Jahresempfang der Gemeinde und des Gewerbevereins Großenlüder

Rund 180 Gäste aus der Kommunal- und Landespolitik, Wirtschaft, Verwaltung, Kirche und Gesellschaft waren gestern Abend anlässlich des Neujahrsempfangs der Gemeinde und des Gewerbevereins Großenlüder im Lüderhaus zusammengekommen. Als Gastreferent fungierte der Unternehmer, Keynote Speaker und Buchautor Martin Limbeck (Limbeck Group GmbH & Co. KG).

Gewerbevereinsvorsitzender Stephan Günther

Der Vorsitzende des Gewerbevereins Großenlüder Stephan Günther hieß die Anwesenden vonseiten des Gewerbevereins herzlich willkommen. Sein besonderer Willkommensgruß galt Bürgermeister Florian Fritzsch (SPD), dem heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Hering MdL sowie Pfarrer Joachim Hartel von der Katholischen Pfarrgemeinde „St. Georg“ Großenlüder und Pfarrer Michael Grimm von der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Salzschlirf-Großenlüder, letztere nach den Worten von Stephan Günther dem gemeinsamen Neujahrsempfang „fast schon traditionell“ beiwohnten. Ein weiterer Willkommensgruß galt mit Martin Limbeck, dem gestrigen Hauptreferenten. Ausschlaggebend dafür, bei Limbeck anzufragen, ob dieser am 22. Januar 2023 schon etwas vorhat, sei, so Günther, sein aktuelles Buch „Dodoland – uns geht´s zu gut. Warum wir alle wieder mehr leisten müssen“ gewesen, neben dem gemeinsamen Ziel, zu verkaufen, wie der Gewerbevereinsvorsitzende mit einem Schmunzeln hinzufügte. „Es hat mich riesig gefreut als wir jüngst miteinander telefonierten und Martin Limbeck sein Kommen für heute zusagte. Schön, dass es geklappt hat“, so Günther.

Stephan Günther ging auf den Titel von Limbecks jüngst erschienenen Werkes ein. „Viele der heute hier Anwesenden werden sicher denken: Hhhm – eine gewagte These. Verfolgen wir die Presse, so könnte man meinen, uns in Deutschland gehe es alles andere als gut – Inflation, Energiekrise, Wohnungsmangel, Kinderarmut, Altersarmut. Ureigene Phrasen, die uns täglich begegnen und die Schlagzeilen und auch die Politik bestimmen. Ja – es ging uns schon besser sicherlich – noch besser.“ Und weiter: „Leben wir aber in einer tatsächlichen Armut? Wie manche Interessensgruppen uns heute suggerieren wollen oder aber ist ein vorübergehender Wohlstandsverlust ein Tabubruch, den wir niemals aussprechen werden? Es wird eine Geisteshaltung erzeugt; immer müsse alles durch irgendwen ausgeglichen werden. Für Sozialausgaben sind in 2023 die Summe von 200 Milliarden Euro eingeplant davon alleine 129 Milliarden Euro in die Rentenversicherung. Dazu kommen 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr, Sonderfonds für alles Mögliche werden geschaffen. In diesem Kontext kommt mir ein altes Karnevalslied in den Sinn:

‚Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, Wer hat so viel Pinke-Pinke, wer hat so viel Geld?‘

Irgendwie ahne ich, wer dieser Jemand sein soll – das sind die 10 Prozent der Haushalte, die heute schon 50 Prozent des gesamten Steueraufkommens tragen. Auf der anderen Seite begegnet uns ein Fachkräftemangel, der sich immer mehr auszubreiten scheint. Viele Gaststätten, Bäckereien und viele weitere Unternehmungen schließen oder schränken ihre Angebote ein, weil sie kein Personal mehr haben oder es immer weniger Menschen gibt, die sich für eine Ausbildung in diesen Berufen entscheiden. Von Berufen in der Pflege sei hier noch gar nicht gesprochen. Blicken wir dann noch auf den Krieg in der Ukraine, die damit verbundenen weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen, die wir zu meistern haben und die soziale Verantwortung, die wir übernehmen müssen und auch wollen, so kann man sicher sagen: Ein anspruchsvolles Jahr liegt vor uns. Aber sind wir mal ehrlich – ist dies nicht in jedem Jahr so? Alle Jahre sind anspruchsvoll. Alle Jahre bieten ihre ganz eigenen Herausforderungen, und dies wird in 2023 keineswegs anders werden.

