Khakzar: Alle arbeiten mit Hochdruck daran, das kommende Semester zu ermöglichen

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Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar

Die Corona-Virus-Pandemie stellt uns alle seit Wochen vor große Herausforderungen. Vor allem haben an ihr neben Kliniken und Krankenhäuser das Gastgewerbe sowie kleine und mittelständische Betriebe zu knabbern. Die Folgen des neuartigen Virus sind auch in Fulda spürbar. Vor diesem Hintergrund haben wir kürzlich eine schriftliche Anfrage an den Präsidenten der hiesigen Hochschule (HS) Fulda, Prof. Dr. Karim Khakzar, gesendet und ihn u.a. zu seinen Erfahrungen in Verantwortlichkeit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und zu den wirtschaftlichen Folgen befragt.

fuldainfo.de: Guten Tag Herr Präsident Khakzar, welche Erfahrungen haben Sie bislang mit dem Stillstand gemacht?

Prof. Dr. Karim Khakzar: Für die Hochschule können wir sagen: Es gibt keinen Stillstand, auch wenn das von außen betrachtet aufgrund der Campusschließung anders scheinen mag. Im Gegenteil: Alle arbeiten mit Hochdruck daran, das kommende Semester auch unter den derzeitigen schwierigen Bedingungen zu ermöglichen. Selbstverständlich war die Umstellung auf einen Basisbetrieb zunächst eine hohe Anforderung für alle Beteiligten, die Mehrbelastungen mit sich brachte, jedem einzelnen ein hohes Maß an Flexibilität abverlangte und durchaus auch zu Unsicherheiten bei Beschäftigten und Studierenden geführt hat. Inzwischen hat sich aber vieles gut eingespielt.

Ich sehe die momentane Situation auch als eine große Chance für die Hochschule. Wir haben in kurzer Zeit erstaunlich viel bewegt, damit die Studierenden ihr Studium ohne Unterbrechung fortsetzen können. Die Einsatzbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen ist ausgesprochen hoch. Vieles wird schnell und pragmatisch entschieden. Vor allem mit Blick auf die Digitalisierung sind wir schon einen großen Schritt vorangekommen. Die Lehrenden bereiten sich intensiv darauf vor, ihre Lehrveranstaltungen online anzubieten. Wir sammeln Erfahrungen und Ideen und können davon nur profitieren, weil sich damit neue Perspektiven für die Lehre insgesamt auftun.

Ich bin sicher, dass wir viele Lösungen, die wir für die jetzige Situation gefunden habe, nach der Krise in unseren Alltag integrieren werden – angefangen bei Videokonferenzen in der Verwaltung bis hin zu einem sinnvollen Mix aus Online- und Präsenzlehre.

fuldainfo.de: Wie sieht Ihre Ausstiegsstrategie aus?

Prof. Dr. Karim Khakzar: Gemeinsam mit dem hessischen Wissenschaftsministerium und den 13 weiteren Hochschulen in Hessen haben wir ein koordiniertes Vorgehen vereinbart. Wir starten das Sommersemester am 20. April, weil wir alles versuchen wollen, dass unseren Studierenden keine Nachteile entstehen. Das bedeutet aber keineswegs, dass wir bereits am 20. April zum gewohnten Hochschulbetrieb mit Präsenzveranstaltungen auf dem Campus zurückkehren. Vielmehr wird das Semester mit Online-Lehre starten. Wie sich die Situation dann im weiteren Verlauf entwickeln wird, müssen wir abwarten.

Wir bereiten uns derzeit darauf vor, das Semester komplett online zu gestalten. Wenn sich im Laufe der Zeit herausstellt, dass Lehrveranstaltungen mit vertretbaren gesundheitlichen Risiken möglich sind, dann können wir stufenweise wieder Präsenzveranstaltungen anbieten. Ein erster Schritt wäre es dann beispielsweise, alle Prüfungen nachzuholen, die verschoben wurden. Das heißt: Wir werden in jedem Fall nur schrittweise den Campusbetrieb wieder aufnehmen.

Auch für die Bibliothek arbeiten wir mit Hochdruck daran, die derzeitigen Regelungen zu lockern - selbstverständlich unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. So planen wir momentan eine Notausleihe, damit Studierende und Lehrende wieder auf Materialien in der Bibliothek zugreifen können.

fuldainfo.de: Welche wirtschaftlichen Folgen erwarten Sie?

Prof. Dr. Karim Khakzar: Für die hessischen Hochschulen haben wir gerade den neuen Hochschulpakt abgeschlossen. Er soll Planungssicherheit für die Jahre 2021 bis 2025 geben. Momentan hoffen wir, dass sich zum Zeitpunkt, wenn der Pakt in Kraft tritt, die Situation so stabilisiert haben wird, dass die Finanzierung der Hochschulen gesichert ist. Aber natürlich müssen wir die gesamtwirtschaftliche Situation im Blick behalten. Wenn Steuereinnahmen einbrechen, dann könnte sich das möglicherweise auch auf die Hochschulen auswirken.

Spürbarer sind die wirtschaftlichen Folgen bereits für die Studierenden. Viele müssen sich zur Finanzierung ihres Studiums etwas hinzuverdienen. Doch ein Großteil der typischen Studierendenjobs fallen jetzt weg. Es wird also deutlich schwieriger, das Studium mit Hilfe von Minijobs zu finanzieren. Deshalb diskutieren wir gerade auf Bundesebene darüber, inwieweit es möglich ist, die Notfallfonds aufzustocken, die über die Hochschulgemeinden bereits zur Verfügung stehen. Denn deren finanzielle Ausstattung reicht in der momentanen Situation bei Weitem nicht aus. Eine Aufstockung wäre wichtig, um Härtefälle zu vermeiden. Auch darüber hinaus werden im Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin neue Programme zur Unterstützung von Studierenden diskutiert. Entscheidungen stehen jedoch noch aus.

Was das Bafög angeht, so ist ein Nachteilsausgleich im Gespräch für all diejenigen, deren Studium sich aufgrund der momentanen Situation verlängert.

fuldainfo.de: Besten Dank, Herr Präsident, für die Beantwortung der Fragen. Bleiben Sie gesund! +++ fuldainfo.de


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1 Kommentar

  1. Ich bin mal gespannt, was passiert, wenn ca. 10.000 Studierende gleichzeitig auf das Internet Angebot der Hochschule Fulda zugreifen, um zum Beispiel die Videoübertragungen ihrer Online Seminare anzuschauen. Wie lange wird es dann dauern, bis die Server zusammenbrechen? Oder ist diese Zahl nicht so groß? Mal sehen, ob das alles klappt. ;-)

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