
Die finanzielle Lage der deutschen Kommunen bleibt angespannt. Die Kern- und Extrahaushalte der Gemeinden und Gemeindeverbände haben im ersten Halbjahr 2026 ein Finanzierungsdefizit von 20,1 Milliarden Euro verzeichnet. Damit verharrt das Defizit auf dem Rekordniveau des Vorjahreszeitraums. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag nach vorläufigen Ergebnissen der vierteljährlichen Kassenstatistik mitteilte, war bereits im ersten Halbjahr 2025 ein Defizit von 20,1 Milliarden Euro registriert worden. Damit war der Fehlbetrag damals so hoch wie noch nie in einer ersten Jahreshälfte seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1990.
Das Defizit im ersten Halbjahr 2026 ist insbesondere auf die kommunalen Kernhaushalte zurückzuführen. Dort überstiegen die Ausgaben die Einnahmen um 20,0 Milliarden Euro. Die Extrahaushalte wiesen dagegen ein vergleichsweise geringes Defizit von 0,1 Milliarden Euro auf.
Insgesamt stiegen die bereinigten Ausgaben der Kern- und Extrahaushalte der Gemeinden und Gemeindeverbände im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 um 2,7 Prozent beziehungsweise 5,4 Milliarden Euro auf 204,1 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Anstieg der Ausgaben mit 6,9 Prozent noch deutlich höher gelegen. Die bereinigten Einnahmen erhöhten sich im ersten Halbjahr 2026 um 3,0 Prozent beziehungsweise 5,3 Milliarden Euro auf 184,0 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2025 waren die Einnahmen noch um 6,0 Prozent gestiegen.
Bei den wesentlichen Ausgabepositionen zeigte sich eine weitgehend gleichmäßige Entwicklung. Die Personalausgaben erhöhten sich um 5,2 Prozent auf 54,7 Milliarden Euro. Für laufende Sachaufwendungen gaben die Kommunen 49,5 Milliarden Euro aus, was einem Anstieg von 4,0 Prozent entspricht. Die Ausgaben für soziale Leistungen stiegen um 3,9 Prozent auf 46,3 Milliarden Euro. Die zweckgebundenen Zuweisungen an den nicht-öffentlichen Bereich, zu denen beispielsweise die Förderung von Kindertagesstätten und anderen Einrichtungen freier Träger gehört, erhöhten sich um 5,2 Prozent auf 25,4 Milliarden Euro.
Besonders deutlich legten die kommunalen Zinsausgaben zu. Sie stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 13,1 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig gingen die Sachinvestitionen um 4,5 Prozent auf 21,7 Milliarden Euro zurück. Die Ausgaben für Baumaßnahmen sanken um 2,4 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro.
Auf der Einnahmeseite entwickelten sich die Steuereinnahmen der Gemeinden und Gemeindeverbände nur schwach. Die Netto-Steuereinnahmen erhöhten sich im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,9 Prozent auf 57,3 Milliarden Euro. Dabei gingen die Gewerbesteuereinnahmen nach Abzug der entsprechenden Verrechnungen um 2,0 Prozent auf 30,8 Milliarden Euro zurück.
Ausgeglichen wurde dieser Rückgang durch Mehreinnahmen bei anderen Steuerarten. Die Gemeindeanteile an der Einkommensteuer stiegen um 0,5 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Die Einnahmen aus Grundsteuern erhöhten sich um 4,1 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Besonders stark fiel der Zuwachs beim Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer aus. Dieser stieg um 26,9 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro.
Auch bei den Zuweisungen entwickelten sich die Einnahmen unterschiedlich. Die Schlüsselzuweisungen an die Kommunen stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum lediglich um 0,3 Prozent auf 30,3 Milliarden Euro. Die zweckgebundenen Zuweisungen von den Ländern erhöhten sich dagegen um 3,4 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro. Die Zuweisungen der Länder für Investitionen nahmen um 8,7 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro zu.
Eine weitere Einnahmequelle bildeten Verwaltungs- und Benutzungsgebühren. Diese stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 5,7 Prozent auf 26,5 Milliarden Euro. Dabei war die Entwicklung bei den Extrahaushalten stärker als bei den Kernhaushalten. Die Einnahmen aus Verwaltungs- und Benutzungsgebühren erhöhten sich bei den Extrahaushalten um 8,3 Prozent auf 13,4 Milliarden Euro. Bei den Kernhaushalten betrug der Anstieg 3,2 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro.
Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen damit, dass die Kommunen trotz steigender Einnahmen weiterhin mit einem erheblichen Abstand zwischen ihren Einnahmen und Ausgaben konfrontiert sind. Während die bereinigten Einnahmen im ersten Halbjahr 2026 um 5,3 Milliarden Euro zunahmen, stiegen die bereinigten Ausgaben um 5,4 Milliarden Euro. Das kommunale Finanzierungsdefizit blieb damit mit 20,1 Milliarden Euro auf dem bereits im Vorjahr erreichten Rekordniveau. +++

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