Warum uns 2023 dennoch zuversichtlich stimmen sollte

Herausragende Aufgaben, die wir zu bewältigen haben, liegen vor uns, und das muss uns keineswegs Angst machen. Das Schöne ist, wir alle gemeinsam haben die Anforderungen, die uns gestellt wurden, bislang immer ganz gut gemeistert. Und dies – und davon bin ich überzeugt – wird uns auch im Jahr 2023 gelingen. Warum? Wir haben in Großenlüder hervorragende Gewerbetreibende, die innovativ und investitionsbereit sind. Diese haben das Glück, vielleicht auch Vater des Erfolges auf Mitarbeitende blicken zu können, die voll und ganz hinter dem Unternehmen stehen, auf die wir uns verlassen können. Wir haben eine Infrastruktur, auf die wir – gemessen an unserem dörflichen Charakter – stolz sein können. Wir haben eine Gemeindepolitik, die heute und auch schon seit Jahren einen Rahmen schafft, in dem es sich erfolgreich arbeiten lässt. Und die Meisten von uns tragen die Kraft in sich, unsere Situation auch weiter zu verbessern.“ Stephan Günther dankte abschließend seinen Kollegen aus dem Vorstand. „Hinter uns liegt wie üblich ein spannendes und ereignisreiches Jahr. Viele Gespräche haben wir konstruktiv und zielführend geführt. Es bleibt also spannend. Ein herzliches Dankeschön für Euch.“

„Wer hätte vor einem Jahr gedacht, was uns das Jahr 2022 bescheren wird? Nach zwei harten Pandemie-Jahren hätten wir uns eine Verschnaufpause gewünscht, stattdessen setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, das nach der Krise vor der Krise ist“, so Bürgermeister Florian Fritzsch (SPD) in seinen einleitenden Worten zur Begrüßung. „Wir sind derzeit mit so vielen Herausforderungen konfrontiert wie nie und das gleichzeitig. Seit dem 24. Februar 2022 ist in Europa nichts mehr so wie es einmal war. Russland hat die Ukraine in einem brutalen Angriffskrieg überfallen. Wir haben Krieg mitten in Europa, ein Gedanke, der uns fremd geworden und für uns unvorstellbar war. Deswegen möchte ich Ihnen sagen, dass mein größter Wunsch für das Jahr aktuelle Jahr 2023 eine friedliche Welt ist.“

Fritzsch: „Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, damit es bald wieder einen langfristigen Frieden in Europa gibt.“

Bürgermeister Florian Fritzsch

Bürgermeister Fritzsch weiter: „Zigtausend Menschen sind in der Ukraine gestorben. Millionen mussten ihr Zuhause verlassen und sind auf der Flucht. Über eine Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer haben wir seit Kriegsbeginn alleine in Deutschland aufgenommen. Nicht nur daran lässt sich ableiten, dass wir fest an der Seite der Ukraine stehen. Gemeinsam mit den internationalen Partnerinnen und Partnern unterstützt Deutschland die Ukraine finanziell, logistisch und militärisch, damit die Menschen dort ihr Land verteidigen können. Es müssen alle Anstrengungen unternommen werden, damit es bald wieder einen langfristigen Frieden in Europa gibt. Die Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine bekommen auch wir hier in Deutschland, bei uns im Landkreis und in den Kommunen zu spüren, das ist übrigens Putins Kalkül. Mit diesen Folgen müssen wir aber umgehen können, ganz gleich ob in der Gemeinde, in unseren Unternehmen oder im Privaten. Bis zum heutigen Tag konnten in und durch die Großgemeinde Großenlüder rund 150 Menschen aus der Ukraine Zuflucht und Unterkunft finden, morgen kommen weitere fünf Schutzsuchende hinzu, die uns vom Landkreis Fulda zugewiesen werden. Ich bin den Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Großenlüder, die diesen Menschen mit Wohnraum, Sach- und Geldspenden helfen sowie in der Vergangenheit geholfen haben, sehr dankbar. Wir versuchen einerseits weiterhin unserer solidarischen Verpflichtung gegenüber dem Landkreis Fulda nachzukommen und andererseits unserer aktiven Dorf- und Vereinsgemeinschaft mit der Bereitstellung von Gemeinschaftshäusern gerecht zu werden.“

