Die Johannes-Dyba-Allee in Fulda behält ihren Namen. Nach rund einem Jahr kontroverser Debatte hat die Stadtverordnetenversammlung am Montagabend eine Umbenennung der Straße mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Damit bleibt es bei der Bezeichnung, die seit dem Jahr 2000 an den früheren Fuldaer Bischof Johannes Dyba erinnert.
Die Auseinandersetzung um den Straßennamen hatte sich längst von einer reinen Frage der Namensgebung gelöst. Im Mittelpunkt standen vielmehr Vorwürfe zum Umgang Dybas mit Fällen sexuellen Missbrauchs durch Priester während seiner Amtszeit. Kritiker sehen darin einen Grund, den früheren Bischof nicht länger zum Namensgeber einer Straße zu machen. Damit ging es in der Debatte zugleich um eine grundsätzliche Frage: Wie soll eine Stadt mit Persönlichkeiten umgehen, deren Wirken heute anders bewertet wird als zu ihren Lebzeiten?
Das öffentliche Interesse an der Entscheidung war entsprechend groß. Zahlreiche Zuschauer waren eigens wegen dieses Tagesordnungspunktes in die Stadtverordnetenversammlung gekommen, um die Debatte und die anschließende Abstimmung unmittelbar zu verfolgen. Für viele von ihnen endete der Abend jedoch mit Enttäuschung. Nach Bekanntgabe des Ergebnisses verließen zahlreiche Besucher die Stadtverordnetenversammlung, vielfach sichtlich enttäuscht über die Entscheidung.
Die SPD hatte vorgeschlagen, die Straße wieder in Kastanienallee umzubenennen. Unter diesem Namen war sie bis zum Jahr 2000 bekannt. Der Antrag zielte damit nicht nur auf die Abkehr von Johannes Dyba als Namensgeber, sondern zugleich auf die Rückkehr zu einer historischen Bezeichnung der Straße.
Am Ende setzte sich jedoch die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung für die Beibehaltung des Namens durch. 33 Stadtverordnete stimmten gegen die Umbenennung, 23 dafür. Damit fand der Antrag der SPD keine Mehrheit. Nach rund einem Jahr der öffentlichen und politischen Auseinandersetzung ist die Frage der Umbenennung damit zunächst entschieden.
Die Debatte selbst dürfte mit der Abstimmung allerdings nicht aus dem öffentlichen Gedächtnis der Stadt verschwinden. Dafür war das Thema zu grundsätzlich und das Interesse zu groß. Es ging um die Erinnerung an einen früheren Bischof, um den Umgang mit den Vorwürfen gegen ihn und letztlich auch um die Frage, welche Maßstäbe eine Stadt bei der Benennung ihrer Straßen anlegt. +++

Vieleicht sollte man noch erwähnen, WER gegen die Umbenennung gestimmt hat.
Zitat von der Homepage des hr:
„Für die Umbenennung stimmten die Grünen (7 Stimmen), SPD (5), FDP/FW/FGG (3), Volt (3), Linke (3), Die Partei (1) sowie ein Stadtverordneter der AfD. Dagegen votierten die CDU (22), zehn AfD-Abgeordnete und Bündnis C (1). Enthaltungen gab es keine.“
Dass bedeutet: die rechtskonservative Alternative für Deutschland hat zusammen mit der Christlich Demokratischen Union und dem Bündnis C – Christen für Deutschland verhindert, dass den Betroffenen Gerechtigkeit widerfährt.
Entsetzte Reaktionen der CDU nach dem Ergebnis: KEINE!
Dazu fällt mir eine alte Fabel ein: „Die Waage der Baleks“ von Heinrich Böll.
Darin ein Lied: „Gerechtigkeit auf Erden hat Dich oh Herr getötet!“
Und letztendlich ist das Ergebnis für das Bistum Fulda auch sehr zufriedenstellend. Denn persönliche Dokumente von Dyba oder gar Tagebuchaufzeichnungen, die seine Schuld zweifelsfrei belegen würden, hat das Bistum meines Wissens der Kommission gar nicht zur Verfügung gestellt. Das ist wie im Vatikan: darüber herscht Stillschweigen.
MEA CULPA?