzt schon seit vielen Wochen und Monaten. Wir haben uns sehr gewundert, wie vonseiten der Politik agierte wurde bzw. wie nicht agiert wurde. Man hat doch diese vierte Welle kommen sehen. Alle Experten waren sich darin einig, dass wir im Herbst wieder höhere, ja hohe Infektionszahlen verzeichnen werden. Insbesondere das Personal, die Ärzte und Pfleger, hat den Eindruck gewonnen, dass man sich diesbezüglich – sowohl was die geschäftsführende Bundesregierung als auch die neue Koalition anbetrifft – auf die Politik nicht unbedingt verlassen kann.

Fachkräftemangel – Unter den derzeitigen (Pandemie-)Bedingungen möchten immer weniger ins Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen, insbesondere das Krankenhauswesen ist in vielen Regionen am Anschlag, oft auch darüber hinaus belastet. Hier darf man eines nicht vergessen: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Stationen arbeiten jetzt seit 22 Monaten unter Pandemiebedingungen mit einer hohen Arbeitsdichte und Arbeitslast. Von daher finde ich es unverantwortlich vonseiten der Politik, diese vierte Welle so laufen zulassen. Man möchte ja auch nach der Pandemie noch ein funktionierendes Gesundheitswesen haben. Und so belastet wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken und Krankenhäusern sind, führt das sicherlich dazu, dass immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegepersonals sagen werden, dass sie zukünftig nicht mehr in diesem System arbeiten möchten und diese Message auch an die nachkommende Generation, vielleicht sogar ihren Kindern weitergeben. Von daher sollte die Politik unbedingt alles möglich und in ihrer Macht Stehende tun, das diese Situation nicht eintrifft, anstatt sich damit zu befassen, auszuloten, wie viel Freiheit den Bürgerinnen und Bürgern in der vierten Welle zugestanden werden kann, ja verantwortbar ist. Was wir als Bürgerinnen und Bürger sicherlich alle wollen, ist eine gute Gesundheitsversorgung in den Krankenhäusern und da bedarf es in der aktuellen Situation dringend entsprechende Kontaktbeschränkungen. Es ist längst weit nach zwölf, man hätte viel früher auf die steigenden Infektionszahlen reagieren müssen und entsprechende Vorkehrungen treffen müssen. Im Sommer waren wir geprägt vom Wahlkampf, da hat das Thema Corona keine Rolle gespielt. Experten haben genau diese Situation vorhergesagt und stattdessen lässt man die pandemische Lage einfach ihren Lauf, hierfür habe ich keinerlei Verständnis.“

„Die Ungeimpften belasten das Gesundheitssystem massiv“

Nach der allgemeinen Impfpflicht, die laut der Politik im März des kommenden Jahres kommen soll, und den massiven Bedrohungen vonseiten der Impfverweigerer und Corona-Leugner, – Verharmloser, etc. gegenüber Pflegepersonal, Apothekern, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Einzelhandel befragt und wie hier vorgegangen werden müsste, sagte der HJK-Geschäftsführer: „Ich habe vollstes Verständnis für diejenigen, die sagen, ich möchte selbst entscheiden, wie ich mit meiner Gesundheit umgehe. Aber wir haben in den Kliniken und Krankenhäusern nun einmal die Situation, dass die Ungeimpften unser Gesundheitssystem massiv belasten. Diese Situation halten wir als Gesellschaft in Zukunft nicht aus und genauso wenig, dass wir ständig neue Infektionswellen haben. Unser Gesundheitssystem bricht zusammen; auch wirtschaftlich betrachtet, wird die Gesellschaft diese Situation nicht aushalten. Corona können wir nur dann besiegen, wenn sich möglichst viele Menschen bereiterklären, sich impfen zu lassen. Ich hoffe inständig, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger für die Corona-Schutzimpfung entscheiden, denn die momentane Situation ist wirklich prekär. Wenn man die Krankheitsverläufe der Ungeimpften vor Ort auf den Intensivstationen sieht und Patienten, die die Infektion überleben, im Nachhinein mitteilen muss, dass sie mit einer Corona-Schutzimpfung besser dran gewesen wären, Ihnen dann aber bloß Uneinsichtigkeit entgegengebracht wird, ist das schon bedauerlich.“ „Es bleibt die Hoffnung, dass sich unabhängig von einer allgemeinen Impfpflicht doch noch viele, viele Menschen für die Corona-Schutzimpfung entscheiden“, sagt der Geschäftsführer des Herz-Jesu-Krankenhauses in Fulda Michael Sammet abschließend. An diesem zweiten Adventswochenende ließen sich in den Impfzentren des Herz-Jesu-Krankenhauses Fulda über 1300 Bürgerinnen und Bürger impfen. Erfreulich ist, dass darunter auch eine ganze Menge Erstimpflinge gewesen sind. Weitere Themen bei unserem Gespräch mit Herrn Sammet waren u.a. das heikle Thema „Triage“ und die Auswirkung der Corona-Pandemie auf die Krankenhausfinanzen. +++ jessica auth

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