Kommunalwahl-Trend in Hessen: CDU vorn – Verluste in Fulda – AfD holt stark auf

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Foto: Stadt Fulda

Hessen hat gewählt – und die ersten Trendergebnisse der Kommunalwahlen vom 15. März 2026 zeigen ein politisch aufgewühltes Bild. Nach der Auszählung der unveränderten, nur mit einem Listenkreuz versehenen Stimmzettel kommt die CDU landesweit auf 29,7 Prozent und bleibt damit klar stärkste Kraft. Dahinter folgt die SPD mit 20,2 Prozent, während die AfD mit 15,9 Prozent deutlich zulegt und sich vor die Grünen schiebt, die auf 14,4 Prozent kommen. Die Linke erreicht 5,8 Prozent, die FDP 3,7 Prozent. Sonstige Parteien liegen bei 6,6 Prozent, Wählergruppen bei 3,6 Prozent.

Auch die Wahlbeteiligung sorgt für Aufmerksamkeit: 54,4 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab – etwas mehr als bei den Kommunalwahlen 2021, als noch 50,4 Prozent zur Wahl gingen.

Nach aktuellem Stand der Auswertung haben rund 2,6 Millionen Wählerinnen und Wähler abgestimmt. 1,6 Millionen von ihnen – das sind 64,3 Prozent – setzten schlicht ein Listenkreuz, ohne ihre Stimmzettel zu verändern. In der Wahlnacht 2021 waren es noch 58,9 Prozent. Noch nicht ausgewertet sind 0,8 Millionen Stimmzettel beziehungsweise 32,8 Prozent der abgegebenen Stimmen. Ungültig waren nach aktuellem Stand 75 708 Stimmzettel, was einem Anteil von 3,0 Prozent entspricht. 2021 lag dieser Wert bei 3,2 Prozent.

Ein Blick zurück zeigt, wie stark sich die politischen Kräfteverhältnisse verändert haben. Bei den Kommunalwahlen 2021 hatte die CDU noch 28,5 Prozent erreicht, die SPD 24,0 Prozent, die Grünen 18,4 Prozent, die FDP 6,7 Prozent, die AfD 6,8 Prozent und die Linke 4,0 Prozent. Wählergruppen kamen damals auf 4,2 Prozent, Sonstige auf 7,3 Prozent.

Die Kommunalwahlen entscheiden über die Zusammensetzung der Parlamente in Landkreisen und Gemeinden in Hessen. Insgesamt führen 421 Städte und Gemeinden sowie 21 Landkreise die Wahlen in eigener Verantwortung durch. Zuständig sind die jeweiligen Stadt-, Gemeinde- oder Kreiswahlleitungen. Das Hessische Statistische Landesamt bereitet anschließend die Kreis- und Gemeindewahlergebnisse statistisch auf und ermittelt daraus ein sogenanntes statistisches Landesergebnis.

Ein echtes landesweites Wahlergebnis gibt es bei Kommunalwahlen nämlich nicht, weil jede Wahl nur für ihr jeweiliges Gebiet gilt – also für einzelne Ortsteile, Gemeinden oder Kreise. Um dennoch ein Gesamtbild für ganz Hessen zu erhalten, berechnet das Landesamt ein statistisches Landesergebnis. Dafür werden die Ergebnisse der Kreiswahlen in den Landkreisen sowie der Stadtverordnetenwahlen in den kreisfreien Städten zusammengeführt.

Das jetzt veröffentlichte Trendergebnis liefert dabei nur einen ersten Eindruck vom Kräfteverhältnis. Es basiert ausschließlich auf den Stimmzetteln, bei denen ein Wahlvorschlag unverändert mit einem Listenkreuz angenommen wurde. Stimmzettel, auf denen Wählerinnen und Wähler kumuliert oder panaschiert haben, fließen erst in die spätere Auszählung ein. Deshalb kann sich das endgültige Ergebnis noch verändern.

