Gestern hat in Fulda die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz begonnen. Heute Morgen kamen die Bischöfe zum Eröffnungsgottesdienst im Fuldaer Dom zusammen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ging dabei unmittelbar auf das Thema des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen ein. „Wir schauen in jeder Eucharistiefeier auf die Sünden der Kirche, nicht nur auf die Heiligen. Wir schauen auf unsere eigene Schwäche, auf die dunklen Seiten unseres Lebens und des Lebens der ganzen Kirche“, so Kardinal Marx. „Gerade heute tun wir das, wenn wir unsere Beratungen aufnehmen – Beratungen über Missbrauch, sexuelle Gewalt, Erniedrigung inmitten der Kirche, auch durch Amtsträger. Wir sind erschrocken und tief erschüttert über das, was möglich war im Volk Gottes, durch Priester, die den Auftrag des Evangeliums hatten, Menschen aufzurichten.“
[dropshadowbox align="right" effect="curled" width="40%" height="" background_color="#f1f7fd" border_width="1" border_color="#125ba8" ]Während des Gottesdienstes wurde in den Fürbitten der Betroffenen sexuellen Missbrauchs gedacht. Der Wortlaut der Fürbitten: 1. Für alle, die sexuell oder auf andere Weise missbraucht wurden, innerhalb und außerhalb der Kirche: Um deine besondere Nähe und um Heilung ihrer Wunden an Leib und Seele. 2. Für alle, die anderen mit Rat und Tat helfend zur Seite stehen: Um ein hörendes Herz und die nötige Geduld im Umgang miteinander. 3. Für unseren Papst Franziskus und das ganze Volk Gottes: Um Glaubensfreude, Mut und Zuversicht bei der Verkündigung deines Wortes. 4. Für die hier versammelten Bischöfe: Um Frucht bringende Beratungen in den drängenden Fragen und Problemen unserer Tage. 5. Für die Regierenden in unserem Land und für alle Machthaber dieser Erde: Um weise Entscheidungen und den Einsatz für Frieden in Gerechtigkeit. 6. Für unsere verstorbenen Seelsorger, Angehörigen und Freunde – und für alle Toten: Um das ewige Leben in deiner Herrlichkeit. [/dropshadowbox]Kardinal Marx rief dazu an, sich dieser dunklen Seite zu stellen: „Wir müssen das anschauen, auch wenn wir schon viel getan haben. Aber wir müssen noch mehr tun. Die Opfer, die Betroffenen haben ein Anrecht auf Recht und Gerechtigkeit. Wir müssen das Gespräch mit den Betroffenen suchen. Bei all dem Dunklen ist es unsere Verpflichtung hinzuschauen, zu verstehen und Konsequenzen zu ziehen.“ Dazu brauche es auch das Gebet des ganzen Volkes Gottes. „Wir brauchen den Mut und die Kraft, einen neuen Anfang zu machen, neue Zeichen zu setzen, damit die Menschen uns wieder glauben! Denn viele glauben uns nicht mehr“, so Kardinal Marx. „Ich bitte Sie alle, dass wir uns im Gebet gegenseitig stärken. Wir treten vor ihn, unsere Hoffnung und unser Leben und bekennen unsere Schuld.“ In seiner Predigt fragte Kardinal Marx, wie ein gelingendes Leben aussehen könne. Für die Christen komme es darauf an, zu verstehen, was die Gemeinschaft des Gottesvolkes ausmache: „Was ist das Projekt der Kirche? Was ist das gute Leben der Kirche? Gerade in herausfordernden Zeiten wie jetzt, wo wir in der Diskussion um sexuellen Missbrauch die dunklen Realitäten des kirchlichen Lebens sehen, ist die Frage nach dem Kern dessen, was wir als Kirche tun wollen, umso wichtiger.“
Kardinal Marx erinnerte an den Weg Jesu: Er habe zuerst zugehört, dann eine neue Lebenspraxis gezeigt und das Gebet gelehrt. „Diese drei Elemente machen die wesentliche Ausrichtung der Kirche aus, wenn sie gut werden will, wenn sie das Ziel Jesu verwirklicht. Nur wenn diese drei Elemente miteinander gelebt werden, kann die Kirche neue Glaubwürdigkeit gewinnen. Nicht die reine Lehre macht uns glaubwürdig, nicht der Katechismus allein, sondern das, was Jesus uns als Lebenspraxis und Gebet mitgibt.“ Die Verschränkung von Lehre, Praxis und Gebet zu erkennen, zeichne eine neue Epoche der Kirche aus. „Das Gebet verändert den Glauben, es bringt ihm neue Perspektiven hinzu. Wir sollen nicht nur hören und alles besser wissen, sondern wir haben den Auftrag zu bezeugen was es heißt, Christ zu sein. Dann werden wir das Evangelium wieder sichtbar machen können in unserer Gesellschaft“, so Kardinal Marx. „Bitten wir den Herrn in dieser herausfordernden Stunde der Kirche, dass wir neu mutig werden, den Weg der Kirche einzuschlagen, den Jesus von uns will. Er verlässt die Kirche nicht.“ +++



Das ist ja ein netter Versuch von Kardinal Marx die Wogen im Bezug auf den stattgefundenen Missbrauch zu glätten, doch die handwerklichen Fehler sind offensichtlich:
-Wie kann es sein, dass nach bekanntwerden von Missbrauchsfällen in Diözesen massenhaft Akten geschreddert wurden, um Spuren zu verwischen? Das Verhalten erinnert an das Ende der DDR und mit ihr das Ende der Stasi. Gleiches wurde dort auch getan. Gleichzeitig wurde die moralische Keule geschwungen, dass die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei. Anscheinend will die katholische Kirche einem beweisen, dass gleiches Verhalten doch unterschiedlich ist?