Und weiter: „Der Klimawandel und die Auswirkungen des Krieges in Europa wirken sich auch auf die Sympathiewerte der Deutschen für Parteien und Institutionen aus. Die sogenannte Vertrauenskrise ist vor allem dem Vertrauensverlust auf Bundesebene und auch auf der Ebene der Europäischen Union geschuldet. Dennoch musste das Meinungsforschungsinstitut forsa bei den aktuellen Vertrauensmängel auch feststellen, dass die Umfragewerte für die kommunale Ebene erstmals seit Jahrzehnten so schlecht sind wie nie zuvor. Daher sehe ich es als eine wesentliche Aufgabe von Kommunalpolitik und auch Kommunalverwaltung, mit den Menschen zu reden, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und auch Entscheidungen zu erklären. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir in Großenlüder jederzeit in der Lage sind, Problemstellungen in einem gemeinschaftlichen Diskurs anzugehen und mit Lösungsansätzen zu versehen. Hierzu bedarf es beileibe nicht der Einmischung rechtspopulistischer Stimmen, die ohne Kenntnis von Sachverhalt und Hintergründen meinen, sich in die gemeindliche Politik einmischen zu müssen. Unsere Demokratie hat in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen, dass sie stark ist und Konflikte aushält. Und dennoch muss uns bewusst sein, dass unsere demokratischen Werte niemals selbstverständlich sind. Sie sind fragil und müssen immer wieder aufs Neue mit Leben gefüllt werden. Der Blick in andere Länder in der Welt oder auch in die Geschichte unseres eigenen Landes muss uns eindrücklich daran erinnern, dass es die Demokratie ist, die uns vor Willkür und Gewalt schützt, die Frieden, Freiheit und Rechtstaatlichkeit sichert, die die Würde jedes einzelnen Menschen wahrt, und sie ist es, die die Grundlage für Wohlstand und sozialen Frieden schöpft.“

Zukunftswerkstatt unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger

Martin Limbeck

Bezugnehmend zu den jüngsten Entwicklungen in der Gemeinde Großenlüder sprach Bürgermeister Fritzsch gestern die bedarfsgerechten und nachhaltigen Veränderungsprozesse an, die im Rahmen einer Zukunftswerkstatt unter der Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger vor Ort angestoßen werden sollen. Die verschiedenen Bereiche des dörflichen Lebens sollen, so Bürgermeister Fritzsch, gezielt nach möglichen Verbesserungen begutachtet werden. Besonders wichtig sei hierbei der Blick der Menschen auf ihre Heimat Großenlüder. Denn sie, so Bürgermeister Fritzsch, wüssten am besten, was vor Ort benötigt werde. „Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern sollen ortsspezifische Herausforderungen erkannt und zukunftsorientierte Lösungen entwickelt werden.“ In diesem Zusammenhang gelte es ebenso, sich mit denjenigen Herausforderungen konstruktiv auseinander zu setzen, denen Städte und Gemeinden besondere Aufmerksamkeit widmen sollen. Unter anderen soll sich mit vier Handlungsfeldern – Wohnen, Mobilität, Versorgung und Kommunikationsinfrastruktur – inhaltlich auseinandergesetzt werden, für deren Bewältigung das Zusammenspiel von Politik und Verwaltung, aber auch Gewerbe und Bürgerschaft zu wertvollen Ergebnissen geführt werden können.

Die besten Wünsche für 2023, viel Glück und Erfolg sowie gesundheitliches Wohlergehen an die Anwesenden adressierten gestern auch Pfarrer Joachim Hartel von der Katholischen Pfarrgemeinde „St. Georg“ Großenlüder und Pfarrer Michael Grimm von der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Salzschlirf-Großenlüder. In seinem Impulsvortrag „Dodoland: Mit der Kraft der Selbstdisziplin zu mehr Leistung“ zeigte Martin Limbeck Wege zu mehr Effizienz auf, um daraus Motivation zu schöpfen und scheute sich nicht, Schwachpunkte und Trugschlüsse der Gesellschaftskultur zu benennen. Sein gesellschaftspolitisches Buch habe er, wie er sagt, aus dem „eigenen Erleben heraus“ geschrieben. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Limbeck Group GmbH & Co. KG unterstützt Unternehmen weltweit beim Auf- und Umbau ihrer Vertriebsorganisationen. Gemeinsam mit der Führungsebene ermittelt er den Reifegrad der Organisation und vereinbart realistische Ziele. Mit seinem Team entwickelt Martin Limbeck die passenden Veränderungsprozesse und begleitet den Change als Berater und Coach. Limbeck erhielt im Laufe seiner Karriere zahlreiche Auszeichnungen wie beispielsweise „Conga Award“, „Top Speaker oft the Year“ oder „Vorbildunternehmer“. Seine Buchveröffentlichungen finden sich auf den Bestseller-Listen von „Handelsblatt“ und „manager magazin“, die über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt sind. Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang der Gemeinde und des Gewerbevereins Großenlüder von der Mara & Chris Miller Band; Unterstützung erfuhr sie von Willi Genßler am Saxophon und auf der Querflöte. +++ jessica auth

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