Die vollständigen Trendergebnisse beruhen auf den Daten, die das Hessische Statistische Landesamt in der Wahlnacht bis 02:32 Uhr am 16. März 2026 von den kommunalen Wahlleitungen erhalten hat. Die vorläufigen Ergebnisse der Kommunalwahlen werden zum Ende dieser Woche erwartet. Die endgültigen Ergebnisse sollen Ende März oder Anfang April vorliegen. Dabei weist das Statistische Landesamt darauf hin, dass es bei seinem Datenangebot grundsätzlich auf eine termingerechte und korrekte Übermittlung der Informationen durch die kommunalen Wahlleitungen angewiesen ist.

Besonders spannend ist der Blick nach Osthessen: In Fulda bleibt die CDU trotz deutlicher Verluste stärkste Kraft. Mit 35,1 Prozent der Listen-Stimmen verteidigt sie ihre Spitzenposition, verliert jedoch sieben Prozentpunkte. Große Gewinnerin ist dort die AfD. Sie kommt auf 23,2 Prozent und legt damit um 16,0 Prozentpunkte zu. Die Grünen landen mit 11,7 Prozent deutlich dahinter und verlieren 4,5 Punkte. Die SPD erreicht 9,1 Prozent und büßt ebenfalls 4,4 Punkte ein.

Der AfD-Kreisverband Fulda spricht bereits von einem historischen Erfolg. Nach den vorliegenden Trendergebnissen hat die Partei ihr Ergebnis im Kreistag im Vergleich zu 2021 mehr als verdoppelt und in der Fuldaer Stadtverordnetenversammlung sogar mehr als verdreifacht. Gleichzeitig haben die linksgrünen Parteien ihre Ergebnisse in etwa halbiert. +++
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Kommentar dazu
Fulda nach der Wahl: Ein Ergebnis, das mehr erzählt als nur Zahlen

Das Wahlergebnis in Fulda wirkt auf den ersten Blick klar – und ist doch ein Signal für spürbare Verschiebungen im politischen Gefüge. Trotz eines deutlichen Verlustes von sieben Prozentpunkten bleibt die Christlich Demokratische Union Deutschlands bei den Listenstimmen mit 35,1 Prozent die stärkste Kraft. Das Ergebnis markiert zwar einen Rückgang gegenüber der vorherigen Wahl, bestätigt jedoch weiterhin die dominierende Stellung der Partei im politischen Kräfteverhältnis der Stadt.

Doch wer nur auf den ersten Platz schaut, übersieht die eigentliche Dynamik dieses Ergebnisses. Die Alternative für Deutschland legt massiv zu. Mit 23,2 Prozent der Stimmen rückt sie auf Rang zwei vor. Das Plus von 16,0 Prozentpunkten ist der mit Abstand größte Zuwachs im Feld der Parteien – und verändert das Kräfteverhältnis deutlich.

Mit einigem Abstand folgen die Bündnis 90/Die Grünen. Sie erreichen 11,7 Prozent der Listenstimmen und verlieren damit 4,5 Prozentpunkte. Hinter ihnen liegt die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die mit 9,1 Prozent ebenfalls Einbußen hinnehmen muss. Für die Sozialdemokraten bedeutet das ein Minus von 4,4 Prozentpunkten.

Damit zeigt sich ein Wahlergebnis mit klaren Verschiebungen: Während die CDU trotz Verlusten an der Spitze bleibt und die AfD stark hinzugewinnt, verzeichnen sowohl Grüne als auch SPD deutliche Rückgänge.

Interessant ist dabei eine Beobachtung abseits der reinen Zahlen. In Gesprächen mit Menschen am Uniplatz Fulda war dieser Trend so deutlich nicht erkennbar. Viele Stimmen klangen differenziert, manches blieb vage – doch der massive Zugewinn für die AfD zeichnete sich in diesen Gesprächen nicht ab. Genau darin liegt jedoch eine der Stärken demokratischer Wahlen: Wenn Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz machen, sind sie mit ihrer Entscheidung allein. Sie treffen sie anonym, unbeobachtet und frei. Und das ist gut so. +++ NH


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