-Wie kann es sein, dass Transparenz nur soweit zugelassen wird, wie es selbst genehm ist? Ein gequältes Gesicht jetzt auszusetzen soll Vertrauen zurückgewinnen, doch eine selbst erstellte Studie ist nur die Spitze des Eisberges und ahmt das Verhalten nach, was diverse Politiker in Untersuchungsausschüssen bei deren Befragung an den Tag legen-nur so viel zugeben, wie ohnehin schon bekannt ist.
Vom Sinneswandel kann noch lange keine Rede sein-hierzu fehlt die göttliche Eingebung.
Noch ein Wort zum Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche. Das ganze Thema ist schon sehr lange in der Diskussion. Ich erinnere nur mal daran, dass u.a. bereits 2002 die ehemalige katholische Professorin Uta-Ranke Heinemann sich im Spiegel äußerst scharf zu dem Thema geäußert hat. Das immer noch sehr interessante Interview kann man hier nachlesen:
http://www.spiegel.de/panorama/interview-mit-uta-ranke-heinemann-der-vatikan-ein-frauenloses-terrarium-mit-vielen-homosexuellen-a-193261.html
Wie lange das Thema bereits innerhalb der Kirche schwelt und dass dies sogar zum Rücktritt von Papst Benedikt geführt hat zeigt eine ARD Dokumentation von 2016:
Die Vatikanverschwörung
Kann man sich u.a. hier ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=zXgUKd5Q7ss
Also soll mir keiner erzählen, dass das Thema erst gestern auf die Tagesordnung kam. Die doch recht späte Beschäftigung der deutschen Bischofskonferenz damit ist für den Rest von Autorität der kath. Kirche in Deutschland nicht gerade sehr förderlich.
Und das gerade in diesen Zeiten!
Für mich übrigens gehört der Zölibat abgeschafft. Doch genau den schützt diese Studie. Kommt doch dem Klerus sehr gelegen. Oder?
Gerade jetzt in diesen Zeiten, wo Rechtspopulisten und faschistische Parteien auch in Deutschland immer mehr Zulauf finden, wäre angesichts der bevorstehenden Wahlen in Bayern und Hessen ein starkes Wort der Kirchen vor allem zur AFD durchaus sinnvoll.
Jedoch ist die Kirche als ehemalige moralische Instanz leider immer noch mit ihren eigenen Sünden, wie dem durch das Zölibat verursachten Missbrauch an Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Sie fällt daher als Ratgeber in dieser schwierigen Zeit wohl leider aus.
In Fulda schweigt das Bistum zu der Frage, ob ein Christenmensch die AFD überhaupt wählen kann. Nur der Stadtpfarrer von Fulda, Stefan Buß traut sich überhaupt, zu der Thematik Stellung zu nehmen. Solch mutige Menschen müsste es mehr in der Kirche geben!
Dabei kann man sich schon fragen, ob die Kirche überhaupt so etwas wie Wahlempfehlungen geben darf. Sicherlich nicht. Denn die Hauptaufgabe der Kirchen ist die Verbreitung des Glaubens nach der Lehre Jesu Christi. Und doch gibt es da noch eine weitere Aufgabe, die alle Christenmenschen und vor allem auch die Amtskirche betrifft: der Kampf gegen das Böse!
Wer wie die AFD mit stetigen Lügen den Hass auf Asylanten und andere Ausländer schürt, wer Zwietracht unter den Menschen sät und fördert, der ist ein guter Mitarbeiter des Satans. Und genau deshalb sollte sich die Kirche überwinden, in diesem Jahr eine klare Wahlempfehlung auszusprechen: ein guter Christ kann und darf die AFD niemals wählen weil diese dem Teufel den Boden bereitet!
Bedenken sollten die Kirchen und die Christen insgesamt auch, dass die Geschichte um die Geburt Jesu in Bethlehem auch eine Geschichte um unerwünschte Ausländer ist, die dringend eine Herberge suchten, weil Maria hoch schwanger war. Sie mussten mit einem einfachen Stall Vorlieb nehmen. Doch der Mensch, der da geboren wurde, war auserkoren, der Begründer einer Weltreligion zu werden, weil der Geist Gottes in ihm war. Und genau deshalb sollte jeder gute Christ begreifen, dass es eine schwere Sünde ist, Menschen, die Schutz suchen, die Tür zu weisen, wie es die AFD und einige andere Parteien in Europa fordern. Denn in jedem von uns steckt auch der Geist Gottes. Und man kann nie wissen, was aus einem armen einfachen Menschlein eines Tages alles werden kann. Und so ist JEDER Mensch wertvoll, weil Gott in ihm wohnt, wie es Chaplin 1940 in seinem Film "Der große Diktator" einst formuliert hat.
Das sollten derzeit vor allem die katholischen Kirchenfürsten beherzigen und dem Mut ihres Stadtpfarrers folgen.